Mariya Dzhimova arbeitet seit August 2020 am Institut für Kulturmanagement und Medien als Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie ist für Aufbau und Gestaltung eines neuen Forschungsbereiches zum Thema „Einsatz und Auswirkungen von Machine Learning / Künstlicher Intelligenz im Kultursektor“ zuständig.
Liebe Frau Dzhimova, wie lautet Ihr Forschungsauftrag an der HMTM?
Mein Auftrag ist, einen praxisnahen, interdisziplinären Forschungsbereich zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) in Kunst und Kultur aufzubauen. Ich möchte mehrere Projekte zu verschiedenen Themen initiieren, angefangen vom Einsatz von KI-Methoden in kreativen Prozessen – sei es in der Komposition oder Musikproduktion – über den Einsatz von automatisierten Verfahren in den Marketingstrategien von Kulturbetrieben bis hin zur Anwendung von Machine Learning in der inhaltlichen Programmgestaltung von Kultureinrichtungen. Hierfür werde ich auch Partner aus der Praxis gewinnen, wie etwa Kultureinrichtungen, um die wissenschaftlichen Fragen mit konkreten Herausforderungen aus der jeweiligen Praxis zu verknüpfen. Im Rahmen des Forschungsbereiches sind dann auch Veranstaltungen zum Thema KI und Kultur geplant, die offen für alle Studierenden der Hochschule sein werden und somit das Lehrangebot bereichern.
Gibt es in Ihrer Forschung schon irgendwelche Ergebnisse oder Tendenzen?
Es ist noch zu früh, um von Ergebnissen zu sprechen. Dennoch ist eine interessante Beobachtung, die ich gemacht habe, dass es wenig Forschung zum Thema KI in Kunst und Kultur gibt, im Vergleich zu anderen Bereichen, wie etwa in der Medizin, Mobilität, Energie etc. Zudem verwenden wenige Kultureinrichtung Methoden der KI im eigenen Betrieb. Es gibt also sowohl eine Forschungs- als auch eine Praxislücke.
Inwieweit ist Ihre Forschung von Nutzen für den Kulturbetrieb und für die Künstlerinnen und Künstler von morgen?
Künstliche Intelligenz wird in naher Zukunft alle Lebens- und Arbeitsbereiche maßgeblich verändern, in diesem Sinne auch die Arbeitspraktiken von Kultureinrichtungen und den kreativen Schaffensprozess von Künstlerinnen und Künstlern. Daher ist es wichtig, dass sich Kulturschaffende jetzt mit dem Thema auseinandersetzen und sich mit den unterschiedlichen Methoden der KI vertraut machen, und zwar nicht nur um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern auch um die Möglichkeit zu haben sowohl Kunst als auch KI neu zu denken und zu praktizieren. Schließlich war die Kunst schon immer ein Ort des Experimentierens und der Irritation.