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29.9.: oper und konzert aktuell +++ oper und konzert

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Frankfurter Oper ist "Opernhaus des Jahres" +++ Oper "Im Westen nichts Neues" uraufgeführt +++ Skandalregisseur für "La Traviata" bejubelt +++ Quasthoff freut sich aufs Wiener Opernpublikum


Frankfurter Oper ist "Opernhaus des Jahres"
Das Opernhaus in Frankfurt am Main ist in einer Kritikerumfrage zum "Opernhaus des Jahres" gekürt worden. Wie die Zeitschrift "Opernwelt" in ihrem jetzt erschienenen Jahrbuch mitteilt, siegte die Frankfurter Oper unangefochten mit 17 Kritiker- Voten.
Sebastian Weigle wurde für sein Dirigat der "Frau ohne Schatten" zum "Dirigenten des Jahres" gewählt. Auf Platz zwei der Opernhäuser liegt Hannover. "Aufführung des Jahres" ist "Rinaldo" von Nigel Lowery und René Jacobs (Montpellier, Innsbruck und Berlin).
Quelle: orf

Oper "Im Westen nichts Neues" uraufgeführt
Die Osnabrücker Uraufführung der weltweit ersten Opernfassung von Remarques "Im Westen nichts Neues" verzichtete am Sonntagabend auf aufwändige Schlachtengemälde, zeigte aber die Zerrissenheit der Kriegsopfer. Das Publikum feierte die mutige Interpretation des Werks der in Österreich lebenden Amerikanerin Nancy Van de Vate mit gut viertelstündigem Applaus.
Es ist ein weiter Weg von der Vorlage des wohl berühmtesten Anti-Kriegs-Romans des Osnabrückers Erich Maria Remarque zu dem psychologischen Drama der dreiaktigen Opernfassung. Mehr und mehr verwischen die Grenzen des Realen, meisterhaft leiten Musik und Inszenierung vom Alltag zum Krieg über: Das Altenheim auf der Bühne wird mehr und mehr zum Schlachtfeld - ein beklemmendes, fast surreales Spiel mit der Szenerie und der Fantasie der Zuschauer. Und dafür benötigt Regisseur und Operndirektor Thomas Münstermann weder Uniformen noch Gewehre oder Stahlhelme.
"Wir haben eine ganz andere Idee kultiviert", schildert er seine Vision. "Wir kennen alle diese älteren Herren, die sich an den Krieg erinnern. Bäumers Erinnerungen ergreifen von der Heimrealität Besitz." Ebenso beklemmend untermalt die Musik der 1930 in den USA geborenen und in Österreich lebende Komponistin das scheinbar so unpassende Geschehen: Zu dem Bild des Heimalltags mit gebrechlichen Menschen, Pflegern und Ärzten lässt das Osnabrücker Symphonieorchester unter der Leitung von Hermann Bäumer lautmalerisch Kanonendonner und Maschinengewehrfeuer ertönen.
Die 1989 begonnene und zehn Jahre später vollendete Oper ist nicht streng avantgardistisch, dafür aber emotional, zeitweise sogar schmerzlich schön und melodisch. "Es ist eigentlich schwer, eine Oper über Krieg zu komponieren", kommentiert Van de Vate. "Die Musik könnte zu gespannt werden." Die Amerikanerin erzählt die Geschichte von Paul Bäumer und seinen Freunden in kurzen, prägnanten Episoden: Der Schulmeister, der seine Schüler überredet, in den Krieg zu ziehen, das Treffen mit den französischen Frauen, Pauls Heimaturlaub und seine Bemühungen, den toten Kameraden Katczynski zum Lazarett zu schleppen.
Im Mittelpunkt der neuen Oper um sieben deutsche Schuljungen, die im Ersten Weltkrieg an die Front geschickt werden, steht Hans-Hermann Ehrich (Tenor) in der Rolle des alten Paul Bäumer. Bewegend spielt und singt er die Qual der Erinnerungen des alten Mannes.
Wie die Verfilmungen - darunter die legendäre Version von Lewis Milestone von 1930 - ist die Oper amerikanischer Herkunft. Dies sei kein Zufall, betont Münstermann mit Blick auf den Irak-Krieg: "Es ist gewollt, dass sich eine amerikanische Stimme zu dem Thema Gewalt äußert." Quelle: orf

