Die neue musikzeitung hat ihre interaktiven Tätigkeiten ausgeweitet. Mit dem Kulturinformationszentrum stellen wir die engagierte Diskussion in das Zentrum der Aktivitäten im Netz. An dieser Stelle können Fragen gestellt, Informationen verbreitet und die Arbeiten anderer kultureller Initiativen zur Darstellung gebracht werden.
Ein Orchester preist einen Komponisten
Das SWR-Sinfonieorchester zeichnet Klaus Ospald aus
Wer komponierte für die Donaueschinger Musiktage 2005 das „aufregendste Orchesterwerk“? Darüber entschied keine extra bestellte Jury, und auch nicht das Publikum, sondern fünf Musiker des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden/Freiburg und der SWR2-Musikredakteur Reiner Peters erklärten Klaus Ospalds „Tschappina-Variationen“ zum Sieger. Begründung: „Eine handwerklich perfekt gearbeitete Komposition, in der instrumentale und kammermusikalische Möglichkeiten virtuos, phantasievoll und klanglich neuartig eingesetzt werden, die darüber hinaus unterschiedliche, verschlüsselte und offene Botschaften mit sich führt: ironische, kulturkritische, nachdenkliche, verschmitzte, wehmütige und beunruhigende“. Das SWR-Sinfonieorchester, das mit seinen Konzerten seit fünfundfünfzig Jahren die Donaueschinger Musiktage entscheidend mitprägt, möchte diesen Preis als „deutliches Zeichen für die Identifikation mit der Musik der Moderne“ verstanden wissen. Der Preis ist nicht mit Geld dotiert, aber gleichsam mit Naturalien: Ospalds Werk wird vom Orchester in der kommenden Saison ins Repertoire aufgenommen und mehrfach auf Tourneen aufgeführt. Ein Bericht über die Donaueschinger Musiktage steht auf den Seiten 44/45.
Klanglandschaften für kleine und große Ensembles
German Jazz Trophy 2005 für den Trompeter, Komponisten und Bandleader Kenny Wheeler
In der Regel wird Kenny Wheeler für einen Engländer gehalten, er ist aber Kanadier, der seit 1952 in England lebt. Als Jazztrompeter ist er selbstverständlich Kosmopolit, das wird dann ganz besonders deutlich, wenn man sich ansieht, mit wem der exorbitante Trompeter schon gespielt hat: Evan Parker, Derek Bailey, Alexander von Schlippenbach, Anthony Braxton, Keith Jarrett, Dave Holland, Jack de Johnette, Peter Erskine, John Taylor, Jan Garbarek, John Abercrombie, Michael Brecker, Wolfgang Dauner, Norma Winston und viele mehr. Wheeler war nicht nur über Jahrzehnte als Solist stilbildend, er schrieb auch unzählige Stücke und Arrangements für kleine und große Ensembles. Besonders hervorzuheben ist Wheelers Arbeit mit dem Trio Azimuth, das er mit der Sängerin Norma Winstone und dem Pianisten John Taylor 1977 gründete. Seit den 60ern leitet er seine eigene Big Band und verschiedene kleine Gruppen, von 1979 an war er festes Mitglied des United Jazz and Rock Ensembles und seit 1983 festes Mitglied des Dave Holland Quintetts. Ende Oktober macht er gemeinsam mit Taylor im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg Aufnahmen für sein neuestes Album. Kenny Wheeler ist der fünfte Preisträger der „German Jazz Trophy – A Life for Jazz“, die gemeinsam von der Sparda-Bank Baden-Württemberg, der Jazzzeitung und der Kulturgesellschaft Wort und Musik e.V. vergeben wird. Bisher wurden Erwin Lehn, Paul Kuhn, Wolfgang Dauner und Toots Thielemanns mit der „German Jazz Trophy“ für ihr Lebenswerk geehrt. Preisverleihung und Konzert mit Kenny Wheeler finden am 17. Dezember in den Räumen der Sparda-Bank Baden-Württemberg in Stuttgart statt.
