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22.6.: theater und literatur aktuell +++ theater und literatur

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Berlin: Angeblich unbekannter Brecht-Text entdeckt +++ Düsseldorf: Heine-Preis 2008 am Amos Oz +++ Wiesbaden: Rund 7500 Zuschauer bei Theaterbiennale «Neue Stücke aus Europa» +++ Sömmersdorf: Beckstein beim Auftakt der Sommersdörfer Passionsspiele +++ Ralswiek: Störtebeker-Festspiele auf Rügen eröffnet +++ Hamburg: Freie Theaterszene wählt neuen Vorstand


Berlin: Angeblich unbekannter Brecht-Text entdeckt
Berlin (ddp). Ein Augsburger Wissenschaftler hat angeblich einen vor 90 Jahren von Bertolt Brecht (1898-1956) verfassten Zeitungsartikel entdeckt. Der bislang nicht dem Dichter zugeordnete Text in den «Augsburger Neuesten Nachrichten» könne dem Wissenschaftler zufolge eindeutig Brecht zugeordnet werden, wie die «Welt am Sonntag» am Samstag berichtete. Der Bericht über die Abschlussfeier der Städtischen Mädchenschule sei ohne Autorenkennung abgedruckt worden. Der damals 20-jährige Brecht wollte den Angaben zufolge mit dem Artikel die spätwilhelminische Gesellschaft kritisieren. Zugleich habe er seine Jugendliebe und spätere Mutter seines Sohns, Paula Banholzer, beeindrucken wollen, die an der Feier teilgenommen habe.
Der Text soll laut «WamS» am 25. Juli durch seinen Entdecker Jürgen Hillesheim, Leiter der Brecht-Forschungsstätte Augsburg, der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Ihm zufolge entstand der Artikel im Sommer 1918, als der Autor gerade den «Quantensprung vom wichtigtuerischen Schreiberling zum großen Dichter» geschafft habe. In jenem Jahr war die erste Fassung des »Baal« entstanden. Der Literaturwissenschaftler war nach jahrelangen Recherchen auf den Text gestoßen.
Wenige Tage nach der Abschlussfeier war Brecht laut dem Bericht mit seiner 16-jährigen Freundin zu einem heimlichen Kurzurlaub am Starnberger See aufgebrochen. Ein Jahr darauf wurde Sohn Frank Banholzer geboren. Zu diesem Zeitpunkt war Brechts Interesse an Paula Banholzer bereits abgeflaut. Frank Banholzer kam 1943 als Soldat an der Ostfront ums Leben.


Düsseldorf: Heine-Preis 2008 am Amos Oz
Düsseldorf (ddp). Der israelische Schriftsteller Amos Oz («Eine Geschichte von Liebe und Finsternis») wird mit dem Heine-Preis 2008 der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgezeichnet. Der Heine-Preis zählt zu den bedeutendsten Literatur- und Persönlichkeitspreisen in Deutschland und wird seit 1972 verliehen. Seit 2006 ist er mit 50 000 Euro dotiert. Der Preis wird voraussichtlich in einer Feierstunde am 13. Dezember - Heinrich Heines 211. Geburtstag - übergeben,
wie die Stadt Düsseldorf am Samstagabend mitteilte. Der Heine-Preis wird durch die vom Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf eingesetzte Jury «an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten». Die Jury traf ihre Entscheidung in einer Sitzung am Samstag. Amos Oz wurde am 1939 als Amos Klausener in Jerusalem geboren. Seine Großeltern flüchteten nach der russischen Revolution 1917 von Odessa nach Wilna und wanderten von dort 1933 nach Palästina aus.Er studierte Literatur und Philosophie an der hebräischen Universität in Jerusalem und veröffentlichte erste Kurzgeschichten. Von 1987 bis 2005 war er ordentlicher Professor für hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Beerscheba. 1997 übernahm er eine Professur für Literatur an der Princeton University (USA). Er lebt seit 1986 in der Wüstenstadt Arad. Die Romane und Erzählungen von Oz befassen sich in realistisch-dramatischer, teils in fanatisch-burlesker, teils in satirisch-komischer Weise mit der jüngeren gesellschaftlichen, politischen und psychologischen Befindlichkeit in seinem Land. In Deutschland wurde er 1992 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Er erhielt außerdem zahlreiche weitere Preise, darunter den Welt-Literaturpreis (2004), den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt (2005) und den Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz (2008). 2006 hatte die Jury den Heine-Preis dem Schriftsteller Peter Handke zuerkannt. Diese Entscheidung hatte zu heftigen politischen Diskussionen geführt, worauf Peter Handke den Verzicht auf den Preis erklärte. In der Folge wurden die Verleihungsbestimmungen unter anderem dahingehend geändert, dass nunmehr die Jury abschließend über die Vergabe entscheidet.


