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CD-Tipps (2009/07)

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CDs, kurz vorgestellt von Andreas Kolb und Juan Martin Koch

Pathétique. Yun – Beethoven – Yun. Kaya Han, Klavier. NEOS 20803

Klassisch ausgewogene Wiener Schule ist das nicht, was Kaya Han mit ihrer Interpretation von Beethovens Grand Sonate pathétique präsentiert. Bereits dass sie die Beethoven-Sonate in die Klänge von Ysang Yuns Klaviermusik einbettet, ist ein bemerkenswertes und bisher ungehörtes Statement. Pathétique heißt Schrecken, Furcht und Trauer, alles emotionale Zustände, wie sie auch der koreanische Komponist in seiner bewegten Biografie oft genug erlebt haben muss. Und wie für Beethoven ist auch für den zeitweise politisch Verfolgten Yun das Wort Freiheit keine Phrase. Sein Klavierwerk besteht nur aus den drei auf dieser Aufnahme zu hörenden Stücken, die dennoch ein Lebenswerk widerspiegeln, da sie aus drei völlig unterschiedlichen Lebens- und Schaffensphasen stammen. Han, die noch mit dem Meister persönlich an den Stücken arbeiten konnte, stellt hier Interpretationen vor, in denen Emotion und Struktur gleichermaßen Platz finden.

Andreas Kolb


The Piazzolla Project. Artemis Quartett, Jacques Ammon, Klavier. Virgin Classics 50999 267292 0 6

Aus der kaum mehr zu überblickenden Flut größtenteils überflüssiger Piazzolla-CDs ragt diese einsam heraus. Cellist Eckart Runge und Pianist Jacques Ammon haben für ihre Arrangements einfach genauer hingehört und realisieren die zu Klassikern avancierten Schlager des Tango nuevo (die „Jahreszeiten“ sind darunter) mit eben jener Mischung aus rhythmischer Strenge und agogischer Freiheit, die für diese Musik essenziell ist. Dem Artemis Quartett gelingt es gar, in vibratofreien akkordischen Passagen die Klanglichkeit des Bandoneons schmerzlich heraufzubeschwören. Und die Auflösung der Fuge aus „María de Buenos Aires“ in der mysteriösen Coda lassen sie in einer zunehmend sich auflösenden Wiederholung grandios verebben. Unterhalb dieses Niveaus sollte sich von nun an kein klassisches Ensemble mehr trauen, Piazzolla zu spielen.

Michael M. Kasper: rounds per minute. Werke von G. Ligeti, B.A. Zimmermann, H. Lachenmann u.a. Ensemble Modern Medien EMCD-006

Eine wunderbare Konzept-CD hat der Cellist des Ensemble Modern hier vorgelegt. Mit einer brillant gespielten Programmfolge von den Solosonaten Ligetis und Zimmermanns über Lachenmanns „Pression“ bis hin zu Michael Gordons brachialem „Industry“ spürt er dem nach, was er in dem schönen Bookletinterview als das allmähliche Verschwinden des Interpreten aus der Musik beschreibt. Konsequenterweise legt er danach das Cello aus der Hand, klatscht mit Jagdish Mistry die „Clapping Music“ von Steve Reich und endet mit Alvin Luciers Gaspedal-Solo „RPM‘s“. Ein Abgesang. Ein Neuanfang?

Juan Martin Koch

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