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«Vorleseväter dringend gesucht» - Studie: 37 Prozent der Vier- bis Elfjährigen wird nie vorgelesen

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Berlin (ddp). Mehr als ein Drittel aller Kinder in Deutschland bekommt weder zuhause noch im Kindergarten oder in der Schule etwas vorgelesen. Das ist das Ergebnis einer am Montag in Berlin vorgestellten repräsentativen Studie der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung «Die Zeit» und der Deutschen Bahn. Vorlesen sei jedoch «die Mutter des Lesens», sagte Ralf Klein-Bölting von der Deutschen Bahn. Wer gut lesen könne, habe später bessere Bildungschancen. Zudem gehe es beim Vorlesen «um Rituale, die Nähe und Geborgenheit darstellen».

Für die Studie «Vorlesen im Kinderalltag 2008» waren 875 Kinder zwischen vier und elf Jahren befragt worden. Zuvor hatten im vergangenen Jahr 1000 Eltern ihre Vorlesegewohnheiten zu Protokoll gegeben. Laut Klein-Bölting gibt es einen «deutlichen Wahrnehmungsunterschied» zwischen dem, was Kinder erlebten und was Eltern behaupteten.

Während 37 Prozent der Kinder beklagten, ihnen würde nie vorgelesen, sagten nur 18 Prozent der Eltern aus, ihren Kindern niemals vorzulesen. Von den aktuell befragten Kindern gaben zudem 33 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen an, sich explizit Vorlesestunden zu wünschen. Klein-Bölting sagte: «Viele Eltern halten sich für Vorlese-Eltern, sind es in der Praxis aber nicht.» Betroffen seien alle Schichten, Einkommen und Bildungsgrad spielten dabei keine Rolle. 64 Prozent der Kinder sagten ferner, ihnen würde von der Mutter vorgelesen, nur acht Prozent nannten den Vater.

«Vorlese-Väter werden dringend gesucht», sagte Klein-Bölting. Der Geschäftsführer der «Zeit», Rainer Esser, betonte: «Die Väter müssen ran, sie sind für ihre Jungs die Vorbilder.» Der Geschäftsführer der Stiftung Lesen, Heinrich Kreibich, forderte, zu untersuchen, was Väter vom Vorlesen abhalte und wie diese dazu animiert werden könnten. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Je älter die Kinder sind, desto weniger wird ihnen vorgelesen.

Während Eltern von Schulkindern zum Beispiel sagten, diese seien inzwischen zu alt zum Vorlesen, gaben nur drei Prozent der Kinder im Schulalter an, sich für dieses Ritual nicht mehr zu begeistern. «Kinder wünschen sich ausdrücklich, dass ihnen vorgelesen wird», sagte Klein-Bölting. Esser verwies auf den fünften, bundesweiten Vorlesetag am Donnerstag (20. November): In diesem Jahr gebe es mit 7500 Vorlesern eine neue Rekordbeteiligung.

Unter den teilnehmenden Prominenten, die in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken, Kinderheimen und Einrichtungen der Deutschen Bahn vorlesen, sind auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Moderatorin Sarah Kuttner und «Prinzen»-Sänger Sebastian Krumbiegel.

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