Wiesbaden: Rund 7500 Zuschauer bei Theaterbiennale «Neue Stücke aus Europa»
Wiesbaden/Mainz (ddp-hes). Rund 7500 Zuschauer haben bei der diesjährigen Theaterbiennale «Neue Stücke aus Europa» der Staatstheater Wiesbaden und Mainz zeitgenössische Produktionen aus insgesamt 24 Ländern gesehen. Die Platzausnutzung für alle Vorstellungen lag bei etwa 75 Prozent, wie die Veranstalter zum Abschluss am Sonntag mitteilten. Damit sei es gelungen, die Theaterbiennale im Rhein-Main-Gebiet endgültig zu etablieren, sagte der Intendant des Wiesbadener Staatstheaters, Manfred Beilharz.
Vom 12. Juni an waren in Wiesbaden und Mainz insgesamt 29 Produktionen unter anderem aus Estland, Kroatien, Irland, Weißrussland, Griechenland, Luxemburg und Norwegen gezeigt worden. Neben Stücken von international erfolgreichen Autoren wie dem Briten Tim Crouch und dem Italiener Roberto Saviano waren dabei vor allem Inszenierungen von noch weitgehend unbekannten Künstlern ausgesucht worden. Fast alle der ausgewählten Produktionen waren nach Angaben der Veranstalter erstmals außerhalb ihrer Länder zu sehen.
Die Stücke wurden in Originalsprache gezeigt und simultan ins Deutsche übersetzt. Für die beste Stückübersetzung hatte die Tageszeitung «Wiesbadener Kurier» einen mit 1500 Euro dotierten Übersetzerpreis ausgelobt. Die Auszeichnung ging an Hinrich Schmidt-Henkel für die Übersetzung des norwegischen Stücks «Kaldt Produkt/ Kaltes Produkt» von Matias Faldbakken vom Osloer Nationaltheater «Torshovteatret».
«Neue Stücke aus Europa» war 1992 in Bonn vom heutigen Intendanten des Wiesbadener Staatstheaters, Beilharz, ins Leben gerufen worden. Seit fünf Jahren ist das Wiesbadener Staatstheater Spielstätte des internationalen Festivals, Mainz war in diesem Jahr erstmals dazugekommen. Der Intendant des Mainzer Staatstheaters, Mathias Fontheim, bezeichnete die Kooperation am Sonntag als vollen Erfolg und gelungenen «Brückenschlag zwischen beiden Städten, der auch in Zukunft seine Fortsetzung finden solle.


Sömmersdorf: Beckstein beim Auftakt der Sommersdörfer Passionsspiele
Sömmersdorf (ddp-bay). Mit dem Auftakt der «Fränkischen Passionsspiele» hat in Sömmersdorf (Landkreis Schweinfurt) am Sonntag die Festspielsaison begonnen. In diesem Jahr feiern die Laiendarsteller in dem Euerbacher Ortsteil das 75-jährige Bestehen der Aufführung. Gut zwei Drittel der gut 640 Einwohner sind an dem Passionsspiel beteiligt, über 300 stehen dabei auch selbst auf der Bühne. Unter den rund 2000 Premierengästen waren auch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein, Staatskanzleichef Eberhard Sinner, sowie Landtagsvizepräsidentin Barbara Stamm (alle CSU).
Beckstein zeigte sich beeindruckt, dass Menschen, «die ganz normalen Berufen nachgehen ein derartiges Passionsspiel» auf die Beine stellten. «Das hat eine ganz eigene Faszination auch für die Zuschauer», betonte er.
Das erstmals 1933 auf Initiative eines Volksschullehrers aufgeführte Passionsspiel wurde nach dem Krieg 1956 wieder aufgenommen und jährlich aufgeführt. Seit 1968 wurde der Turnus geändert und das jetzt gut dreieinhalb Stunden lange Stück ist alle fünf Jahre zu sehen. Bei 16 Aufführungen an Sams- und Sonntagen erwarten die Organisatoren bis zum 31. August rund 30.000 Besucher.
http://www.passionsspiele-soemmersdorf.de


