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Foto der Preisträgerinnen: Claudia Irle-Utsch

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„Zuversicht ist ja was Wunderschönes“

Untertitel
Drei Studierende der Hochschule der Künste Bern gewinnen beim Finale des HUGO-Wettbewerbs für neue Konzertformate
Vorspann / Teaser

Sie sprechen von Angst, vom Überleben, von Sehnsucht. Reflektieren, was sie sehen, hören, fühlen. Und lassen reden: über das, was schön ist und ermutigend. Sie suchen Geschichten in einer Sprache, die im Vergangenen wurzelt. Sie wollen aus der Gegenwart eine Zukunft formen, in der alle eine Stimme haben – jede und jeder ein Mensch von Wert. Die drei Studierenden halten fest an der Hoffnung. Erin Louise Torres (Geige), Béatrice Garrido (Flöte) und Julian Schletti (Sounds) haben sich an der Hochschule der Künste Bern zusammengetan, um als Ensemble „Echo Theory“ widerhallen zu lassen, was aus ihrer Sicht existenziell ist: eine Zuversicht, die auf einem Miteinander gründet, das wirklich allen Respekt erweist und Raum gibt.

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Anfang März traten sie im österreichischen Feldkirch beim HUGO-Wettbewerb für neue Konzertformate an und überzeugten mit ihrem Konzept. Ihre zehnminütige Kurzpräsentation bot ein Setting aus Licht und Schatten, mittelalterlichem Minnesang und elektronischen Klängen, Live-Musik und Video-Sequenzen. Ein hochemotionaler Beitrag, mit einer hochengagierten Sprecherin. Erin Louise Torres lebt in Feldkirch, Vorarlberg. „Hier schlägt mein Herz“, sagt sie. Und wer sie dort auf der Bühne im Alten Hallenbad erlebt hat, konnte spüren, wie stark sie sich macht für eine Stadtgesellschaft, die niemanden ausgrenzt. Feldkirch? Könnte überall sein. Aber hier ist ein Anfang für die aus Südafrika stammende Erin Louise Torres, von hier reist sie jede Woche nach Bern, in die Hauptstadt der Schweiz, in eine durchaus etwas andere Welt.

„Total berührend“, war der erste Kommentar von Bernhard Günther. Der Künstlerische Leiter von Wien Modern bildete mit Sonja Stibi (Professorin für Musikvermittlung an der Musikhochschule München) und Anja Christina Loosli (Co-Künstlerische Leiterin der Schlosskonzerte Thun) die Jury des Wettbewerbs, die nach den insgesamt vier Pitches zum Thema „Zuversicht“ bei der elften Ausgabe des Wettbewerbs in der Summe „Echo Theory“ knapp vorn sahen. Deutlich auf Platz eins setzte das Publikum den Beitrag aus Bern beim parallel im Livestream geführten Online-Voting. Und so konnten sich Erin, Béatrice und Julian über die HUGO-Trophäe und das Preisgeld von 1.500 Euro freuen sowie vor allem über die Möglichkeit, aus der Konzertidee ein Konzert werden zu lassen. 5.000 Euro sind im Budget für die Produktion eines einstündigen Programms, das am 30. November 2025 bei den „Montforter Zwischentönen“ im barocken Palais Liechtenstein zu erleben sein soll. Was heißt, dass sich „Echo Theory“ in den kommenden Monaten der Verantwortung stellen wird.

„Jetzt müssen wir viel arbeiten“, sei nach dem ersten inneren Freudensprung sein erster Gedanke gewesen, sagte Julian Schletti nach der Preisverleihung. Denn das abendliche Konzert soll eingebettet sein in eine tagfüllende Installation. „Echo Theory“ wird auf Stimmenfang gehen, möchte Geschichten sammeln von den Menschen der Stadt, unabhängig von Alter, Herkunft oder Geschlecht, aber möglichst immer in der Sprache dieses Landstrichs, im lokalen Vorarlberger Dialekt oder zumindest in der entsprechenden Färbung. Exemplarisch war beim Wettbewerb die Stimme von Wally Waldner aus dem Café Feurstein zu hören. Ihr Statement aus der Audio-Sequenz bleibt im Ohr: „Zuversicht ist ja was Wunderschönes!“ Auch dieser Satz soll die Vielfarbigkeit eines Klang­echos im Konzert ausmachen.

Sämtliche Finalbeiträge des 11. HUGO-Wettbewerbs banden interaktive Elemente mit ein. Die Ensembles wollten das Publikum in Bewegung bringen, innerlich und äußerlich. So hatte das Quintett „On5“ von der Musikhochschule Nürnberg eine musikalische Wanderung durch die fünf Räume des Palais Liechtenstein geplant. Der Komponist Tibor Victor Hugo Kovács vom Mozarteum Salzburg wollte mit seinem meditativen Konzept die Selbstwahrnehmung im Augenblick schärfen, „immersiv“ aus der An- in die Entspannung führen. Dieses Angebot, schon beim Pitch abzutauchen, passte natürlich gut in die gekachelte Weltenthobenheit des einstigen Schwimmbads.

Das am Ende zweitplatzierte Duo Zwischen, zu Hause an den Musikhochschulen Leipzig und Stuttgart, gewährte einen Einblick ins „Labor der Zuversicht“. Annika Spegg und Robert Rülke ermunterten dazu, über das Sichtbarmachen von Zuversicht aktiv nachzudenken. Der Soundtrack dazu: ein Kanon für zwei Violinen von Max Reger. Bei den „Montforter Zwischentönen“ hätten die beiden Kunstschaffenden Menschen durch das alte Palais geleiten wollen, der Aufforderung von Luigi Nono folgend: „Du musst wandern ...“ Erkundet werden sollten verschiedene Räume: wie der Raum der Erinnerung, der Kreation oder der Niedergeschlagenheit.

Auch für diesen „radikalen Ansatz einer absoluten Partizipation“ (Sonja Stibi) gab es viel Jury-Lob. Wiederkehrend war der Rat zu hören, ein Publikum stets gut zu begleiten, mitzunehmen, nicht zu überfordern oder ungeschützt gar emotional aus der Bahn zu werfen. Mit 600 Euro war dieser zweite Platz dotiert, die Dritt- und Viertplatzierten erhielten jeweils 200 Euro.

Festivalmacher Hans-Joachim Gögl (Bregenz) und Folkert Uhde (Berlin) zeigten sich im Interview mit Moderatorin Andrea Thilo glücklich darüber, auf welch breites Interesse der HUGO inzwischen stößt. Beworben hätten sich dieses Mal 64 Teams von 19 Hochschulen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Je länger, je mehr nähmen sie wahr, unterstrich Folkert Uhde, welche pädagogische Bedeutung der HUGO habe. Unerlässlich sei das professionelle Coaching der jungen Künstlerinnen und Künstler. Gögl und Uhde geben weiter, aus eigener Erfahrung.

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