Shirley Horn
Am Donnerstag, 20. Oktober, starb Shirley Horn in Washington an den Folgen eines Schlaganfalls. Damit verstummt eine der letzten markanten Stimmen der klassisch modernen Jazzära. Geboren am 1. Mai 1934 in Washington (nach anderen Quellen 1937), begann sie als Vierjährige mit klassischem Klavierunterricht, interessierte sich dann aber als Teenagerin zunehmend für Jazz. Nach dem Durchbruch Anfang der 60er landete sie wiederholt in den Hitlisten.
Palumbo für Berlin
Wenn Kirsten Harms, die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, im Herbst 2006 ihre erste von ihr voll verantwortete Spielzeit mit der ziemlich unbekannten Völkerschlachtsoper „Germania“ von Alberto Franchetti (1902) eröffnen wird, dann wird „ihr“ neuer Generalmusikdirektor am Pult stehen: Renato Palumbo.
Der 1963 in Montebelluno (Veneto) geborene Dirigent hatte Chefpositionen bereits in Istanbul (1989–1994) und Kapstadt (1994–1999) inne; sein Vertrag in Berlin läuft zunächst über fünf Spielzeiten.
Deutscher Musikrat wählte neues Präsidium
Die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates hat im Berliner Volkswagen-Haus am 22. Oktober 2005 ein neues Präsidium gewählt. Vorausgegangen war die vereinsrechtlich notwendige Bestätigung der Weiterführung des Vereins nach überstandener Insolvenz. Sie erfolgte einstimmig. Martin Maria Krüger wurde mit 64 Stimmen bei acht Enthaltungen und zehn Gegenstimmen im Amt des Präsidenten bestätigt. Gleich im ersten Wahlgang für die zwei mitgeschäftsführenden Vizepräsidenten erhielt Prof. Dr. Hans Bäßler die erforderliche absolute Mehrheit. In der Stichwahl setzte sich Prof. Udo Dahmen gegen Hans-Willi Hefekäuser durch. Der ebenfalls für eine Vizepräsidentschaft kandidierende Dieter Gorny war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden. Das weitere Präsidium setzt sich zusammen aus: Prof. Dr. Detlef Altenburg, Prof. Dieter Gorny, Hans-Willi Hefekäuser, Hartmut Karmeier, Prof. Dr. Karl-Jürgen Kemmelmeyer, Dr. Uli Kostenbader, Prof. Dr. Eckart Lange, Dr. Ulrike Liedtke, Prof. Dr. Christoph-Hellmut Mahling, Wilhelm Mixa und Prof. Reinhart von Gutzeit. Neu hinzugekommen sind Erik Hörenberg, Stefan Piendl, Dagmar Sikorski-Großmann und Wolfhagen Sobirey. Prof. Ernst Folz gehört dem Präsidium weiterhin qua Amt als Vorsitzender der Konferenz der Landesmusikräte an. In einer ersten Stellungnahme äußerte Präsident Martin Maria Krüger: „Dieses Präsidium, dem Vertreter aller wesentlichen Bereiche des Musiklebens angehören, wird sich lebhaft in die Diskussion um die Formulierung des Kulturbegriffs in Deutschland einschalten. Zunächst aber fordern die Dachverbände und Organisationen des deutschen Musiklebens nachdrücklich, dass in den Koalitionsverhandlungen zur Bildung der künftigen Bundesregierung Amt und Person einer Kulturstaatsministerin oder eines -ministers endlich eine Konkretisierung erfährt.“
Musikrat und Yamaha ehren dreizehn Inventio-Preisträger in Berlin
Im Rahmen seines „Tages der Kreativität“ verlieh der Musikrat in Kooperation mit der Yamaha-Stiftung im Berliner Musikinstrumenten-Museum die im Vorjahr gemeinsam mit dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau ins Leben gerufene Auszeichnung. Den musikalischen Rahmen lieferte ein bestens aufgelegtes „BuJazzO“ mit Coach Peter Herbolzheimer. Der Förderpreis INVENTIO soll musikpädagogische Innovationen in ihrem Wirken unterstützen und aktive Anreize geben, damit immer wieder neue Projekte erfolgreich entstehen. Die Signalwirkung dieser Auszeichnung steht dabei im Vordergrund.
