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Konzentriertes Hören einer flüchtigen Kunstform

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Das Bludenzer Symposium suchte den Brückenschlag zu Bildender Kunst und Schauspiel
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„Pscht“, mahnte eine Lehrerin streng, bevor das inszenierte Konzert „Es rieselt, es knistert, es kracht“ vor 100 Kindern und ebenso vielen Symposiumsgästen im Vorarlberger Bludenz über die Bühne gehen sollte. Sofort herrschte unter den Teilnehmern am Symposium Einigkeit darüber, dass ein disziplinierendes „Pscht“ in einem Kunstraum für Kinder keinen Platz haben dürfe. Darüber, welche künstlerischen Zugänge in der aktuellen Praxis der Musikvermittlung zum Hören führen, schon weniger.

Die von „Bludenz Kultur“ (Christoph Thoma), dem „netzwerk junge ohren“ (Ingrid Allwardt) und dem Kunstverein „allerArt Bludenz“ (Michael Konzett) veranstaltete Tagung versuchte für Österreich erstmalig die interdisziplinären Ansätze der Musikvermittlung mittels Schauspiel und Bildender Kunst zu thematisieren und darüber hinaus einen Diskurs über künstlerische und pädagogische Qualität zu initiieren.

Ausgangspunkt für die anschließenden Podiumsdiskussionen zu Musikvermittlung und Szene, Musikvermittlung und Bildender Kunst und Musikvermittlung im Sinne eines erlebnis-orientierten und verständnisvollen Zuhörens bildete das inszenierte Konzert für Kinder „Es rieselt, es knistert, es kracht“ (Inszenierung: Lilian Genn, Visuelle Kunst: Norbert Brunner, Musik: Murat Üstün und „Die Schurken“), das sowohl Bildende Kunst als auch Pantomime und Improvisation zu einer märchenhaften Science-Fiction- Geschichte um außerirdische Musiker verwob. Vertreter der einzelnen Kunstsparten wie Theatermacher, Musiker und Bildende Künstler gingen der Frage nach, ob es gemeinsame Kriterien in der vermittelnden Arbeit gibt. Abseits der Wertschätzung für Vermittlungsarbeit an sich, scheinen die zentralen Fragen der Herangehensweisen für Kinder und Erwachsene doch spartenspezifisch verschieden: Während Theaterleute das magische Erlebnis zaubern möchten und Bildende Künstler das individuelle Erlebnis der visuellen Rezeption in Gruppen erlebbar machen, suchen Musiker nach Momenten, die das konzentrierte Hören einer flüchtigen Kunstform fördern.

In den lebhaft geführten Diskussionen lernten Musiker von Theaterprofis Wertvolles über den professionellen Umgang mit Bühnensituationen sowie dem künstlerisch geleiteten Interagieren mit Bildender Kunst – und umgekehrt. Ob Kunstvermittlung während einer künstlerischen Performance, davor oder danach stattfinden soll, sahen die Teilnehmer unterschiedlich: „Kunst ist Kunst und alles andere ist alles andere“, meinte der amerikanische Expressionist Ad Reinhardt – daran werden sich die Diskurse zur Musikvermittlung wohl noch länger reiben.

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