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Prominent besetzte Podiumsdiskussion auf der Bundesgartenschau in München erörtert Chancen

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Bläserklassen boomen. Ob sie der „Königsweg“ gegen das „Wegbröseln des Musikunterrichts“ an allgemein bildenden Schulen sind, darüber diskutierten auf dem Podium der Bundesgartenschau in München unter der Gesprächsleitung von nmz-Herausgeber Theo Geißler Martin Maria Krüger (Präsident des Deutschen Musikrates), Gerhard A. Meinl (Vorsitzender des Bundes der deutschen Musikinstrumentenhersteller), Franz Kellerer (Verbandsdirigent des Musikbundes für Ober- und Niederbayern), Klaus Hammer (Fachsprecher für bläserische Ausbildung und Blasmusik des Musikschulverbandes), Felix Glombitza (Schulmusiker und Bläserklassenleiter in Ingolstadt) sowie Ludwig Striegel (Professor für Musikpädagogik in Mainz).

Als Veranstalter für die Podiumsdiskussion zeichneten gemeinsam das „Musikpädagogische Institut für Lehrerfortbildung und Unterrichtsforschung der Hochschule für Musik und Theater München“ und der Bayerische Blasmusikverband verantwortlich.

DMR-Präsident Krüger wies, von Theo Geißler nach den „Rezepten“ gegen den schlechten Ruf des Musikunterrichts befragt, auf die „Sieben Thesen zum Musikunterricht“ seines Verbandes hin, deren Kern eine Akzentuierung der aktiven Beschäftigung mit Musik und ein Zurückdrängen der rein theoretischen Auseinandersetzung sei.

In diesem Punkt waren sich alle Teilnehmer einig, wenngleich die jeweiligen Blickwinkel naturgemäß auseinander gingen: Franz Kellerer und Klaus Hammer sahen Perspektiven in der Zusammenarbeit von Verein, Musikschule und allgemein bildender Schule, Gerhard Meinl erinnerte an den wirtschaftlichen Aspekt des aktiven Musizierens. Felix Glombitza hielt in diesem Zusammenhang das Konzept der Bläserklassen für einen „großen Schritt nach vorn“, dem er zunächst nur nach dem Motto „das Glück ist mit dem Mutigen“ gefolgt sei. „Masse statt Klasse“, mit diesem Schlagwort versuchte Theo Geißler seinen Mitstreitern Hinweise zur Ausbildungsqualität in Bläserklassen zu entlocken.

Ludwig Striegel akzentuierte seine Aussage mit dem Satz „aus Begeisterung schneller lernen“, doch Franz Kellerer musste dennoch einen „kleinen warnenden Finger heben, was die Qualität der Ausbildung“ angeht. Klaus Hammer brachte die Idee der Individualausbildung in Kleingruppen ins Spiel, bei der die Grundlagen kompetent gelegt werden.

Dass Musikpraxis und theoretische Inhalte keine Gegensätze bilden, betonte Ludwig Striegel, denn aus der gegenseitigen Durchdringung von Singen, Tanzen und der Herstellung musikkultureller Kontexte entstehe ganzheitliche Bildung.

Einen weiteren Schwerpunkt der Diskussion bildete das Thema Finanzierung. Gerhard A. Meinl betonte das Entgegenkommen der Instrumentenhersteller insoweit, als Lehrer, die an einem pädagogischen Programm für das Klassenmusizieren teilgenommen haben, einen Klassensatz an Blasinstrumenten zu den Herstellungskosten (circa 30.000 Euro) erwerben könnten. Diese Summe sei durch Sponsoren, aber auch durch kleine monatliche Beiträge der Eltern zu erbringen.

Denkbar seien zudem Modelle wie Miete oder Mietkauf von Instrumenten. Möglichkeiten, Geld aufzutreiben, gehörten deshalb zur Ausbildung seiner Studenten, so Ludwig Striegel. Auch die Musikvereine würden mithelfen, argumentierte Franz Kellerer. Martin M. Krüger warf ein, dass jede musikalische Ausbildung den Eltern finanzielle Opfer abverlange, sei es nun für Unterricht oder für ein Instrument.

Den „amerikanisierten Musikgeschmack“ der meisten Stücke für Bläserklassen beklagte Ludwig Striegel. Ideal wäre es, so Klaus Hammer, wenn die Bläserklassenleiter selbst in der Lage wären, geeignete Arrangements für ihre Ensembles zu schreiben. Felix Glombitza bestätigte dies aus der Praxis, mahnte aber Systeme zur besseren Verbreitung geeigneter Literatur an.

Vor und nach der Podiumsdiskussion hatten zwei Bläserklassen einer sechsten Jahrgangsstufe, die von der Realschule Wasserburg und vom Katharinen-Gymnasium Ingolstadt gekommen waren, beachtliche Kostproben ihres Könnens nach rund anderthalb Jahren Unterricht gegeben.

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