Claus Ogerman war ein Mensch, der mit einer gewissen Verwunderung auf das Interesse an seiner Person reagierte. Seine Arbeit als Arrangeur für die Größen des amerikanischen Jazz (Stan Getz, Bill Evans, Wes Montgomery, Frank Sinatra, Oscar Peterson etc.) und des brasilianischen Bossa-Nova-Sounds (Tom Jobim, João Gilberto), aber auch mit Pop- und Soul-Sängern, verglich er mit einer für ihn typischen Mischung aus Understatement und Selbstsicherheit gern mit der eines musikalischen Rahmenmachers.
Auch das Bild vom Modeschöpfer bemühte er gern. In einem seiner höchst seltenen Interviews sagte er einmal, dass Modemacher und Arrangeure im Prinzip das Gleiche machen: „Wir schneidern Kleider, in denen sich unsere Kunden wohlfühlen und richtig gut aussehen. Ein Karl Lagerfeld arbeitet mit Stoffen – ich mache das gleiche mit Tönen.“
Kurz zuvor hatte er nach „The Look of Love“ (2001) ein zweites Album – „Quiet Nights“ – für Diana Krall arrangiert. Auf die Frage, ob seine Arrangements eine Art akustisches Abendkleid für die Sängerin darstellten antwortete Ogerman: „Harmonisch interessanter als ein Abendkleid. ‚The Look of Love‘ läuft so oft im Hotel oder im Radio – da musste das neue Album schon etwas dissonanter klingen.“
Ein Gespräch mit Claus Ogerman lief ein bisschen so ab: Der Journalist wollte vor allem über dessen Streicher-Orchestrierungen für Oscar Peterson („Wave“) und Jobim oder seine sinfonischen Jazz-Kompositionen für Bill Evans reden. Ogerman aber drängte es, über seine tiefe Liebe zur klassischen Musik und sein eigenes kompositorisches Werk zu sprechen, für das er 1979 sogar das Arrangieren im Auftrag anderer aufgegeben hatte.
Für sein bestes Werk hielt Ogerman seine A-Cappella-Chöre nach Texten von Georg Heym. „Stolz“ – ein Wort, das ihm nur schwer über die Lippen kam – war er auch auf seine Tagore-Lieder in der Aufnahme von Brigitte Fassbaender und „Preludio and Chant“ mit Gidon Kremer.
Von seinen Jazzarbeiten nannte er gern Oscar Petersons Aufnahme von „Wave“ (1969). Für ihn „die definitive Version“– noch vor der seines Freundes Jobim, der diesen Bossa-Nova-Klassiker und Jazz-Standard komponiert hatte. Für sein bestes Streicherarrangement in einem Jazz- und Fusion-Kontext hielt er allerdings die langsamen Parts in Freddie Hubbards Aufnahme von „Lazy Afternoon“: „Meine beste Arbeit, in der das drinsteckt, was ich als Arrangeur beherrsche. Dieses Arrangement und diese Aufnahme allein waren es wert, in die USA zu gehen.“
Claus Ogerman, der am 29. April 1930 in Ratibor, dem heutigen Racibórz, geboren wurde, in Nürnberg bei dem Dirigenten Karl Demmer und dem Pianisten Ernst Gröschel studierte, dann für Max Greger und Kurt Edelhagen Jazz und jazzige Unterhaltung spielte und arrangierte, bevor er 1959 dem Ruf des Jazz folgte und nach New York auswanderte und dort eine Karriere hinlegte, die ihn zur Legende machte – dieser Claus Ogerman starb bereits am 8. März im Alter von 85 Jahren in München. Offiziell bestätigt wurde dies von seiner Familie allerdings erst am 18. Oktober gegenüber der Süddeutschen Zeitung.