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Sammelsurium und Disziplin

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Uraufführungen 2016/07
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Vielen Komponisten ist Musik nicht mehr genug. Den ohnehin bereits weiten Rahmen dieser seit jeher mehrere Sinne ansprechenden Klang-, Bewegungs-, Körper-, Raum- und Zeitkunst füllen sie durch Texte, Szenen, Bilder, Filme, Gegenstände. Ziel ihrer Arbeit ist nicht mehr Musik oder wie manche heute sagen: „Musik-Musik“. Vielmehr verstehen sie ihre Vorgehensweise als „New Discipline“:

Komponisten der gegenwärtig mittleren, jüngeren und jüngsten Generation – wie Jennifer Walshe oder Neele Hülcker – begreifen Klänge, Instrumente und Musik nur noch als ein Material und Medium unter verschiedenen anderen. Ebenso selbstverständlich komponiert werden können Theater, Tanz, Video, Licht, Gesten, Aktionen, Sprache … Häufig verwendet werden Audio- und Video-Fundstücke aus dem Internet, deren Verbindung über bloßes Mashup kaum hinausgeht, so dass es sich eher um Kompendien denn um Kompositionen handelt. Weil die Auseinandersetzung mit heterogenen Materialien zu flüchtig erfolgt, hat manche Novität bereits heute mehr dokumentarischen denn ästhetischen Wert. Genau diese Beiläufigkeit ist ein Signum unserer von Social Media, Chat und Twitter bestimmten Zeit.

Interdisziplinäre, musiktheatralische, spartenübergreifende und intermediale Arbeiten, also Projekte der Kategorie „New Discipline“, stehen auch im Mittelpunkt der diesjährigen 48. Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt. Vom 29. Juli bis 14. August sind hier etliche deutsche Erstaufführungen sowie mehr als zwanzig Uraufführungen zu erleben, von François Sarhan, Ashley Fure, Johannes Kreidler, Claus-Steffen Mahnkopf, Hanna Eimermacher, Bernhard Lang, Jennifer Walshe, Roger Reynolds, Natacha Diels, Ansgar Beste, Lars Petter Hagen, Katherine Young, Trevor Baca, Wieland Hoban, Niklas Seidl, Neele Hülcker, dem Ensemble Mocrep, Annesley Black, Mathias Spahlinger, Bryn Harrison, Bernhard Gander und Simon Løffler. Den materialen und medialen Erweiterungen des Musikbegriffs korrespondiert – ähnlich den Bestrebungen der 1960er-Jahre – nicht selten ein Anspruch auf Welthaltigkeit, gesellschaftliche Anknüpfungspunkte und Relevanz. Wie jüngst bei Tagungen in Stuttgart, München und Berlin geht es folgerichtig auch bei einem Symposion in Darmstadt um die politischen Implikationen zeitgenössischer musikalischer Konzepte, Techniken, Strukturen und Formen, die sich möglicherweise als diagnostische Reflexe auf aktuelle soziale Entwicklungen begreifen lassen.

Szenische Arbeiten dominieren schließlich auch beim Festival „Der Sommer in Stuttgart“. Den Anfang macht dort am 30. Juni ein „Szenischer Liederabend“ mit neuen Stücken von Alexandra Filonenko, Lucia Ronchetti, Jun Young Park, Silvia Rosani, Gerhard Stäbler und Davor Branimir Vincze. Bis zum 3. Juli folgen neue „Konzert-Szenen“ von Valerio Sannicandro, Giovanni Bertelli und Sergej Newski sowie weitere Uraufführungen von Micha Seidenberg, Chris Newman und Maksym Kolomiiets.

Weitere Uraufführungen:

  • 01./02.07.: Mesias Maiguashca, Carola Bauckholt, Martin Schüttler, Mark Barden, neue Klangskulpturen und Konzertinstallationen, Michael Reudenbach, Neues Ensemblewerk, Jubiläumsfest 30 Jahre Ensemble Aventure, Elisabeth Schneider Stiftung Freiburg/Breisgau
  • 02.07.: Justin Lépany, Harald Muenz, Albena Petrovic-Vratchanska, Johannes Pflüger, Bernfried Pröve, Martin Christoph Redel, neue Klavierstücke im Rahmen der von Susanne Kessel initiierten und durchgeführten Reihe „250 Piano Pieces for Beethoven“, Kunstmuseum Bonn
  • 11.-17.07.: Michaela Melián, Klangins-tallation Barkarole, Deutzer Brücke Köln
  • 14.07.: Kurt Schwertsik, Eine Windrose für Mauricio, Cheltenham
  • 28.07.: Thomas Adès, The exterminating Angel, Salzburger Festspiele
  • 05.08.: Iris ter Schiphorst, Gravitational Waves, Proms London
  • 06.08.: John Adams, Spider Dance, Santa Cruz, Californien

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