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Zuerst kam die Aktion, dann wählten Kinder das Logo

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Landesmusikrat Niedersachsen und Partner initiieren „Hauptsache:Musik – Niedersachsen“
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Während das Präsidium des Deutschen Musikrates noch intensiv die Hintergrundfarbe eines Logos diskutierte, hatten in Niedersachsen auf Initiative des Präsidenten des Landesmusikrates, Karl-Jürgen Kemmelmeyer, seit Mitte 1999 bereits mehrere Arbeitsgruppensitzungen zur Entwicklung einer gemeinsamen vernetzten Aktion stattgefunden.

Während das Präsidium des Deutschen Musikrates noch intensiv die Hintergrundfarbe eines Logos diskutierte, hatten in Niedersachsen auf Initiative des Präsidenten des Landesmusikrates, Karl-Jürgen Kemmelmeyer, seit Mitte 1999 bereits mehrere Arbeitsgruppensitzungen zur Entwicklung einer gemeinsamen vernetzten Aktion stattgefunden.Die positiven Erfahrungen des vom Landesmusikrat bereits 1997 initiierten Jugendmusikfestivals „Music In Town“ als Netzwerkaktion in der Landeshauptstadt Hannover als Teil einer damals noch unter dem Arbeitstitel „Aktion Musik“ diskutierten Imagekampagne in Niedersachsen waren für die Entwicklung sehr hilfreich. Diese gemeinsame Veranstaltung von Schulmusikern, Musikschulen und Laienmusikverbänden an einem Wochenende im Zentrum der Landeshauptstadt präsentierte die vielfältigen Formen musikalischer Aktivitäten Jugendlicher von Volksmusik bis Klassik, vom Sprechchor zur A-capella-Gruppe, von Jazz über Rock zur Weltmusik bei Konzerten und Workshops. Das Festival wurde seitdem im zweijährigen Turnus wiederholt und erreichte durchschnittlich 250.000 Besucher.

Letztendlich konnte dann mit einem gemeinsam entwickelten Konzept auch die zuständige niedersächsische Kultusministerin, Frau Renate Jürgens-Pieper, als Partnerin und Schirmherrin für eine niedersächsische Aktion gewonnen werden.

Anlässlich des Besuches einer Veranstaltung der „Musikpädagogischen Werkstätten“ in Niedersachsen wurde vereinbart, eine Aktion durchzuführen, die unter dem Bundesmotto „Hauptsache:Musik“ als Schwerpunkt in Niedersachsen Begegnungen zwischen Schulen und schulischem Musikunterricht und anderen Institutionen der Musikkultur in Niedersachsen modellhaft in den Mittelpunkt stellen sollte. Und ein eigenes Logo sollte es sein, mit dem sich die Zielgruppe an den Schulen auch identifizieren konnte. Und so wählten die „kids“ einer Hemminger Gesamtschule in einem Pre-Test einen „tanzenden Notenschlüssel“ als Symbol aus.

Der Landesmusikrat griff diese Anregung auf und diskutierte auf zwei weiteren Arbeitstagungen Anfang 2000 mit den beteiligten Verbänden im Institut für Musikpädagogische Forschung der Hochschule für Musik und Theater Hannover Möglichkeiten und Inhalte eines Aktionsprogramms. Das Vorhaben fand die ungeteilte positive Resonanz aller teilnehmenden Verbände, die ihre Mitarbeit zusagten. Insbesondere sah man die Chance

  • Schulen gegenüber der Musikkultur zu öffnen, um den Musikunterricht praxisnah zu gestalten,
  • Kooperationen zwischen schulischem Musikunterricht, Musikvereinen, Kirchenmusik und Musikschulen zu initiieren,
  • die vielfältigen Möglichkeiten der Teilhabe an Musikkultur Schülerinnen und Schülern zu erschließen,
  • die reichhaltigen Aktivitäten und Projekte schulischen Musikunterrichts der Öffentlichkeit präsentieren zu können,
  • über eine Informationsbroschüre innovative Ideen, Möglichkeiten der Kooperation und Praxiserfahrungen einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen,
  • die Lehrerfortbildung im Sinne eines gegenüber der niedersächsischen Musikkultur offenen Unterrichts zu stärken
  • das musikalische Ausdruckspotenzial der Schülerinnen und Schüler zum Beispiel über Wettbewerbe zu wecken und zu fördern,
  • dem zeitgenössischen Musikschaffen im Rahmen des Bildungsauftrags der Schule mehr Beachtung zu geben
  • die Leistungsfähigkeit der niedersächsischen Musikkultur im Zusammenwirken von Schule und außerschulischen Institutionen zu steigern,
  • Synergieeffekte durch neue Kooperationsanregungen und -beispiele zu bewirken.
    Auf Empfehlung des Landesmusikrates richtete das Kultusministerium nach den Sommerferien 2001, analog zu Koordinatorenstellen, wie sie im Sportbereich bereits vorhanden sind, für den zukunftsweisenden Brückenschlag zwischen Schule und Musikkultur eine Koordinationsstelle im Kultusministerium vorerst für den Zeitraum von zwei Schuljahren ein. Die Stelle ist mit dem bisherigen „Fachmoderator Musik für Gesamtschulen“ Hans Walter fachkompetent besetzt worden.

Am 17. Oktober konnten dann die niedersächsische Kultusministerin und der Präsident des Landesmusikrates Niedersachsen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz die Programmbroschüre vorstellen und das Konzept erläutern.

