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Fächerübergreifend denken und musizieren

Untertitel
Gute Perspektiven für das Augsburger Leopold Mozart Zentrum
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„Augsburg geschockt“: So titelte die nmz im April 2006 anlässlich der Empfehlungen der vom baye­rischen Wissenschaftsministerium installierten Expertenkommission in Sachen Musikhochschulen. Die Fachleute hatten sich damals klar gegen eine Fortführung des Standortes Augsburg ausgesprochen, damals noch Teil der in kommunaler Trägerschaft geführten Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg.

Sechs Jahre später sind zwar noch nicht alle Wunden geheilt, die der damit in Gang gesetzte Umstrukturierungsprozess geschlagen hat, doch scheint sich das Augsburger „Leopold Mozart Zentrum“ (LMZ) mit seiner an der Universität angesiedelten Musikausbildung auf Hochschulniveau auf einem guten Weg zu befinden. Seit Oktober ist Franz Körndle, der im April aus Weimar/Jena kommend die Professur für Musikwissenschaft in Augsburg übernahm, Leiter der Institution. Dass das LMZ an die Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg angegliedert ist, sieht er als entscheidendes Signal für die Stellung des Zentrums im universitären Kontext: „Es soll ganz bewusst kein Ghetto für die Musikstudierenden geschaffen werden“, so Körndle, „das Zusammenwirken von künstlerischer Ausbildung und wissenschaftlicher Forschung ist der Ausgangspunkt unseres Konzepts.“ Die ganze Universität stehe hinter diesem interdisziplinären Ansatz, betont der Musikhistoriker, deshalb sei es möglich in Augsburg „etwas zu erreichen, was woanders eher schwierig ist.“

Gut aufgestellt sieht Körndle auch die Institute und Studiengänge des LMZ. Neben der Musiktherapie-Ausbildung, die europaweit als Modell gelte und dem kürzlich gestarteten Master-Aufbaustudiengang Musikvermittlung habe man in Augsburg zum Beispiel mit dem im Bläser-Institut angesiedelten Schwerpunkt Blasorchester-Leitung ein Alleinstellungsmerkmal. Einen hervorragenden Ruf genießt zudem die Streicherausbildung (darunter die Klasse des Celloprofessors Julius Berger), die kürzlich mit der Berufung von Linus Roth auf eine Violinprofessur weiter an Profil gewonnen hat.

Der renommierte Geiger möchte sich in Augsburg neben seiner Klasse vor allem der fächerübergreifenden Arbeit und der Kammermusikausbildung widmen. „Ich habe mir vorgenommen, den Unterricht sehr praxisnah zu gestalten, damit ein fließender Übergang in den Beruf möglich ist. Dazu gehört auch das Blicken über den Tellerrand, weil man als junger Musiker heute auf sehr unterschiedliche Anforderungen vorbereitet sein muss.“ Die Repertoire-Schwerpunkte, die das LMZ in seiner künstlerischen Ausbildung setzt – die Musik der Mozart-Zeit und die des 20. und 21. Jahrhunderts – hält Roth für naheliegend und sinnvoll: „Natürlich muss jeder sein Mendelssohn- und sein Brahms-Konzert drauf haben, aber Neue Musik wird immer wichtiger, das ist schon fast ein eigener Berufszweig“, sagt Roth, der gerne an das Unterrichtskonzept seiner eigenen Lehrerin Ana Chumachenco anknüpfen möchte: „Sie hatte diese Fähigkeit, jeden Studenten anders zu unterrichten, auf das jeweilige Niveau und den jeweiligen Charakter bezogen, das würde ich gerne erreichen.“#

Den Bezug zur Berufspraxis stellt das Leopold Mozart Zentrum unter anderem durch Kooperationen mit dem Augsburger Theater her, dessen GMD Dirk Kaftan künftig auch mit den Studierenden am LMZ arbeiten wird.

Auch was die Räumlichkeiten betrifft – laut Übernahmevertrag ist dies Aufgabe der Stadt – zeichnet sich für das Leopold Mozart Zentrum eine attraktive Lösung ab. Ein Teil der alten Hauptpost, in der Nähe des Theaters gelegen, soll bis Ende 2014 musikhochschulgerecht umgebaut werden und von da an alle Einrichtungen des LMZ beherbergen. Die etwas außerhalb gelegene Universität verspricht sich davon, so Franz Körndle, unter anderem eine bessere Anbindung an die Stadt, die mit einem zwischenzeitlich ebenfalls angedachten Neubau auf dem Campus-Gelände so nicht gegeben wäre.

Nicht nur vom Niveau des Theaters zeigt sich Körndle, der in Augsburg zur Schule ging und somit zu seinem musikalischen Wurzeln zurückgekehrt ist, begeistert: „In meinen Augen ist Augsburg musikalisch so gut aufgestellt wie noch nie.“

Studiengänge am LMZ Augsburg:
• Bachelor of Music (Instrumental-/Vokalpädagogik, Blasorchesterleitung, Elementare Musikpädagogik)
• Bachelor Erziehungswissenschaften (Schwerpunkt Ästhetische Bildung oder Wahlpflichtfach Musik)
• Lehramt Grund-, Haupt- und Realschule mit Unterrichtsfach, Drittel- oder Kleinfach Musik (Abschluss mit dem I. Staatsexamen und Möglichkeit zum Bachelor of Education)
• Master of Music (zweijährig)
• Master Musikvermittlung/Konzertpädagogik
(einjährig)
• Master Musiktherapie (berufsbegleitend)

Weitere Informationen unter:
www.philso.uni-augsburg.de/lmz

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