Die deutschen Musikhochschulen fordern von der Politik bessere Einstiegsbedingungen für ihre künstlerischen Lehrkräfte. „Wir brauchen – analog zum wissenschaftlichen Nachwuchs an Universitäten – Juniorprofessuren und Assistentenstellen“, sagte der Vorsitzende der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM), Martin Ullrich, am Freitag nach einer dreitägigen Tagung in Weimar. Bislang könnten sie die Lehrkräfte nur aus dem freiberuflichen Bereich über Lehraufträge binden. „Das ist aber als Entwicklungsformat zu wenig.“ Zudem bräuchten junge Lehrkräfte sicherere berufliche Perspektiven.
Sorgen macht den Rektoren auch der Musikernachwuchs aus dem eigenen Land. Zwar würden die Hochschulen Jahr für Jahr mit tausenden Bewerbungen überschwemmt. Deutsche Bewerber könnten jedoch vielfach gegen die gut ausgebildete Konkurrenz aus dem Ausland nicht bestehen.
„Wir haben in Deutschland zwar ein gutes System staatlicher Musikhochschulen, aber darunter gibt es Lücken.“ An Schulen werde Musikunterricht gekürzt, Musikschulen hätten zu wenig Lehrer und lange Wartezeiten. Eine Hilfe: Hochschuldozenten unterrichteten Hochbegabte in den Musikschulen.
Diesen Knoten zu lösen, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte Ullrich. Die Rektoren appellierten an die Politik, den Beruf des Schulmusikers wieder attraktiver zu machen. Dazu gehörten bessere Startbedingungen – und auch eine bessere Bezahlung.
Die mehr als 100 Teilnehmer diskutierten über die gesellschaftliche Verantwortung der 24 Musikhochschulen. „Wir sind kein Elfenbeinturm, in dem in Weltabgeschiedenheit hohe Kunst gemacht wird.“ Es gehe ihnen vielmehr darum, auf unterschiedliche Weise Kultur in die Breite zu tragen – sei es durch Auftritte von Studenten in Schulen, Kindergärten, Flüchtlingsheimen oder eigene Inszenierungen. Seit einigen Jahren gewinne diese künstlerische Praxisausbildung an Stellenwert, ebenso das Lernen jenseits des alten Lehrer-Schüler-Modells.
Statt des klassischen Einzelunterrichts lernten die Studenten dabei etwa im Rotationssystem bei mehreren Dozenten. Möglich sei auch ein Klassenwechsel, ein Semester in einer benachbarten Fachrichtung oder ein Auslandssemester. Ziel sei es, den Studenten unterschiedliche Sichtweisen und Techniken zu vermitteln und sie so besser für den Berufseinstieg fit zu machen, sagte der Musikforscher und Präsident der Hochschule für Musik Nürnberg.