Im Programm „Hauptsache:Musik – Niedersachsen“ finden sich eine Fülle von Angeboten und Ideen für Kooperationsmodelle zwischen Schulen und den zahlreichen musikkulturellen Einrichtungen in Niedersachsen. Viele bereits bestehende Aktivitäten wie „Schulen musizieren – Landesbegegnung Niedersachsen“, „Musikpädagogische Werkstätten“, Fortbildungsprogramme der pädagogischen Fachverbände sowie regionale Musiklehrerfortbildung in Kooperation mit den musikpädagogischen Seminaren der niedersächsischen Hochschulen, Kurse des Landesmusikrates oder Schulkonzerte der Niedersächsischen Musiktage sind Bestandteil des Programms. Als besondere Schwerpunkte seien herausgestellt:

  • Ein gelungenes Beispiel von Klassenmusizieren sind die Bläserklassen. Nach sechs Jahren bestehen diese an etwa 30 Schulen in Niedersachsen und es liegen positive Erfahrungen vor, in der Zusammenarbeit von Schule und anderen Einrichtungen wie Musikschule, Musikverein oder Privatmusikerzieher ganze Klassen an das instrumentale Musizieren heranzuführen und zum Musizieren im Musikverein in der Freizeit vorzubereiten. Gerade das Modell der „Bläserklassen in der Orientierungsstufe”, das inzwischen auch auf die Sekundarstufe I erweitert wurde, konnte deutlich machen, wie effizient die Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche funktionieren kann. Diese Initiative soll innerhalb der „Hauptsache:Musik“ ausgedehnt werden. Mit Unterstützung der niedersächsischen Sparkassenstiftung konnte für vorerst zwei Jahre ein Fonds geschaffen werden, der in der Aufbauphase mit einer einmaligen Zuwendung die Instrumentenbeschaffung für geplante zwanzig weitere Bläserklassen unterstützt.
  • Am 25. Mai werden zirka 1.500 Schüler aus verschiedenen Bläserklassen Niedersachsens nach Hannover reisen und ihr Beispiel von Klassenmusizieren lautstark und unüberhörbar bei einem großen Straßenfest in der Innenstadt der Öffentlichkeit präsentieren.
  • Während des „Musiziertags an Grundschulen“ vom 10. bis 16. Juni 2002 soll es an möglichst vielen Grundschulen Niedersachsens musikalische Veranstaltungen gemeinsam mit regionalen Musikern, Chören, Musikzügen und den regionalen Musikschulen geben.
    So wird etwa in Ochtersum unter dem Titel „Ein Dorf macht Musik“ das musikalische Leben unter der Beteiligung vieler Bewohnerinnen und Bewohner aktiviert. Für diese Aktion war insbesondere das über die dienstlichen Belange hinausgehende Engagement der Schulmusiker gefragt. Die bisherige Resonanz macht deutlich, dass die „faulen Säcke“ (Zitat Gerhard Schröder) doch sehr aktiv sind und gerade die Idee der Vernetzung der Arbeit an den Grundschulen mit außerschulischen Aktivitäten vom Blasorchester bis zum Kirchenchor in vielfältiger Form umsetzen.
  • Seit über zehn Jahren kommen bereits Musikmobile und Rockmobile an für projektorientierte Bandworkshops an Schulen. So werden besonders im ländlichen Raum Niedersachsens von musikpädagogisch qualifizierten Musikern Jazz-, Rock- und Popseminare angeboten.
  • Durch Unterstützung der Lotto-Stiftung können sich Schulen um einen Workshop und Auftritt der Profiband „Jazzkantine“ bewerben. Dabei wird angestrebt, dass dieses Angebot nicht ein einmaliger Event bleibt, sondern sich daraus Impulse für die musikalische Arbeit an den Schulen ergeben und länger anhaltende Kontakte zwischen Schulen und jungen Musikern ergeben.
  • Die Aktion bezieht auch die niedersächsischen Musiktheater ein. In der Programmbroschüre werden alle Aktivitäten im Bereich Kinder, Jugend und Schule der Theater aufgelistet. Dabei werden Schülerinnen und Schülern Einblicke hinter die Kulissen gewährt, Dramaturgen und Musiktheaterpädagogen kommen in den Unterricht und Gesprächskreise mit Künstlern werden arrangiert.
    So wird der Musikunterricht inte-ressant, spannend und praxis- und erlebnisorientiert.
  • Auch die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik ist Bestandteil des Programms. Bei einem besonderen Interpretationswettbewerb „Musik unserer Zeit” sollen für einen Hörabend oder ein Konzert in der Schule mit Werken lebender Komponistinnen/Komponisten Texte als Konzerteinführung für die Eltern, in der Art eines ausführlichen CD-Booklets oder in einer multimedialen Form, gestaltet werden.

Was in Niedersachsen unter der Überschrift „Vernetzung“ innerhalb der „Hauptsache:Musik“ gelungen ist, wird nun hoffentlich auch zum Impuls für andere Bundesländer, entsprechende gemeinsame Aktionen zu entwickeln, um als derzeitigen Schwerpunkt besonders den schulischen Musikunterricht zu sichern und weiter zu entwickeln. „Hauptsache:Musik“ in Niedersachsen fordert die anderen Länder auf, die Website „www.hauptsachemusik.nibis.de“ zu besuchen und „rücksichtslos Ideenklau“ zu betreiben.

Und damit wären wir wieder beim Deutschen Musikrat und der Vernetzung auf Bundesebene. Einer der ersten Links der Website „Hauptsache: Musik – Niedersachsen“ wurde im Dezember 2001 zur Website der Bundesaktion geschaltet. Ruft man jedoch „hauptsache-musik.net“ auf, findet sich bis heute leider keine Möglichkeit, auf die niedersächsische Seite zu wechseln.

Manfred Sauga

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