Die Erben Hugo Distlers haben der Bayerischen Staatsbibliothek ein umfangreiches Konvolut an Musikhandschriften, Korrekturfahnen von Druckausgaben sowie eine kleine Auswahl an Briefen und biographischen Dokumenten übereignet. Vor Rückführung in Familienbesitz und der anschließender Schenkung an die Bibliothek war der Nachlass Distlers Teil des Hugo-Distler-Archivs der Stadtbibliothek Lübeck.
Hugo Distler, 1908 in Nürnberg geboren, 1942 in Berlin gestorben, ist einer der wenigen großen Komponisten von Chormusik und evangelischer Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts. Distler studierte 1927-1930 am weltbekannten Leipziger Konservatorium. Prägende Jahre verbrachte er von 1931-1936 als Organist der St.-Jakobi-Kirche in Lübeck, woraufhin er dann an der Stuttgarter Musikhochschule und ab 1940 an der Berliner Musikhochschule lehrte. 1942 setzte der erst 34-jährige Distler seinem Leben selbst ein Ende.
Distler gilt als bedeutendster Vertreter der liturgischen Erneuerungsbewegung evangelischer Kirchenmusik nach 1920. Bei seiner Instrumentalmusik stehen – neben einer Kammermusik für Soloinstrumente und einem Streichquartett – die Werke für Cembalo, Klavier und besonders für Orgel im Vordergrund. Die bis in die Gegenwart größte Verbreitung und Popularität haben jedoch Distlers geistliche und weltliche Chorwerke gefunden, beispielsweise der aus 52 Motetten bestehende „Jahrkreis“ op. 5 (1932), die „Weihnachtsgeschichte“ für vierstimmigen Chor op. 10 (1933) und das dreiteilige „Mörike-Chorliederbuch“ op. 19 (1938/39).
Der Nachlass Hugo Distlers wird nun in der Bayerischen Staatsbibliothek wissenschaftlich erschlossen und für die Forschung zugänglich gemacht. Einmal mehr wird durch die großzügige Schenkung der derzeit ca. 330 Musiknachlässe umfassende Bestand der Bibliothek bereichert.