Die Kölner Hochschule für Musik und Tanz Köln hat offenbar massive Finanzprobleme. Nachdem gestern Studierende des Zentrums für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) in der Hochschule auf dessen Gefährdung durch Sparpläne der Hochschulleitung aufmerksam gemacht hatten, wurde heute durch eine Pressemitteilung der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) publik, dass die HfMT Köln für das Wintersemester 2013/14 einen Aufnahmestopp in den künstlerischen Studiengängen beschlossen hat.
In der Mitteilung fordert die DOV den Rektor der Hochschule, Heinz Geuen, auf, „umgehend seine Entscheidung zum Stopp von Neuaufnahmen in den künstlerischen Studiengängen (Bachelor bzw. Master of Music Instrument) zu revidieren“ und weist auf die Erwartungen des doppelten Abiturjahrgangs in NRW und die besonders betroffenen Lehrbeauftragten hin: „Der Aufnahmestopp würde für viele der seit Jahren in prekären Arbeitsverhältnissen tätigen Lehrbeauftragten eine deutliche Reduzierung oder sogar das endgültige Aus ihrer Lehrtätigkeit bedeuten“, so die DOV.
In einer Stellungnahme der Hochschulleitung heißt es hingegen, man rechne für das Wintersemester 2013/14 „mit ca. 400 Neuaufnahmen“. Diese Zahl entspreche in „etwa den – im Vergleich zu Vorjahren gesteigerten – Neuaufnahmen des vergangenen Wintersemesters 2012/13.“ Zudem hätten sich die Bewerberzahlen trotz doppelter Abiturjahrgänge „nicht nennenswert erhöht“, auch seien diese „in künstlerischen Studiengängen, für die sich z.B. auch zahlreiche junge ausländische Bewerber melden, kaum spürbar“. Indirekt bestätigt die Stellungnahme jedoch die Einschnitte bei den Lehraufträgen, wenn es dort heißt: „Das Rektorat der Hochschule berücksichtigt in diesem Jahr verstärkt, dass die Kapazitäten der Professorinnen und Professoren ausgeschöpft werden, so dass Studierende in den künstlerischen Studiengängen in aller Regel professoral unterrichtet werden. Lehraufträge werden vergeben, wenn Professorinnen und Professoren keine freien Kapazitäten haben und das Fach sonst nicht versorgt wäre.“ Die Hochschule habe „über mehrere Semester mit allen Fachbereichen und Gremien mögliche Kostenreduzierungen diskutiert und den oben skizzierten Weg abgestimmt.“
Gestern hatten zudem Studierende des zur HfMT Köln gehörigen Zentrums für zeitgenössischen Tanz (ZZT) mit einer Aktion im Foyer der Hochschule gegen die Sparmaßnahmen protestiert, die ihrer Meinung nach auf lange Sicht eine Schließung des ZZT bedeuten würden. Einige Verträge für Dozenten seien schon nicht mehr verlängert worden, geplant seien außerdem eine Verkleinerung der Klassen, die Aufgabe des Studios in Köln-Nippes und eine Fusionierung mit der Tanzabteilung der Folkwang Universität Essen.
Von Seiten der Hochschulleitung hieß es dazu, man habe „erste Ideen formuliert, wie für die Tanzausbildung an der Kölner Hochschule Synergien mit der Ausbildung an der Folkwang Universität der Künste Essen entstehen könnten“. Die Gespräche befänden sich am Anfang und es sei noch nicht abzusehen, wie sich diese weiter entwickeln werden. Ziel der Überlegungen sei es unter anderem auch, „die sehr prekäre räumliche Situation der Tanzausbildung in Köln zu verbessern.“
Die Tanzstudierenden haben inzwischen eine Facebook-Seite zum Erhalt des ZZT eingerichtet und eine Online-Petition angekündigt. Dort ist auch ein Video zur Protestaktion im Foyer der Hochschule verlinkt.
[Update, 16.6.2013]: Die Online-Petition ist mittlerweile eröffnet:
https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt-des-zentrums-fuer-ze…