München/Hannover - Die Musikhochschulen in München und Hannover haben im Rahmen eines Forschungsprojektes das gemeinsame Musizieren per Videoschalte erprobt. Normalerweise hören die Musiker die Instrumente ihrer Mitspieler wegen der Internetübertragung nur zeitlich verzögert.
Langzeitziel sei es, mit Hilfe einer speziellen Technik Musiker an verschiedenen Standorten so zu verbinden, dass sie die Entfernung nicht mehr bemerkten, teilte die Hochschule für Musik und Theater am Freitag in München mit, deren Studenten die neue Technik mit Studierenden der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover regelmäßig ausprobiert haben.
Initiiert wurde das Projekt von mehreren Unternehmen, dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Berlin sowie den Universitäten in Erlangen und Hannover. Der Bund unterstützte das 6,6 Millionen Euro teure Forschungsprojekt mit 3,8 Millionen. Musikstudenten in München und Hannover haben die neue Technik beim gemeinsamen Musizieren immer wieder ausprobiert. Dabei hätten sie gute Erfahrungen gemacht, sagte Bernd Redmann, Präsident der Münchner Musikhochschule. «Gemeinsames Improvisieren über hunderte von Kilometern hinweg war am Ende auf professionellem Niveau möglich.»
Warum das gemeinsame Musizieren per Videokonferenz nicht ganz einfach ist, beschreibt Robert Hupke vom Institut für Kommunikationstechnik an der Leibniz Universität Hannover: Der Ton eines Instruments müsse erst zum Ohr des entfernten Musikers wandern. Eine Verzögerung von 20 bis 30 Millisekunden sei beim gemeinsamen Musizieren gerade noch akzeptabel, danach werde es immer schwieriger, zu interagieren.
Die Musiker hoffen auf neue Möglichkeiten für Proben, Vorspiele, Unterricht und Konzerte, gerade auch in Zeiten, in denen die Menschen soziale Distanz halten müssten. Die Rede ist dabei vom sogenannten immersiven Bild- und Tonerlebnis, bei dem Musiker und Zuschauer gleichsam in das virtuelle Konzerterlebnis eintauchen.