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320. Geburtstag und 250. Todestag von Gottfried Silbermann

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Sächsische Orgelbauer pflegen Instrumente von Gottfried Silbermann (1683 - 1753) - Dresdner Orgelstreit noch immer ohne Ergebnis - Am 320. Geburtstag Silbermanns treffen sich Orgelbauer aus Sachsen in der Dresdner Kathedrale zu einem Meinungsaustausch

Dresden (ddp-lsc). Konzerte im Dresdner Palais im Großen Garten bilden am Dienstag den Auftakt für eine Reihe von Veranstaltungen zum Gedenken an Gottfried Silbermann (1683 - 1753). Das Wirken des berühmten sächsischen Orgelbaumeisters wird der Dresdner Musikwissenschaftler Frank Harald Gress skizzieren. Am 320. Geburtstag Silbermanns treffen sich Orgelbauer aus Sachsen in der Dresdner Kathedrale zu einem Meinungsaustausch. In dieser früheren Hofkirche ist die von Silbermann begonnene und 1754 - ein Jahr nach seinem Tod - vollendete Orgel im November 2002 nach einjähriger Restaurierung wieder geweiht worden. Dort findet im Rahmen der Silbermann-Ehrung 2003 auch das Eröffnungskonzert für die Feierlichkeiten zum 250. Todestag des Meisters am 4. August statt.

Mit der Erneuerung des historischen Instruments in der Dresdner Kathedrale waren die renommierten Dresdner Firmen Jehmlich und Wegscheider betraut worden. Die 2714 Pfeifen - die kleinste mit 16 Zentimeter Länge 25 Gramm leicht, die größte 4,90 Meter lang und 90 Kilo schwer - wurden dabei einzeln bearbeitet und auf die originale Tonhöhe zurückgeführt. Während der vergangenen Jahre sind durch sächsische Firmen zahlreiche Orgeln aufwändig restauriert worden.

Der 1808 gegründete Jehmlich Orgelbau Dresden gilt unter Kirchenmusik-Experten als erfahrener Spezialist für die Pflege von Silbermann-Orgeln. Er restaurierte Instrumente des berühmten sächsischen Meisters unter anderem im Freiberger Dom sowie in der Jakobi- und der Petri-Kirche der Bergstadt, in Fraureuth, in Nassau, Niederschöna und anderen sächsischen Ortschaften. Den gleichen Ruf genießt der Hermann Eule Orgelbau Bautzen. Von ihm sind Silbermann-Orgeln in Bad Lausick, in Glauchau, Oederan, Dittersbach und weiteren sechs Orten restauriert und betreut worden. Zwei weitere Orgelbaubetriebe in Sachsen, die praktische Erfahrungen mit Silbermann-Orgeln haben, sind Kristian Wegscheider, Dresden, der Restaurierungsarbeiten in Bremen, in Tiefenau und Reinhardsgrimma durchführte sowie die Firma Wieland Rühe, Moritzburg, die in Forchheim, Frankenstein und vier weiteren Orten tätig war.

Silbermann hat in Mitteldeutschland 46 Orgeln gebaut. Nach den Worten von Gress sind 30 Instrumente erhalten. Nur einige wenige wurden stark verändert. Im Streit um die Orgel für die originalgetreu neu entstehende Dresdner Frauenkirche plädiert der Wissenschaftler für einen historisch orientierten Nachbau der alten Silbermann-Orgel. Das sei eine moralische Verpflichtung und die logische Konsequenz beim Wiederaufbau des Gotteshauses. Dem steht die Absicht des Stiftungsrates entgegen, ein modern konzipiertes Instrument von einer französischen Firma bauen zu lassen. Eine schon mehrmals angekündigte Entscheidung ist erneut verschoben worden.

Im jahrelangen vehementen «Dresdner Orgelstreit», der inzwischen internationale Dimensionen erlangt hat, ist immer noch fraglich, ob die Berliner Dussmann-Stiftung bei der Zusage einer Spende von 1,5 Millionen Euro für die Frauenkirchen-Orgel bleibt. Sie hatte zuletzt zur Bedingung gemacht, dass eine sächsische Firma mit einem Nachbau der Silbermannorgel von 1735 beauftragt wird. Gress sagt: «Den wenigen Beratern der Stiftung Frauenkirche, die sich dagegen sperren, stehen weltweit mehr als 100 renommierte Organisten und Orgelbauer, namhafte Wissenschaftler und Kirchenmusiker gegenüber.»
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