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28.9.: theater und literatur aktuell +++ theater und literatur

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Berlin: Armin Petras will «Stadttheater für Berlin» +++ Berlin: Woelffer sieht Zukunft der Ku\'damm-Bühnen vorsichtig optimistisch +++ Frankfurt: Dänische Lyrikerin Christensen erhält Siegfried Unseld Preis +++ Berlin: Jakob Hein stellt «Gebrauchsanweisung für Berlin» vor +++ Greifswald: Wegehaupt stellt seinen «geheimen» Roman «Die Insel» vor


Berlin: Armin Petras will «Stadttheater für Berlin»
Berlin (ddp-bln). Neu-Intendant Armin Petras will das traditionsreiche Berliner Maxim Gorki Theater zu einem «Stadttheater für Berlin» entwickeln. «Ich war früher ein Gegner und ein Aggressor gegen das deutsche Stadttheater-System. Ich habe die Seiten gewechselt», sagte Petras der Nachrichtenagentur ddp. Er habe es als verstaubt und verödet wahrgenommen. Heute sei Theater einer der letzten sozialen Orte, wo es ein Gespräch geben könne. Am Freitag startet das Gorki-Theater mit einem Marathon auf verschiedenen Bühnen in seine erste Spielzeit unter dem 42-jährigen Petras. Der Berliner Senat finanziert das Haus mit knapp 500 Plätzen mit 8,3 MillionenEuro jährlich.
Das Gorki-Theater habe nicht «das große Geld», um die großen angesagten Regisseure wie Rene Pollesch, Stefan Pucher oder Michael Thalheimer zu bezahlen. «Das betrachte ich aber auch als Chance», sagte Petras. «Wir arbeiten jetzt mit jungen Regisseuren, die noch eine Generation jünger sind als ich.» Es sei ihm aber auch gelungen, bekannte Regisseure wie Jan Bosse und Stefan Bachmann für Projekte zu verpflichten. «Ich brauche Regisseure, die ein kluges, bürgerliches Theater machen und die Schauspieler auch voranbringen», sagte Petras, der unter dem Pseudonym Fritz Kater auch als Dramatiker erfolgreich ist.
Im Spielplan der neuen Spielzeit soll es sehr viel zeitgenössisches Theater geben. «Auf der Studiobühne sind ein ganzes Jahr lang nur lebende Autoren zu sehen. Das ist einzigartig», sagte der Intendant. Auf der großen Bühne werde der Romancier Maxim Biller mit der Uraufführung von «Menschen in falschen Zusammenhängen» zu sehen sein. Ob er selbst als Fritz Kater weiter schreiben wird, ließ der Regisseur und Neu-Intendant offen. «Das Schreiben ist quasi mein Hobby. Ich muss sehen, ob ich dazu weiter Zeit haben werde.»
Petras studierte Regie in Ostberlin, siedelte 1988 nach Westberlin über und arbeitete danach als Regieassistent in Frankfurt am Main und München. Nach Engagements in Frankfurt (Oder), Chemnitz, Leipzig und Nordhausen war er bis 2002 Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel.

Berlin: Woelffer sieht Zukunft der Ku\'damm-Bühnen vorsichtig optimistisch
Berlin (ddp-bln). Theaterdirektor Martin Woelffer sieht die Zukunft der Komödie und des Theaters am Kurfürstendamm vorsichtig optimistisch. «Das Theater ist noch nicht gerettet», sagte Woelffer am Mittwoch in Berlin. Doch die Gespräche mit dem Eigentümer des Gebäudes, einer Tochter der Deutschen Bank, liefen in einem guten Ton. «Wir wissen aber noch nicht, wo das hinführt», sagte Woelffer. Zunächst seien die Mietverträge für beide Bühnen bis zum 30. Juni 2007 verlängert worden. Über die weiteren Inhalte der Gespräche sei Stillschweigen vereinbart worden.
Senior-Chef Jürgen Woelffer betonte, das Theater sei das bestbesuchte und größte Sprechtheater in Berlin. Darüber hinaus spiegele das Gebäude ein Stück Berliner Geschichte wider, habe viele Höhen und Tiefen erlebt. Zu einem möglich Abriss sagte er, ein Gebäude könne man wieder herstellen - «aber nicht die Atmosphäre und Geschichte».
Mit der letzten Aufführung der Komödie «Männerhort» feiert das 1921 eröffnete Theater am Ku\'damm am 8. Oktober seinen 85. Geburtstag. Auf der anschließenden Party werden nach Angaben des Theaterchefs zahlreiche Weggefährten erwartet, darunter auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).
Als Dank für die Unterstützung durch die Berliner verlost das Theater am Kurfürstendamm zudem jeweils 85 Mal zwei Eintrittskarten für die Stücke «Der Gast» und «Der Menschenfeind». Die ersten 170 Anrufer am 8. Oktober ab 14.00 Uhr unter der Telefonnummer (030) 88 59 11 88 gewinnen.

