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Bärenjagd ist eröffnet - Fröhlicher Auftakt der 57. Berlinale - Edith-Piaf-Film als Weltpremiere
Berlin (ddp). Mit einer fröhlich-beschwingten Gala hat am Donnerstagabend in Berlin die Jagd auf den Goldenen Bären begonnen. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und der diesjährige Jury-Präsident, der Regisseur und Drehbuchautor Paul Schrader («Taxi Driver»), erklärten die 57. Internationalen Filmfestspiele im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz für eröffnet. Unter den zahlreichen Gästen waren auch der Regisseur und die Hauptdarsteller des Eröffnungsfilms «La Vie en Rose» über das Leben der Chanson-Legende Edith Piaf, der als Weltpremiere gezeigt wurde.
Vor internationalen Stargästen wie dem Regisseur Arthur Penn («Bonnie und Clyde») - der den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk erhält - führte die Schauspielerin und Moderatorin Charlotte Roche charmant und sehr ungezwungen durch den Abend, den die Sänger Jan Delay und Joy Denalane musikalisch untermalten.
Besonders viel Lob erhielt der deutsche Film. Kosslick nannte es am Rande des roten Teppichs «wirklich sensationell», dass in diesem Jahr zehn deutsche Schauspieler in internationalen Produktionen vertreten sind. Dies habe es in der Geschichte der Berlinale noch nie gegeben, sagte Kosslick, dem kurz zuvor sein Kollege vom Cannes-Filmfestival, Thierry Frémaux, per SMS alles Gute gewünscht hatte. Als Themenschwerpunkt der diesjährigen Berlinale benannte Kosslick die persönliche Auseinandersetzung mit Themen wie Erderwärmung und Globalisierung.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte, angesichts der Erfolge des deutschen Films herrsche in der Branche «Euphorie». Es sei ein «herrlicher Anlass», zu diesem Zeitpunkt die Berlinale zu veranstalten, betonte Neumann und drückte dabei auch gleich dem deutschen Oscar-Kandidaten «Das Leben der Anderen» die Daumen.
Zuvor fiebert die Filmwelt jedoch der Verleihung des Goldenen und der Silbernen Bären am 17. Februar entgegen - immerhin gilt die Berlinale mittlerweile in Branchenkreisen nach den Filmfestspielen in Cannes und dem American Film Market als wichtigstes Festival weltweit.
So nannte Jury-Präsident Schrader seine Ernennung denn auch «eine Ehre». Nachdem er 1987 bereits einmal Mitglied des Gremiums gewesen war, sei es schön, nun einmal die Rolle des Vorsitzenden einzunehmen.
Das deutsche Jury-Mitglied, der Schauspieler Mario Adorf, muss sich mit seiner Funktion aber noch anfreunden. Er kritisiere Kollegen nicht so gerne, gab Adorf kurz vor Beginn der Gala zu. Über die Vergabe der Festivalpreise entscheiden neben Schrader und Adorf die Schauspieler Willem Dafoe («Der englische Patient»), Gael Garcia Bernal («Babel») und Hiam Abbass («Paradise Now») sowie die Produzentin Nansun Shi («Infernal Affairs») und die Cutterin Molly Malene Stensgaard («Dogville»).
Über den roten Teppich flanierten bei leichtem Schneefall außerdem der US-Schauspieler Jeff Goldblum, seine deutschen Kolleginnen Franka Potente, Hannelore Elsner und Hannah Herzsprung, der Kameramann Michael Ballhaus sowie die Regisseure Sönke Wortmann und Rosa von Praunheim. Unter die Politprominenz mischten sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), die für Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding und Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD).
Bis 18. Februar werden auf der Berlinale über 370 Produktionen aus mehr als 50 Ländern gezeigt. Ins Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären gehen 22 Filme, darunter die deutschen Beiträge «Yella» von Christian Petzold und die deutsch-österreichische Ko-Produktion «Die Fälscher» von Stefan Ruzowitzky.
Erwartet werden neben fast 19 000 Fachbesuchern aus 116 Ländern auch Filmstars wie Clint Eastwood, Jennifer Lopez, Matt Damon, Robert de Niro sowie Cate Blanchett und Regisseur Steven Soderbergh. Die beiden Letztgenannten werden am Freitag ihren Wettbewerbsfilm «The Good German» in Berlin vorstellen. Am Nachmittag wird die Kinder- und Jugendsektion der Berlinale eröffnet, die seit diesem Jahr «Generation» heißt.
Nina Jerzy