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Musiktheaterfestival «Oper Oder-Spree» mit 16 Veranstaltungen +++ Die Wagner-Festspiele mit Neuinszenierung von «Der Fliegende Holländer» +++ Ausstellung zu den Festspielen in Bayreuth +++ Weniger Plätze und Vorstellungen zu Schweriner Schlossfestspielen 2004
Musiktheaterfestival «Oper Oder-Spree» mit 16 Veranstaltungen
Neuzelle (ddp-lbg). Mit Mozarts Opernfragment «Die Gans von Kairo» wird am 31. Juli das Musiktheaterfestival «Oper Oder-Spree» in Ostbrandenburg eröffnet. Bis 17. August stehen insgesamt 16 Veranstaltungen in Neuzelle, Beeskow und Sauen auf dem Programm, kündigten die Veranstalter am Montag an. Zu den Highlights gehören eine festliche Operngala am 16. August auf Burg Beeskow und am 17. August im Stift Neuzelle. In Kooperation mit dem Lausitzer Opernsommer gibt es die Aufführung von Haydns «La vera costanza» in Neuzelle.
Das Opernfragment «Die Gans von Kairo» wurde nach Angaben der Veranstalter mit Arien aus Mozarts ebenfalls fragmentarisch hinterlassener Oper «Der gefoppte Bräutigam» zu einem abendfüllenden Werk erweitert. Regie führt Cornelia Just, Fausto Nardi leitet das Neue Bulgarische Sinfonieorchester aus Sofia.
Veranstalter des Festivals sind die Stiftung Stift Neuzelle und die Burg Beeskow. Anliegen ist es, insbesondere junge Künstler aus Osteuropa zu fördern. Mehr als die Hälfte der fast 100 Mitwirkenden kommt in diesem Jahr aus osteuropäischen Staaten. Schirmherr des Festivals ist Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU).
Die Wagner-Festspiele mit Neuinszenierung von «Der Fliegende Holländer»
Bayreuth (ddp-bay). In wenigen Tagen wird Bayreuth - neben Salzburg - wieder zum Mittelpunkt der Musikwelt: Am Freitag beginnen die 92. Richard-Wagner-Festspiele. Und wie schon im Jahr zuvor, wird es auf dem Grünen Hügel wohl eher ruhig zugehen. Wolfgang Wagner hat seine Kritiker zwar nicht zum Verstummen gebracht, doch die Debatte um seine Nachfolge liegt auf Eis. Statt dessen sorgte der 83-Jährige mit der Berufung neuer Regisseure für Überraschungen und Gesprächsstoff: Bürgerschreck Christoph Schlingensief («Parsifal») und Filmemacher Lars von Trier («Der Ring des Nibelungen») werden ausgerechnet in der Gralsburg Bayreuth zum ersten Mal Opern-Regie führen. Allerdings erst 2004 und 2006.
Zurzeit konzentriert sich alles auf die Premiere des «Fliegenden Holländers» und damit auch auf Regisseur Claus Guth. Der 39-Jährige hat sich als Opern-Fachmann längst einen Namen gemacht. Salzburg, Zürich, Hamburg und München gehören zu seinen Stationen, und mit dem Hügel-Debüt legt er nun seine vierte Wagner-Inszenierung vor. Bühnenbild und Kostüme stammen von Christian Schmidt, mit dem Guth seit langem zusammenarbeitet. Zum ersten Mal am Bayreuther Pult steht auch Dirigent Marc Albrecht, der im Team mit Guth und Schmidt 2001 Peter Ruzickas «Celan» in Dresden zur Uraufführung brachte.
Hügel-Veteran John Tomlinson übernimmt im «Holländer» die Titelpartie. Der Engländer sang lange Jahre den Wotan und zuletzt 2002 einen umjubelten Hagen in Jürgen Flimms «Götterdämmerung». Zum ersten Mal bei den Festspielen sind Adrienne Dugger als Senta und Jaakko Ryhänen in der Rolle des Daland zu hören.
«Der Fliegende Holländer» ist vielleicht das populärste Werk Richard Wagners und fällt (wie das «Rheingold») allein wegen seiner Kürze von zweieinhalb Stunden aus dem üblichen Festspiel-Rahmen. Wolfgang und Wieland Wagner brachten die romantische Oper nacheinander in den 50er Jahren auf die Bühne, 1966 führte August Everding Regie. Aufsehen erregend war Harry Kupfers «Holländer» im Jahr 1978. In Bayreuth sah man das Werk zuletzt vor vier Jahren in der Deutung von Dieter Dorn.
Teil zwei im Reigen der Eröffnungspremieren bildet der «Tannhäuser». Philippe Arlaud erntete für seine Neuinszenierung im letzten Jahr heftige Kritik und kündigte für 2003 einige Änderungen an. Dirigent ist Christian Thielemann, der sich inzwischen als feste Größe in Bayreuth etabliert hat. Ins vierte Jahr geht Jürgen Flimms Version des «Ring des Nibelungen» unter der musikalischen Leitung von Adam Fischer. Zum letzten Mal steht in diesem Jahr der «Lohengrin» in der Regie des Briten Keith Warner auf dem Programm. Startenor Peter Seiffert, der sich vor kurzem in der Münchner «Walküre» in Hochform präsentierte, übernimmt wie im Jahr zuvor die Titelpartie. Das Festspielorchester leitet Sir Andrew Davis.