Ralswiek: Störtebeker-Festspiele auf Rügen eröffnet
Ralswiek (ddp). Die Insel Rügen ist seit Samstagabend wieder fest in Piratenhand. Vor ausverkauften Rängen der Freilichtbühne Ralswiek verzauberten Klaus Störtebeker und seine Mannen annähernd 9000 Zuschauer beim Auftakt der diesjährigen Störtebekerfestpiele. Bis Anfang September werden sich die Vitalienbrüder jeden Abend (außer sonntags) am und auf dem Jasmunder Bodden Kämpfe mit ihren Gegnern um Königin Margarete von Dänemark liefern.
Seit 16 Jahren fesselt die Legende um den legendären Freibeuter Klaus Störtebeker und seinen Kumpanen Goedeke Michels die Besucher der Insel Rügen, bislang verfolgten mehr als vier Millionen Zuschauer das Spektakel. Die diesjährige Episode unter dem Motto «Der Seewolf», die auf eine Auseinandersetzung der Dänen mit Piraten von 1393 beruht, wird von rund 180 Profischauspielern und Laiendarstellern erzählt. Zur Crew gehören neben den beiden Piraten-Publikumslieblingen Sascha Gluth und Dietmar Lahaine wieder Wolfgang Lippert sowie Schauspielerin Nadja Kruse («Soko Köln»), die diesjährige Geliebte von Störtebecker.
Die Freibeuter der Meere kämpfen bis 6. September jeden Abend um 20.00 Uhr, nur sonntags ist spielfrei. Karten gibt es unter der Theater-Hotline in Ralswiek (03838)- 31100 oder im Internet unter http://www.stoertebeker.de


Hamburg: Freie Theaterszene wählt neuen Vorstand
Auf seiner Jahresmitgliederversammlung wählte der Dachverband freier Theaterschaffender Hamburg (DFTHH) vergangene Woche einen neuen Vorstand. Alexander Pinto (freischaffender Kulturmanager), Anna Schildt (freie Regisseurin) und Andreas Lübbers (künstlerischer Leiter) lösen die bisherigen Vorstandsmitglieder Angela Guerreiro, Tünde Pasdach und Gero Vierhuff ab und übernehmen für die nächsten zwei Jahre die Geschäfte des Vereins. Die Mitglieder forderten auf ihrer Sitzung unter anderem die Einrichtung einer juryunabhängigen „Kleinen Förderung“. Der neue Vorstand will in den kommenden Monaten dazu erste Gespräche mit den zuständigen Institutionen aufnehmen. „Eine Stärke freier Produktionen ist ihre Flexibilität und Aktualität. Dem trägt die derzeitige jährliche Projektförderung in keiner Weise Rechnung.“ so Alexander Pinto, neuer Vorsitzender des Vereins. Die „Kleine Förderung“ (bis max. 5.000 Euro pro Projekt) wäre ein effektives und wirkungsvolles Instrument, Hamburgs freie Theaterschaffende und den hier ausgebildeten Nachwuchs bei kleineren Produktionen nachhaltig zu unterstützen.
Die Stadt Hamburg fördert freie Tanz- und Theaterproduktionen jährlich mit 406.000 Euro. In der kommenden Spielzeit 08/09 erhalten 22 Projekte eine Förderung der Kulturbehörde. Insgesamt lagen den beiden Auswahljurys Tanz und Theater in diesem Jahr 71 Projektanträge mit einem Gesamtvolumen von ca. 1,6 Millionen Euro vor. Damit bestätigt sich der Trend aus dem Vorjahr, dass nur knapp ein Drittel der beantragten Projekte überhaupt gefördert werden kann. „Hamburg leistet sich als Kulturmetropole eine Menge. Eben nur keine lebendige und vielfältige freie Theaterszene. Das wollen wir ändern!“ macht Alexander Pinto die Zielsetzung der zukünftigen Arbeit des Vorstandes deutlich.
Der Dachverband freier Theaterschaffender Hamburg ist der Zusammenschluss der professionellen freien darstellenden Künstler Hamburgs und vertritt deren Interessen gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit. Er ist Mitglied im Bundesverband Freier Theater und arbeitet ehrenamtlich.
http://www.freie-theater-hamburg.info