Eine Stunde vor dem Beginn des ersten sonntäglichen Matinee-Konzerts hat sich bereits eine den Einlass herbei sehende Schlange gebildet, die mehrere hundert Neugierige umfasst. Auch in 2010 ist das Interesse am „BMW Welt Jazz Award“ gewaltig: die Massen strömen, um sich im beeindruckenden Ambiente des Doppelkegels mit hochkarätigem Jazz auseinander zu setzen. Im letzten Jahr traten sechs gefeierte Klavier Trios gegeneinander an, um im Finale um einen eigens geschaffenen Pokal und 10.000 Euro Preisgeld zu spielen. Diesmal wartet das Siegertreppchen auf einen Gesangskünstler – „Voices In Jazz“ ist der 2. BMW Welt Jazz Award überschrieben.
Aus New York war zum Auftakt Theo Bleckmann angereist. Der Dortmunder, der seit über zwanzig Jahren im Big Apple lebt, dort als Gesangsprofessor arbeitet und längst eine amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, brachte Ben Monder, einen der großen Gitarrenstilisten unserer Tage mit. Der lässt wundersam changierende Arpeggien ineinander gleiten, zirkulieren und wie Loopings in den kathedralenartigen Himmel des Doppelkegels steigen. Theo Bleckmanns feine, nuancierte Stimme singt dazu entrückte, oft berührende Passagen, lehnt sich an Charles Ives, zitiert den persischen Sufi-Dichter Rumi. Das über weite Strecken Meditative bricht er gern mit digitalen Mitteln auf und auch mal mit Hilfsmitteln, die sonst dazu dienen, verstopfte Toiletten freizukriegen. In diesem Fall befreite er die Ohren damit. Bleckmann und Monder schufen ihren eigenen kleinen Kosmos.
Eine Woche später traf der Berliner Sänger Michael Schiefel in der BMW Welt auf den Pianisten und Organisten Carsten Daerr. Schiefel ist eine Spur exaltierter als sein Konkurrent Bleckmann und lebt in Musik von Mendelssohn bis hin zu The Police, aber auch in eigenen Stücken das Kind in sich aus. Daerr fängt die hohe, quirlige, temperamentvolle Stimme meist mit ruhigem, innigem konzentriertem, oft klassisch durchdrungenem Spiel auf, kann seinen Duo-Partner aber auch mit dem zur Orgel umfunktionierten Oberheim-Synthesizer anpieksen.
Interessant wird, wie die fünfköpfige Jury um den Vorsitzenden Oliver Hochkeppel (Süddeutsche Zeitung) die ersten beiden Auftritte bewertet. Bis Mitte März haben er und seine Kollegen, aber auch das Publikum jetzt noch Konzerte von vier Sängerinnen vor sich. Die von der Elfenbeinküste stammende Cecile Verny muss sich als erste aus der Damenriege beweisen. Ihr folgen Maria de Fatima aus Portugal, die aus Israel stammende Efrat Alony und schließlich Youn Sun Nah aus Südkorea. Diese Vokalistinnen versprechen vermeintlich leichtere Kost als ihre männlichen Vorgänger.
Wer im April das Finale bestreitet, wer darüber hinaus den ausgelobten Publikumspreis erhält, das bleibt spannend und ist selbst für Kenner nicht so leicht vorhersehbar wie der Ausgang des Vorjahres.