Trotz Wirtschaftskrise und Konsumverdrossenheit ist das Interesse an den Bayreuther Festspielen ungebrochen. Die Nachfrage überstieg das Kartenangebot um fast das Zehnfache. Wer seine Bestellung jedes Jahr losschickt, wartet demzufolge mindestens neun Jahre auf den begehrten Einlass ins Festspielhaus.
Nach 30 Aufführungen enden die Festspiele am 28. August mit dem «Tannhäuser». Nur ein paar Tage später wird Wolfgang Wagner, der immerhin als Regisseur in den Ruhestand trat, seinen 84. Geburtstag feiern. Und wenn alles nach (seinem) Plan läuft, bleibt es in Bayreuth noch lange beim Alten. Abgesehen davon, dass Christoph Schlingensief im nächsten Jahr endlich wieder für einen Theater-Skandal sorgen könnte.
http://www.bayreuther-festspiele.de
Ausstellung zu den Festspielen in Bayreuth
Bayreuth (ddp-bay). Unter dem Titel «Der Mythos des Erlösers» findet zu den diesjährigen Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth eine begleitende Ausstellung statt. Die vom Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen konzipierte Schau, die am Montag im Neuen Rathaus eröffnet wurde, versammelt Objekte internationaler Leihgeber. Gezeigt werden vor allem Werke der bildenden Kunst aus dem Historismus und dem Jugendstil. «Der Mythos des Erlösers - Richard Wagners Traumwelten und die deutsche Gesellschaft 1871-1918» ist bis zum 30. August geöffnet. Die Festspiele starten am Freitag.
Die Ausstellung biete einen «in dieser Komplexität bisher seltenen Einblick in die Ideenwelt Richard Wagners und seines sozialen, kulturellen und politischen Umfelds», sagte der Direktor des Preußen-Museums, Veit Veltzke. Die Präsentation, die durch Exponate aus dem Richard-Wagner-Museum Bayreuth ergänzt wird, war bereits in Minden und Wesel zu sehen.
Weniger Plätze und Vorstellungen zu Schweriner Schlossfestspielen 2004
Schwerin (ddp-nrd). Zu den Schlossfestspielen 2004 wird das Mecklenburgische Staatstheater deutlich weniger Plätze und Vorstellungen anbieten als in diesem Jahr. Voraussichtlich werden nur knapp 50 000 Eintrittskarten in den Verkauf gebracht und die Spielzeit für den in italienischer Sprache aufgeführten «Maskenball» von Giuseppe Verdi um eine Woche verkürzt, wie Generalintendant Joachim Kümmritz am Sonntag nach der letzten Vorstellung des diesjährigen Opern-Projekts «Don Carlos» von Verdi in Schwerin sagte. Die Premiere finde nicht wie bisher angegeben am 12. Juni 2004, sondern erst am 18. Juni statt. Eine Sprecherin des Theaters kündigte zudem eine dritte, zusätzliche Preiskategorie mit «billigeren Billetts» an.
Die insgesamt 27 Vorstellungen des vom Schweriner Ex-Opernintedanten Werner Saladin in Szene gesetzten «visuellen Opern-Theaters» hatten entgegen den Erwartungen des Schweriner Theaters nur etwa 47 000 Opernfreunde gesehen. Als einen Hauptgrund dafür machte Kümmritz «eindeutig die allgemeine wirtschaftliche Situation, Verunsicherung und mehr Sparsamkeit der Leute» verantwortlich. Zudem hatten die Theaterleute in diesem Jahr mit mehr Regentagen und kühlerer Witterung zu kämpfen.
Dennoch zeigte sich der Generalintendant mit dem künstlerischen und finanziellen Ergebnis zufrieden. Die Zuschauerzahlen hätten sich in der gleichen Höhe wie 1999 bei der legendären «Aida»-Inszenierung bewegt. Das sei noch immer ein gutes Ergebnis. Außerdem schreibe das Theater in der Gesamtsituation schwarze Zahlen.
Auch Saladin zeigte sich erfreut, dass trotz des teilweise widrigen Wetters keine Vorstellung abgesagt werden musste. «Die Arbeit und das Produkt, so wie es war, konnten sich von der ersten bis zur 27. Vorstellung sehr wohl sehen lassen», sagte der Regisseur. Als zweiter Teil des diesjährigen Schweriner Schlossfestspiele hat am 1. August 2003 das Schauspiel «Das große Welttheater» von Pedro Calderon de la Barca in der Regie von Ingo Waszerka Premiere. Die Premiere sowie die weiteren Vorstellungen im Innenhof des Schweriner Schlosses beginnen jeweils um 21 Uhr. Gespielt wird bis zum 24. August jeweils Mittwoch bis Samstag.
Karten für den «Maskenball» im nächsten Jahr sind bereits ab dem 1. September 2003 im Mecklenburgischen Staatstheater zu haben.
http://www.theater-schwerin.de