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Bonner Kulturszene im Umbruch

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Bonn (ddp-nrw). Die Bonner Kulturszene befindet sich derzeit im Umbruch. Auf der einen Seite ging viel öffentliche Aufmerksamkeit durch den Umzug der Bundesregierung nach Berlin verloren, andererseits muss die Kommune wie viele andere auch mit finanziellen Engpässen kämpfen.

Die Kulturszene der Stadt tut sich bisweilen noch schwer damit, die sinkende Bedeutung im bundesdeutschen Vergleich zu verschmerzen. Wenn es dann zu Einsparungen im Kulturbereich kommt, entzündet sich schnell Streit.

So gab es im vergangenen Jahr etliche Querelen, als immer neue und höhere Sparsummen bei Theater und Oper kursierten. In einer Unterschriftenaktion sprachen sich immerhin 30 000 Bürger dafür aus, die Kammerspiele in Bad Godesberg und die Halle Beuel zu erhalten. Das Vorhaben gelang.

Nach den Aufregungen ist nun zumindest beim Theater wieder Ruhe eingekehrt. Dennoch muss es künftig auf zwei überregional relevante Aushängeschilder verzichten: auf das internationale Theaterfestival «Biennale Bonn» und das unter Besuchermangel leidende «Choreographische Theater» des österreicherischen Tanzavantgardisten Johann Kresnik.

Dafür konnte aber bei den Bühnen das Schlimmste verhindert werden. So wurde bei der Vertragsverlängerung des Generalintendanten des Theaters, Klaus Weise, um fünf Jahre auch beschlossen, dass der städtische Zuschuss ans Theater ab 2008 bei 27 Millionen Euro liegt. Das ist - auch wenn 56,5 Stellen gestrichen werden müssen – deutlich weniger als zunächst befürchtet worden war. Weise äußert deshalb die Hoffnung, dass «dieser chirurgische Einschnitt» nun endlich Ruhe bringt.

Kennzeichnend für die derzeitige Umbruchsituation der Bonner Kulturszene ist der Umstand, dass demnächst gleich drei wichtige Personalien zu klären sind. Gesucht werden Nachfolger für den zur Pensionierung anstehenden Kunstmuseumsdirektor Dieter Ronte sowie für den scheidenden Generalmusikdirektor Roman Kofman und den zuletzt umstrittenen Direktor des Beethoven Orchesters, Laurentius Bonitz. Von den Neubesetzungen erhofft sich so mancher Bonner frischen Wind und neue Impulse.

Trotz der schmerzlichen Verluste bei Struktur und Etats verbleiben der reichhaltigen Bonner Kulturlandschaft, die den überregionalen Vergleich mit gleich großen Städten nicht zu scheuen braucht, Einrichtungen mit großer Strahlkraft. Die Palette reicht von der Museumsmeile mit dem «Leuchtturm» Bundeskunsthalle und dem Haus der Geschichte über Beethoven Orchester und Beethoven Fest bis zur «R(h)einkultur» in der Rheinaue, dem größten eintrittsfreien Open-Air-Rockfestival Deutschlands.

Darüber hinaus lockt Bonn auch in diesem Jahr wieder mit zugkräftigen Events und kulturellen Leckerbissen: So zeigt die Bundeskunsthalle, ohnehin eines der besucherstärksten Ausstellungshäuser der Republik, ab 5. April die Großausstellung «Ägyptens versunkene Schätze», die möglichst an die phänomenale Zahl von 811 000 Besuchern herankommen soll, die die Guggenheim-Schau eingefahren hat.

Das benachbarte Kunstmuseum hält ab 1. März mit einer Werkschau des US-Künstlers Philip Guston dagegen. Und am 2. September steht die mit Spannung erwartete Uraufführung der zeitgenössischen Oper «Freax» im Opernhaus an, die der Dauerprovokateur Christoph Schlingensief inszenieren wird. Für die erfolgreiche Reihe der sommerlichen Freiluftkonzerte auf dem Museumsplatz stehen zudem mit der Band Silbermond und der Rock-Röhre Gianna Nannini schon zwei bekannte Namen fest.

Roland Erkrath