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Ungewissheit über Christoph Albrechts Amtsantritt in München +++ Mit 77 Jahren starb Dirigent Gary Bertini +++ Dortmunder Stadtrat wählt Benedikt Stampa
Ungewissheit über Christoph Albrechts Amtsantritt in München
München (ddp-bay). Der designierte künftige Intendant der Bayerischen Staatsoper, Christoph Albrecht, wird sein Amt womöglich nie antreten. Derzeit laufen Verhandlungen über eine vorzeitige Auflösung des Intendantenvertrages, wie das Kunstministerium und Albrecht am Freitag in einer gemeinsamen Presseerklärung in München mitteilten. Albrecht sollte im September 2006, als Nachfolger von Sir Peter Jonas, die Intendanz übernehmen.
Von Seiten der Staatsoper heißt es, der designierte Generalmusikdirektor Kent Nagano sei bereit, übergangsweise als kommissarischer Staatsoperndirektor die künstlerische Leitung zu übernehmen, falls bis zum Ende der Vertragslaufzeit am 1. September 2006 noch keine dauerhafte Lösung für die Intendanz vorliegt. Nagano sei von Kunstminister Thomas Goppel (CSU) darum gebeten worden.
Mit 77 Jahren starb Dirigent Gary Bertini
Köln (ddp-nrw). Der ehemalige Chefdirigent des Kölner WDR-Sinfonieorchesters, Gary Bertini, ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit in Tel Aviv, wie seine Agentur am Freitag mitteilte.
Noch im Januar 2005 hatte Bertini große Erfolge am «Mariinsky-Theater» in St. Petersburg und beim Russischen Nationalorchester in Moskau gefeiert. Chefdirigent des Kölner WDR-Sinfonieorchesters war er von 1983 bis 1991. Außerdem war er von 1987 bis 1991 Intendant und Generalmusikdirektor der Frankfurter Oper. Der mit dem Israelischen Staatspreis ausgezeichnete Bertini verstand sich als musikalischer Brückenbauer zwischen seiner Wahlheimat Israel und Deutschland.
Gary Bertini wuchs in Israel auf. Er studierte Dirigieren, Musikwissenschaft und Komposition unter anderem bei Arthur Honegger und Olivier Messiaen. Mit dem Israel Chamber Orchestra, das Bertini 1965 gegründet hat, sorgte der Künstler international für Aufsehen. 1978 bis 1986 war er Chefdirigent des Jerusalem Symphony Orchestra und leitete seit 1998 das Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra.
Bertini hat zahlreiche Schallplatten aufgenommen, darunter sämtliche Mahler-Symphonien. Im September 2002 wurde er zum «Accademico Onorario» der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom ernannt. Seit der Saison 2004/05 war Bertini zudem künstlerischer Direktor des Teatro di San Carlo in Neapel.
Dortmunder Stadtrat wählt Benedikt Stampa
Dortmund (ddp-nrw). Der Dortmunder Stadtrat hat am Donnerstag Benedikt Stampa zum neuen Intendanten des Konzerthauses gewählt. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, bestimmte das Parlament mit großer Mehrheit den 39-Jährigen, der derzeit noch Geschäftsführer der Laeiszhalle-Musikhalle Hamburg ist, zum neuen Konzerthaus-Chef. Stampa soll sein Amt im Herbst übernehmen.
Das Dortmunder Konzerthaus habe einen «sehr guten Ruf», betonte Stampa. Er freue sich auf die Aufgabe und wolle die Philharmonie zu einem der großen Häuser Europas machen. Zu den möglichen Programmschwerpunkten machte er noch keine Angaben. Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer (SPD) und die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Konzerthaus Dortmund GmbH, Daniela Schneckenburger, zeigten sich überzeugt, mit Stampa einen qualifizierten Intendanten gefunden zu haben, der mit den vom Aufsichtsrat beschlossenen Rahmenbedingungen ein ambitioniertes Programm mit hohen Ansprüchen entwickeln könne.
Der im westfälischen Emsdetten geborene Stampa ist seit 1996 Geschäftsführer der Hamburger Musikhalle. 1991 hatte er sein Studium der Musikwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen und sich dann noch ein weiteres Jahr im Aufbaustudium dem Bereich «Kulturmanagement» gewidmet. Nach Ansicht von Experten hat Stampa mit erfolgreichen Konzertreihen, die nur aus Sponsorengeldern finanziert wurden, die klassische Musik einem breiterem Publikum nahe gebracht. Als Beauftragter der Stadt Hamburg zeichnete Stampa verantwortlich für bedeutende Kulturprojekte wie das «Brahmsjahr 1997».
Derzeit wird das erst im September 2002 eröffnete Konzerthaus kommissarisch von dem Geschäftsführer und Intendanten des Dortmunder Theaters, Albrecht Döderlein, geleitet. Gründungsintendant und Geschäftsführer Ulrich Andreas Vogt war Mitte Januar von seinem Posten abberufen worden, nachdem er seinen Vertrag zum 31. Juli 2005 gekündigt hatte. Vogt war wegen seines Führungskurses, der das Konzerthaus in eine finanzielle Schieflage gebracht hatte, in die Kritik geraten.