Skandalregisseur für "La Traviata" bejubelt
Es geht auch ohne Skandal. Schockregisseur Calixto Bieito vergraulte in den vorangegangenen Spielzeiten wegen drastischer Gewalt- und Sexdarstellungen an der Staatsoper Hannover viel Stammpublikum. Dagegen blieb sein neuestes Regie-Werk geradezu harmlos, obwohl es wie erwartet nicht auf Sex-Szenen und viel nackte Haut verzichtet.
In Bieitos Inszenierung der berühmten Oper "La Traviata" von Giuseppe Verdi hat die Hauptfigur meist nichts als knappe Reizwäsche und schwarze Strapse an. Männer tragen Stöckelschuhe und String-Tanga. Einer der zwielichtigen Gestalten bekommt einen Riesen-Gummipenis umgehängt.
Das Publikum nahm die Premiere in der Staatsoper Hannover am Sonntagabend begeistert auf. Als der katalanische Regisseur Bieito auf die Bühne kam, ertönten laute Bravos. Die meisten Zuschauer erhoben sich von den Plätzen. Die wenigen Buh-Rufe gingen im lang anhaltenden Beifall unter, der vor allem auch den Leistungen der Sänger galt.
Die Verdi-Oper "La Traviata", 1853 in Venedig uraufgeführt, schildert die Liebestragödie um die Prostituierte Violetta, deren Tod in den Armen ihres Geliebten Alfredo schon Scharen von Opernfreunden zu Tränen gerührt hat. Bei Regisseur Bieito ist das anders: Seine zeitgenössische Inszenierung verzichtet nicht nur auf Herz-Schmerz und ein opulentes Bühnenbild, sondern auch aufs Sterben.
In Bieitos Schluss-Coup ist die scheinbar todkranke Violetta putzmunter, trickst die Männerwelt aus und lässt den weinenden Alfredo am Ende mit einem höhnischen Lachen zurück.
Die Vergnügungen der halbseidenen Gesellschaft verlegt Bieito in eine Bar im Club-Stil mit gedämpftem Licht und Disko-Kugel. Die Hauptfigur - mit blonder Perücke auf Marilyn Monroe gestylt - windet sich um eine Eisenstange, auf der nackten Haut kleben Geldscheine. Auch über der Bühne hängen große Bilder, auf denen sie sich in Dessous auf einem Sofa räkelt oder mit nacktem Gesäß und Strapsen posiert.
In Bieitos Inszenierung macht sich statt der Verzweiflung über eine unglückliche Liebesgeschichte oft Zynismus breit. Der als Skandalregisseur geltende Spanier will auf keinen Fall eine schwache Kurtisane mit Liebeskummer zeigen, sondern eine starke Frauenfigur.
Quelle: orf

Quasthoff freut sich aufs Wiener Opernpublikum
Am 8. April 2004 gibt der gefeierte Bassbariton Thomas Quasthoff sein Staatsoperndebüt mit dem Amfortas in Richard Wagners "Parsifal". Verstärkt Opern singen will der 43-Jährige aber, wie er im Interview mit der APA erklärte, "definitiv nicht": "Ich bin Konzertsänger von Beruf, der auch ab und zu ein bisschen in die Oper hineinschnuppert", so Quasthoff, der auf einer Kurztournee mit Hugo Wolfs "Italienischem Liederbuch" ab dem 1. Oktober in Neumarkt, Graz und Wien Station macht.
Bei seinem Debüt an der Staatsoper erwartet er ein Publikum mit "wirklichen Kennern." Im Gegensatz zu Salzburg, wo er bei den Opernfestspielen im vergangenen April sein Operndebüt in Beethovens "Fidelio" gegeben hatte: "Da von einem typischen Opernpublikum zu sprechen, das möchte ich doch mit einem langen Gedankenstrich versehen", so Quasthoff. Es gebe "eine Menge Leute, die zu den Osterfestspielen hinfahren, weil es zum guten gesellschaftlichen Ton gehört. Die reagieren im Grunde genauso, ob da \'Hänschen klein\' auf der Bühne gesungen wird oder klassische Musik. Mit Verlaub gesagt."
Neben einer vollen Gesangs-Professur im deutschen Detmold will der von Kritik und Publikum regelmäßig gefeierte Sänger die Zahl seiner Auftritte eher reduzieren. "Auf meinem Level ist es nicht nötig, jedes Konzert zu singen. Ich tu\'s jedenfalls nicht." Zwischen 40 und 50 Auftritten im Jahr will der gefragte Sänger absolvieren: "Ich möchte auch Zeit haben, neue Dinge zu lernen."
Quasthoff, der häufig für seine feinfühlige Interpretation im Liedgesang und eine hohe Textverständlichkeit gelobt wird, weiß, wie wichtig eine gewissenhafte Vorbreitung ist. Sänger müssten auch Texte, die nicht in ihrer Muttersprache geschrieben sind, fehlerfrei bringen: "Wir sind Vorbilder, wir müssen den junge Leuten zeigen, wie man mit der Sprache umgeht."
Im Opernbereich wird Quasthoff 2004 neben dem "Parsifal" auch in einem konzertanten "Rheingold" (bei den Pfingstfestspieln in Baden-Baden unter Simon Rattle) zu hören sein. 2006 ist ein ebenfalls konzertanter "Fallstaff" mit Franz Welser-Möst in Cleveland geplant.
Quelle: orf
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