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Berliner Schlossparktheater vor der Abwicklung +++ Freiberg: Gotteshaus wird als Konzert- und Tagungsstätte wieder eröffnet
Berliner Schlossparktheater vor der Abwicklung
Berlin (ddp-bln). Mit viel Beifall und Bravorufen ist am Sonntagabend Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" am Berliner Schlossparktheater aufgenommen worden. Es war die vermutlich vorletzte Premiere der 1995 begonnenen Ära von Intendant Heribert Sasse an dem Haus. Besonders gefeiert wurden Kristina Bangert in der tragischen Rolle der Marianne und Sasse als ihr Vater. Sasse ist gemeinsam mit dem Feuilletonisten Helmut Schödel Regisseur des Volksstücks.
Offensichtlich hat sich die Theaterleitung mit der Streichung der Senatszuwendungen ab 2003 abgefunden und strebt die planmäßige Abwicklung und die Begleichung aller Verbindlichkeiten an. Dazu sei aber die Bühne aus eigener Kraft nicht im Stande, sagte Theater-Geschäftsführer Frank Wiesniewski. Es seien Abfindungen für Mitarbeiter zu zahlen, die sieben Jahre lang beschäftigt sind. Zudem sei ein Kredit über eine Million Euro abzubezahlen, und der gültige Pachtvertrag sei entsprechend den Optionen bis 2009 verlängert worden.
Angestrebt werde mit der Kulturverwaltung eine gütliche Einigung. Komme sie zu Stande, beende die Bühne ihre künstlerische Tätigkeit voraussichtlich am 6. Juli. Anderenfalls werde ab Ende August weiter gespielt und gegen den Senat Klage erhoben. Rechtsanwalt Peter Raue, der zu den Premierengäste gehörte, solle das Theater gegenüber dem Senat vertreten.
Am 22. Mai kommt am Schlossparktheater noch "Novento - die Legende vom Ozeanpianisten" von Alessandro Bariccio mit Bernd Jeschek heraus, inszeniert von Michael Gamper und mit der Musik von Renald Deppe.
Freiberg: Gotteshaus wird als Konzert- und Tagungsstätte wieder eröffnet
Freiberg (ddp-lsc). Die Bergstadt Freiberg ist um eine kulturelle Attraktion reicher. Am Donnerstag wird mit einem Konzert der Mittelsächsischen Philharmonie die frühere Nikolaikirche als Konzert- und Tagungsstätte eröffnet. Auf dem Programm stehen Carl Maria von Webers Ouvertüre "Beherrscher der Geister", Mozarts Klavierkonzert C-Dur und Mahlers 1. Sinfonie. Damit erhält die Bergstadt ein eigenes Konzerthaus. Bisher spielte das traditionsreiche Bühnen- und Sinfonieorchester im mehr als 200 Jahre alten Stadttheater, dem ältesten noch bespielten bürgerlichen Theater im deutschsprachigen Raum.
Die Nikolaikirche gehört nach Einschätzung von Kulturamtsleiter Andreas Schwinger zu den "bemerkenswertesten Baudenkmälern" der im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnten Bergstadt. Um 1180 war Baubeginn für das Gotteshaus der Handwerker im Nikolaiviertel. Die Handwerkerschaft spielte als Zulieferer für den Bergbau, der Freiberg zu einer reichsten Städte Obersachsens machte, eine gewichtige Rolle. Um 1200 war bereits ein prächtige Kirche entstanden, von der die beiden Nordtürme bis heute erhalten blieben. 1386 und 1464 fiel das Gotteshaus Stadtbränden zum Opfer.
Der heutige spätgotische Neubau entstand bis 1530. Der Dresdner Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel gestaltete den Sakralbau von 1750 bis 1753 in barockem Stil um. 1849 errichtete der Leipziger Orgelbaumeister Johann Gottlob Mende eine neue Orgel. Von dieser blieb nur der Prospekt erhalten, weil die Gemeinde das Instrument 1976 an die Wismarer Nikolaigemeinde verkaufte. Zu diesem Zeitpunkt gab es für die Kirche bereits keinen Bedarf mehr, sie wurde säkularisiert und 1974 an die Stadt verkauft. Von da an fristete das Gotteshaus ein trauriges Dasein. Die erwogene Nutzung als Kindertagesstätte oder Bibliothek kam nie zustande.
Nach der Wende entschied die Stadt über ein "zweites Leben" der Nikolaikirche. 1990 bis 1994 erfolgte die Sanierung der Außenfassade, seit 1997 der Innenausbau. Sechs Millionen Euro ließ sich Freiberg den Umbau kosten, wobei es 75 Prozent Förderung von Bund und Land gab. Je nach Bestuhlung bietet die frühere Kirche Platz für 550 bis 800 Besucher. Neben musikalischen Veranstaltungen sind auch Tagungen, Kongresse und Versammlungen geplant, eine Funktion die Kirchen schon hatten, bevor sie fast ausschließlich für Gottesdienste genutzt wurden. Der Veranstaltungsplan bis Jahresende 2002 liege bereits vor, betont der Kulturamtsleiter. Zu den Höhepunkten zählt die für den Sakralbau konzipierte Aufführung von Hugo von Hofmannsthals Spiel "Jedermann", das bis zu den Bühnenferien insgesamt acht Mal zur Aufführung kommt. Am 20. Juni ist ein weiteres Sinfoniekonzert mit Werken von Sibelius, Nielsen und Grieg vorgesehen. Musikalische Gastspiele, Weihnachtskonzerte, Lesungen und erste Tagungen runden das Programm ab.
Ziel ist es Schwinger zufolge, dass sich das Veranstaltungs- und Tagungsprogramm selbst trägt. Gern würde die Stadt die Verantwortung für das Konzert- und Versammlungshaus an das Mittelsächsische Theater übergeben. Schließlich liegt die ehemalige Kirche direkt gegenüber dem Stadttheater. Zum Jahresanfang 2003 könnte sich der Trägerwechsel vollziehen. Aber das letzte Wort sei darüber noch nicht gesprochen, erläutert der Kulturamtschef. Auch eine Orgel soll es wieder geben. Dazu braucht die Stadt Spenden von rund einer Million Euro.
Mit der Eröffnung der Nikolaikirche als Veranstaltungsort will Freiberg seine Position als "kleines Kulturzentrum" festigen. Mit dem "großen Dresden" will man nicht konkurrieren. Doch im Rahmen ihrer Möglichkeiten bietet die Stadt weit mehr als vergleichbare Kommunen. Aushängeschild bleibt das Drei-Sparten-Theater, an dem neben Stadt und Landkreis Freiberg auch die Stadt Döbeln beteiligt ist. Und das soll auch so bleiben. Trotz wie überall leerer kommunaler Kassen, hofft Schwinger, müsse das kulturelle Angebot auch in Zukunft nicht reduziert werden.