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Eine Kur für Orgel in Baku - Bautzener Firma Eule hinterlässt Klangspuren im In- und Ausland - 635 Instrumente wurden seit Gründung im Jahr 1872 gebaut.
Bautzen (ddp-lsc). "Orgeln sind wie die eigenen Kinder", sagt Armin Zuckerriedel. Eine Menge Herzblut, viel Fingerspitzengefühl und Geduld gilt es aufzubringen, damit ein Instrument sich richtig entfaltet, weiß der Orgelbaumeister, der seit 1988 die Geschäfte bei Hermann Eule Orgelbau in Bautzen führt. Als am 12. Januar die neue Orgel in der Leipziger Hochschule für Musik und Theater eingeweiht wurde, vollendete sich erneut ein Werk, das die ostsächsische Firma mehrere Jahre beschäftigt hatte.Das Instrument für den Leipziger Konzertsaal war der 635. Neubau einer Orgel in der Geschichte der Firma. Hermann Eule hatte sie 1872 in Bautzen gegründet. Er bezog damals zunächst eine Werkstatt in der Innenstadt. Ab 1888 baute er seine Orgeln auf einem neuen Grundstück in Bautzen, auf dem das Unternehmen noch heute seinen Sitz hat. 1929 übernahm Tochter Johanna den Betrieb. Später führte Orgelbaumeister Hans Eule die Geschäfte. Seine Frau Ingeborg ist heute alleinige Gesellschafterin der 1990 reprivatisierten Firma.
In seiner 130-jährigen Geschichte hat der Betrieb vielerorts im In- und Ausland Spuren hinterlassen. Nicht nur mit Neubauten, sondern auch durch Reparatur, Restaurierung und Wartung. So haben zwei Orgelbauer derzeit ihren Arbeitsplatz am Konservatorium in Baku. Fünf Wochen sind sie damit beschäftigt, die 1964 in Bautzen gebaute Orgel zu reinigen.
Im polnischen Jawor (Jauer) restaurieren Eule-Mitarbeiter gerade die Orgel in der Friedenskirche. Das Instrument stammt aus dem Jahre 1854 und trägt die Handschrift von Alexander Lummert. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Instrument nicht mehr bespielbar, schlichtweg zerstört. Die akribische Suche nach Hinweisen begann, damit die Orgel so authentisch wie möglich rekonstruiert werden kann. Schließlich will die Firma immer ihrem Grundsatz treu bleiben, ein Werk konsequent im Sinne seines Schöpfers wieder herzustellen. Wenn die Kirche in Jawor im September ins Weltkulturerbe aufgenommen wird, wollen die Eule-Mitarbeiter zumindest zehn von 27 Registern wieder zum Klingen gebracht haben.
Die größte Orgel aus der Bautzener Werkstatt steht im Zwickauer Mariendom. Von 1966 bis 1969 wurde das Instrument mit vier Manualen, 77 Registern und rund 4600 Pfeifen erbaut. Eule-Orgeln schmücken auch die Dome in Naumburg, Halberstadt und Meißen oder die Kathedrale von Warschau. Zahlreiche Auftraggeber hatte die Firma schon zu DDR-Zeiten in Westdeutschland. "Ein devisenrentables Geschäft für den Staat", schaut Zuckerriedel zurück.
Von den heute bundesweit 180 Orgelbaufirmen ist der Bautzener Betrieb einer der größten. 40 Leute arbeiten bei Eule, darunter sieben Orgelbaumeister. Für den Nachwuchs sorgt der Betrieb selbst. Er bildet derzeit vier Lehrlinge aus. Zwei kommen in diesem Jahr wieder hinzu, sagt der Geschäftsführer. Die Mitarbeiter fertigen nahezu alle Teile für die mächtigen Instrumente selbst, überwiegend in Handarbeit. Die Orgelgehäuse ebenso wie die Pfeifen, die zwischen acht Millimeter und fast zehn Meter in der Länge messen können. Die für ihren Klang entscheidenden Legierungen aus Zinn und Blei werden im eigenen Haus hergestellt.
"Die beste Werbung bekommen wir durch unsere Instrumente sowie die Empfehlung von Organisten und Orgelsachverständigen", ist der Firmenchef überzeugt. Dass der Traditionsbetrieb weltweit geachtet ist, zeigt nicht zuletzt ein Auftrag aus Israel. Den Konzertsaal der Universität in Tel Aviv wird künftig der Klang einer Bautzener Orgel mit rund 2400 Pfeifen erfüllen.
Umso größer war die Enttäuschung darüber, dass das Wissen sächsischer Orgelbauer bei der Planung der neuen Orgel für die Dresdner Frauenkirche einfach keine Rolle spielen soll. Das Instrument müsse aus einer Werkstatt kommen, die Erfahrung mit Werken von Gottfried Silbermann hat, findet Zuckerriedel. Für die Firma aus Strasbourg, die der Stiftungsrat für das Projekt ins Auge gefasst hat, trifft dies jedoch nicht zu.
Anett Böttger
(www.euleorgelbau.de)