Frankfurt: Dänische Lyrikerin Christensen erhält Siegfried Unseld Preis
Frankfurt/Main (ddp). Die dänische Lyrikerin Inger Christensen erhält am Donnerstag (19.30 Uhr) den mit 50 000 Euro dotierten Siegfried Unseld Preis. Die Auszeichnung der Siegfried Unseld Stiftung wird in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben. Erster Träger war 2004 der Schriftsteller Peter Handke.
Mit der 71-jährigen Christensen ehrt die Stiftung nach eigenen Angaben eine «große Vertreterin der abstrakten Moderne der europäischen Poesie».
Zur der Preisverleihung im Frankfurter Schauspiel werden Prinzessin Benedikte zu Dänemark und Dänemarks Botschafter in Berlin, Carsten Sondergaard, erwartet. Die Laudatio wird Durs Grünbein halten.
Der verstorbene Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld und seine Frau Ulla Unseld-Berkéwicz hatten die Stiftung 2002 ins Leben gerufen, um «Wissenschaft und Kunst in allen Bereichen literarischen Schaffens» zu fördern. Der von der Stiftung vergebene Preis wird alle zwei Jahre jeweils am 28. September, dem Geburtstag von Siegfried Unseld, verliehen.

Berlin: Jakob Hein stellt «Gebrauchsanweisung für Berlin» vor
Berlin (ddp-bln). Der Schriftsteller Jakob Hein stellt am Donnerstag in Berlin sein soeben erschienenes Buch «Gebrauchsanweisung für Berlin» vor. Zur Präsentation wird ins Kulturkaufhaus Dussmann geladen, wie ein Sprecher des Verlages Piper ankündigte.
Jakob Hein wurde 1971 in Leipzig als Sohn des Schriftstellers Christoph Hein geboren und arbeitet heute als Arzt in Berlin. In diesem Jahr erschien von ihm bereits «Herr Jensen steigt aus».
In der «Gebrauchsanweisung für Berlin» berichtet der Autor vom Leben im schicken Regierungsviertel genauso wie über die vermeintlich angesagten Szenekneipen rund um den Kollwitzplatz. Hein beschreibt, was sich hinter der «Berliner Schnauze» verbirgt und erklärt, warum Berlin nicht eine, sondern eigentlich «viele Städte» ist. Zudem erläutert er, warum der Berliner die vielen kulturellen Angebote seiner Stadt eher selten nutzt und weshalb der Savignyplatz in Charlottenburg nie wieder so schön wird, wie er vor dem Fall der Mauer war.
Die Lesung mit Jakob Hein beginnt um 18.00 Uhr im Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße in Mitte. Der Eintritt ist frei.

Greifswald: Wegehaupt stellt seinen «geheimen» Roman «Die Insel» vor
Greifswald (ddp-nrd). Der Usedomer Maler Matthias Wegehaupt stellt am 6. Oktober im Greifswalder Koeppenhaus seinen Roman «Die Insel» vor. Das seit 1970 als «geheimes Tagebuch» geschriebene Buch stelle fesselnde Geschichten und Schicksale aus 40 Jahren deutscher Geschichte vor, teilte das Literaturzentrum Vorpommern am Mittwoch mit.
Matthias Wegehaupt, der 1938 in Berlin geboren wurde und in Ückeritz auf Usedom aufwuchs, war bislang vor allem als Maler bekannt. Für sein Romandebüt war er von der Kritik als großartiger Erzähler gelobt worden. Zwischen 1970 und 1989 hatte Wegehaupt jeden Tag auf einer Seite die Geschehnisse auf der Insel Usedom und in der Diktatur des DDR-Staates dokumentiert. Die insgesamt 3000 Manuskriptseiten, die der Maler seinerzeit unter den Dielen seines Ateliers vor der Staatsmacht versteckte, sollten eigentlich nie veröffentlicht werden.
http://www.koeppenhaus.de

Köln: Schau erinnert an Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann
Köln (ddp-nrw). Eine Ausstellung in den Kölner Rhenania Hallen erinnert ab Donnerstag an Leben und Werk des Schriftstellers Rolf Dieter Brinkmann. Die Schau solle die Widersprüchlichkeit zeigen, mit der die kulturelle Öffentlichkeit Autoren wie Brinkmann und anderen Popliteraten begegne, erklärten die Initiatoren am Mittwoch. Zum einen sei das Werk des Kölner Schriftstellers Bestandteil des literarischen Kanons und Schullektüre, zum anderen gelte er auch heute noch als Vertreter des Undergrounds.
Bis zum 19. November präsentiert die Ausstellung Rolf-Dieter Brinkmann als Schriftsteller, Collagisten und als «Katalysator für die Verbreitung der aus dem angloamerikanischen Kulturkreis stammenden Ideen von Beat/Pop und Underground», hieß es weiter.
Die Ausstellung ist freitags von 18.00 bis 22.l00 sowie Samstag und Sonntag von 12.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Zudem werden sich Lesungen, Filme und Performances an verschiedenen Orten in Köln thematisch mit dem Popliteraten Brinkmann auseinandersetzen.
Der Schriftsteller hatte sich in den 60er Jahren einen Namen als Underground-Lyriker gemacht. Sein Gedichtband «Westwärts 1 & 2» gilt als eines der wichtigsten deutschen Bücher der 70er Jahre. Brinkmann starb am 23. April 1975 erst 35-jährig bei einem Autounfall in London. Für seine Werke wurde er posthum 1975 mit dem Petrarca-Preis ausgezeichnet.
Das Zitat »Außerordentlich und obszön«, das der Schau den Titel gibt, stammt aus einer Rezension von Marcel Reich-Ranicki über den Brinkmann-Roman »Keiner weiß mehr« aus dem Jahr 1968.