Die Preisträger:
Kategorie 1:
Förderung der Kooperation von Musikschule und allgemein bildender Schule (Ganztagsschule) sowie anderer Institutionen und Einrichtungen:
Zukunftsstiftung Bildung in der Gemeinnützigen Treuhandstelle e.V. „Jedem Kind ein Instrument“
Ziel dieses Projektes ist es, dass bis zum Jahr 2010 jeder Grundschüler in Bochum ein Instrument spielt.Ohrwurm e.V.: „Ohrwurm“
Das sechsköpfige Team von Ohrwurm e.V. bietet Grundschulen seit 2002 eigen produzierte professionelle Projektkonzerte, die Schulkinder an klassische Musik heranführen.
Kategorie 2:
Förderung des instrumentalen Gruppenunterrichts an Musikschulen:
kein Inventio 2005 vergeben.
Kategorie 3:
Innovative musikpädagogische Ausbildung:
Hochschule für Musik Trossingen: „Rhythmik in der Grundschule“
Soll einmal pro Woche in einer regulären Unterrichtsstunde (2. und 3. Klasse) erteilt werden und berücksichtigt die übliche Klassengröße von zirka 20 Kindern.
Universität Potsdam: „Medientrio in der Musiklehrerausbildung“
Die Studierenden erarbeiten sich neue Wege, in ihrem zukünftigen Unterricht Musik zu vermitteln.
Kategorie 4:
Innovative musikpädagogische Projekte von Orchestern, privaten oder öffentlichen Institutionen und Vereinen:
Musik der Jahrhunderte Stuttgart e.V.: „Clash“
Bei Clash handelt es sich um ein Vermittlungsprojekt für Neue Musik, das sich an Schüler aller Altersklassen und Schularten sowie deren Lehrer richtet.
KISUM Kinderbude, Förderverein des KISUM Treff e.V.: „Musikkindergarten: KISUM-Kinderbude“
Durch eine dem Kindergartenteam angehörige Musikpädagogin haben die Kinder die für ihre Gesamtentwicklung nachhaltige Gelegenheit, schon im Vorschulalter ein Instrument zu erlernen.Bachgesellschaft Bremen: „Jugend spielt und erforscht Bach“
Dieservon der Bachgesellschaft Bremen ins Leben gerufene Wettbewerb richtet sich an Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre.Bayerischer Rundfunk „taktlos“
taktlos ist das monatliche Musikmagazin des Bayerischen Rundfunks und der neuen musikzeitung. Moderiert von Theo Geißler, dem Herausgeber der nmz, wird hier in satirischer Form die „lustvolle Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten aller musikalischen Aktivität“ gepflegt.Bremer Philharmoniker „Karneval der Tiere – Ein Projekttag für Grundschulen“
Die Bremer Philharmoniker führen dabei in Grundschulen jeweils einen Projekttag durch.
Büro für Konzertpädagogik, musikFabrikEnsemble für Neue Musik: Plug-in – fremde Musik entdecken Schulkinder sind als Reporter in Sachen Neuer Musik unterwegs.Musik für heute e.V. „Bridges – Wege der Vermittlung“
Kindergruppen werden in Workshops an Werke der neuesten Avantgarde herangeführt und entwickeln aus diesen Werken unter professioneller Anleitung eigene Musikstücke.
Kategorie 5:
Musikpädagogische Forschung:
Akademie Remscheid, Kreisjugendamt Viersen: „Musik im Kindergartenalltag“
Ziel ist es, Erzieher im Kindergarten oder in Kindertagesstätten so zu qualifizieren, dass sie selbstständig qualitativ hochwertige Musikstunden entwickeln und durchführen können.
Kindliche Lernwelt Musik e.V.:
Dieses Projekt umfasst drei Säulen: 1. Bewegung und Stimme, 2. Lehrerfortbildungen nach Edwin Gordon, 3. Forschung über frühkindlichen Bereich.