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Singen als Handwerkszeug

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Zwei Vermittlungsformen und ihre Gemeinsamkeiten
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Wo immer man sich heutzutage umhört, beklagen Musiker und Pädagogen bei Kindern einen eklatanten Mangel an elementarem musikalischen Handwerkszeug wie etwa das Fehlen eines gesunden Umgangs mit der Singstimme. „Heutzutage“ ist ein relativer Begriff, scheint es doch so, dass häufig bereits die Elterngeneration dieser Kinder nur noch selten singt, woraus sich die mangelnde Vermittlungskompetenz im Rahmen einer klassischen Kettenreaktion ergibt. Zudem beklagen Eltern und Expertinnen die negativen Auswirkungen auf den kindlichen Stimmapparat, die ein ungesundes Imitieren synthetischer Computerstimmen aus den Massenmedien mit sich bringt. Mit der Auswahl der nebenstehenden Artikel soll ein Einblick in die Vermittlungsformen und entsprechenden pädagogischen Hintergründe aufgezeigt werden, mit denen sich zwei Liedermacher und ein Musikpädagoge beziehungsweise Chorleiter dieser Thematik annehmen. Auch wenn die Veranstaltungsformen und die Art der Vermittlung der Autoren sehr unterschiedlich sind, kann man doch einige gemeinsame Ansatzpunkte feststellen: Die hohe Bedeutung des Singens ist, in einer entsprechend angenehmen Atmosphäre, für ein intensives musikalisches Erleben unbestritten. Die Autoren versuchen auf ihre Weise, die Texte der Lieder an den Lebens- und Bedürfniswelten ihres Publikums zu orientieren. Ihre Meinungen differieren allerdings hinsichtlich der Teilnehmerzahlen ihrer Veranstaltungen. Während Thomas Holland-Moritz eine deutliche Begrenzung auf überschaubare Gruppengrößen fordert, halten die beiden Liedermacher an ihren Großveranstaltungen fest. Rezeptives Erleben will gelernt sein: Zuhören-können und Singen-lernen bedingen sich gegenseitig und gehören, so Holland-Moritz, in der Reiz überfluteten Medienwelt – ebenso wie positiv empfundene Stille – zu den wichtigen Zielen einer zeitgemäßen Musikvermittlung. Dies ist auch eines der zentralen Anliegen der „Initiative Konzerte für Kinder“. Darüber hinaus soll hier explizit auf die große Bandbreite an experimentellen Einsatzmöglichkeiten von Stimme und Sprache für die konzertpädagogische Arbeit hingewiesen werden. Im Laufe eines Familienkonzertes kann der Einsatz von Wort- und Klangfetzen über Sprache, Rap und Rhythmicals auch die sängerische Spielfreude eines unerfahrenen Publikums auf natürliche Weise anregen. Voraussetzung ist ein behutsamer Umgang mit bewusst gestalteten experimentellen Momenten, frei von blindem Aktionismus und Gruppenzwang.

Wo immer man sich heutzutage umhört, beklagen Musiker und Pädagogen bei Kindern einen eklatanten Mangel an elementarem musikalischen Handwerkszeug wie etwa das Fehlen eines gesunden Umgangs mit der Singstimme. „Heutzutage“ ist ein relativer Begriff, scheint es doch so, dass häufig bereits die Elterngeneration dieser Kinder nur noch selten singt, woraus sich die mangelnde Vermittlungskompetenz im Rahmen einer klassischen Kettenreaktion ergibt. Zudem beklagen Eltern und Expertinnen die negativen Auswirkungen auf den kindlichen Stimmapparat, die ein ungesundes Imitieren synthetischer Computerstimmen aus den Massenmedien mit sich bringt. Mit der Auswahl der nebenstehenden Artikel soll ein Einblick in die Vermittlungsformen und entsprechenden pädagogischen Hintergründe aufgezeigt werden, mit denen sich zwei Liedermacher und ein Musikpädagoge beziehungsweise Chorleiter dieser Thematik annehmen. Auch wenn die Veranstaltungsformen und die Art der Vermittlung der Autoren sehr unterschiedlich sind, kann man doch einige gemeinsame Ansatzpunkte feststellen: Die hohe Bedeutung des Singens ist, in einer entsprechend angenehmen Atmosphäre, für ein intensives musikalisches Erleben unbestritten. Die Autoren versuchen auf ihre Weise, die Texte der Lieder an den Lebens- und Bedürfniswelten ihres Publikums zu orientieren. Ihre Meinungen differieren allerdings hinsichtlich der Teilnehmerzahlen ihrer Veranstaltungen. Während Thomas Holland-Moritz eine deutliche Begrenzung auf überschaubare Gruppengrößen fordert, halten die beiden Liedermacher an ihren Großveranstaltungen fest. Rezeptives Erleben will gelernt sein: Zuhören-können und Singen-lernen bedingen sich gegenseitig und gehören, so Holland-Moritz, in der Reiz überfluteten Medienwelt – ebenso wie positiv empfundene Stille – zu den wichtigen Zielen einer zeitgemäßen Musikvermittlung. Dies ist auch eines der zentralen Anliegen der „Initiative Konzerte für Kinder“. Darüber hinaus soll hier explizit auf die große Bandbreite an experimentellen Einsatzmöglichkeiten von Stimme und Sprache für die konzertpädagogische Arbeit hingewiesen werden. Im Laufe eines Familienkonzertes kann der Einsatz von Wort- und Klangfetzen über Sprache, Rap und Rhythmicals auch die sängerische Spielfreude eines unerfahrenen Publikums auf natürliche Weise anregen. Voraussetzung ist ein behutsamer Umgang mit bewusst gestalteten experimentellen Momenten, frei von blindem Aktionismus und Gruppenzwang.

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