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Queen will Trompeter Ludwig Güttler zum Ehren-Offizier ernennen +++ Hannes Schmidt ist wieder Direktor der Staatskapelle Halle +++ Marburger Oberspielleiter und IM der Stasi, Peter Radestock, wird pensioniert


Queen will Trompeter Güttler zum Ehren-Offizier ernennen
Dresden (ddp). Der Dresdner Star-Trompeter Ludwig Güttler soll zum Ehren-Offizier des British Empire ernannt werden. Nach übereinstimmenden Zeitungsberichten will der künftige britische Botschafter in Deutschland, Sir Michael Arthur, im Namen von Queen Elisabeth II. dem Musiker am 27. November in Dresden den undotierten Ritterorden verleihen.
Anlass ist das Engagement Güttlers für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche und die Versöhnung von Deutschen und Briten, wie die «Sächsische Zeitung» und die «Dresdner Neuesten Nachrichten» am Dienstag berichteten. Güttler hatte sich maßgeblich für den Wiederaufbau der Kirche eingesetzt und dafür unter anderem das Bundesverdienstkreuz erhalten.


Hannes Schmidt ist wieder Direktor der Staatskapelle Halle
Mit Beginn der Saison 2007-2008 kehrt Hannes Schmidt als Direktor der Staatskapelle Halle in sein Amt zurück. Schmidt war im März 2006 von der damaligen halleschen Oberbürgermeisterin entlassen worden. Eine Entscheidung der Schiedsstelle des Deutschen Bühnenvereins setzte Schmidts Kündigung jedoch außer Kraft und bestätigte seinen Vertrag.
Hannes Schmidt, der 2001 von Wolf-Dieter Hauschild als Intendant des damaligen Philharmonischen Staatsorchesters Halle berufen wurde, hat sich maßgeblich für die Fusion des Philharmonischen Staatsorchesters und des Orchesters der Oper Halle zur Staatskapelle Halle engagiert. Mit der Gründung der Staatskapelle Halle ist eines der größten Orchester Deutschlands entstanden, das in ganz Sachsen-Anhalt, Deutschland, Österreich und der Schweiz über 160 Konzerte pro Saison veranstaltet, die in der letzten Saison von über 80.000 Musikfreunden besucht wurden.
Quelle: http://www.staatskapelle-halle.de
s. auch: „Staatskapelle Halle: ein Orchester etabliert sich“ in nmz 2007-2


Marburger Oberspielleiter und IM der Stasi, Peter Radestock, wird pensioniert
Marburg (ddp-hes). Dass er anderen Schauspielern geschadet hat, behauptet heute niemand mehr. Trotzdem hat ihn die «totale moralische Verfehlung», wie er sie selbst nennt, bis heute nicht losgelassen. Der scheidende Marburger Oberspielleiter Peter Radestock war elf Jahre lang Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der ehemaligen DDR-Staatssicherheit. «Damit habe ich mir mein späteres Weiterkommen versaut», sagt der 63-Jährige, der am 1. September in Rente geht. In der Tat wäre er ohne die Stasi-Mitarbeit längst wieder oder noch Intendant eines deutschen Theaters.

Der begabte Arbeitersohn aus Leipzig hat eine steile Karriere in der ehemaligen DDR gemacht. Nach Engagements in Leipzig, Gera und Chemnitz wurde er Schauspieldirektor am Rostocker Volkstheater und schließlich Intendant der städtischen Bühnen von Plauen, eines Drei-Sparten-Hauses. 1992 wechselte er dann als Oberspielleiter an das Marburger «Provinztheater», wie Radestock es nennt. Grund war nicht nur die Neugierde auf den Westen. Die meisten Intendanten der Ex-DDR waren abgesetzt worden. «Ich fürchtete damals, dass mich das früher oder später auch ereilen wird», sagt Radestock.

Dass er einst als IM Hein über Kollegen berichtet hatte, behielt er zunächst für sich. Stattdessen staunte er, wie er sagt, gemeinsam mit seinem als Intendant an die Lahn gewechselten Freund Ekkehard Dennewitz über die miserablen Arbeitsbedingungen von Schauspielern im Westen. Und die beiden verhalfen dem Marburger Theater zu einem ungeahnten Aufschwung. Die Zahl der Abonnenten vervierfachte sich. Es wurde wieder schick, ins Theater der Universitätsstadt zu gehen.

Den Höhepunkt in der Zuschauergunst erreichte die Landesbühne Mitte der 90er Jahre - jener Zeit, als Radestock als auch Dennewitz und ein weiterer Schauspieler als Stasi-Mitarbeiter enttarnt wurden. Dennewitz wurde nach einer Einzelfallprüfung durch den ehemaligen Bundesjustizminister Gerhard Jahn entlastet und durfte Intendant bleiben.

Radestock trat als Oberspielleiter zurück: «Das war mein Weg, dafür die Verantwortung zu übernehmen», sagt er im Rückblick. Bereits vor der Wende hatte er die Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit abgebrochen, die ihn 1977 nach einer Prügelei mit einem Kollegen angeworben hatte. Mit den überwachten Schauspielern sprach er erst Mitte der 90er Jahre. Belastendes wurde bei der Durchsicht seiner Akte nicht bekannt. Dass er versucht habe, die Bespitzelten zu schützen, bestätigt sogar sein einstiges Opfer Jörg Kaehler, mit dem er 1998 eine ungewöhnliche Kooperation einging. In der Komödie «Die Sternstunde des Josef Bieder» wirkte Kaehler als Regisseur, Radestock als Akteur.

Dies war einer der Gründe, warum der Aufsichtsrat Radestock drei Jahre später wieder als Oberspielleiter empfahl. Zudem habe er während der Wendezeit als Intendant das Theater Plauen zum öffentlichen Forum der demokratischen Auseinandersetzung mit den alten Machtverhältnissen gemacht, hieß es.

Radestock hatte eigentlich nur wenige Jahre in der Stadt an der Lahn bleiben wollen. Inzwischen hat er sich mit seiner Frau sogar eine alte Hofreite im Dorf Rauischholzhausen gekauft. Ein Wechsel an eine andere Bühne war nach dem Outing als IM nicht mehr möglich. Das Osnabrücker Theater, das ihn als Intendanten engagieren wollte, hatte nach der Enttarnung kein Interesse mehr.

Politisch hat sich das ehemalige SED-Mitglied nie wieder engagiert. «Die Wunden waren zu groß», sagt Radestock, der sich aber bis heute als Linker versteht.

Als Regisseur will er am liebsten Geschichten erzählen, die Menschen wach machen. Als Schauspieler habe er eine Neigung, «den Menschen ein bissel gedankenlose Freude zu bringen». Kabarett, Komödien und Kleinkunst liegen Radestock.

Offiziell nimmt er nun am 1. September seinen Hut. Allerdings ist er in der kommenden Spielzeit noch mit mehreren Inszenierungen zu sehen. Die Freilichtaufführungen vor Schloss Rauischholzhausen bleiben in seiner Hand.