Berlin - Sie singt gleichermaßen Jazzstandards und Soul, Chansons und Gospel, ist in den 70er Jahren eine gefeierte Schlagersängerin der DDR und in den 80ern eine international anerkannte Jazzmusikerin. "Sie hätte alles von mir haben können, wenn sie da vorne stand mit ihrer großen Brille", ließ Schriftsteller Ulrich Plenzdorf 1972 in "Die neuen Leiden des jungen W." seinen Romanhelden Edgar Wibeau über einen Auftritt von Uschi Brüning schwärmen. Am Sonntag (4. März) feiert die Berliner Sängerin nun ihren 65. Geburtstag.
Ihr handwerkliches Rüstzeug für ihre vielfältige Karriere hatte sich die gebürtige Leipzigerin ab 1969 in der Spezialklasse Tanzmusik und Gesang der Musikschule Berlin-Friedrichshain erworben. Schon im Jahr darauf holte sie der renommierte Musiker Klaus Lenz in seine Band.
Mit "Dein Name" gelang ihr 1972 ein erster Hit
"Er war einer der vielen Glücksfälle in meinem Leben", sagt Uschi Brüning im Gespräch mit dapd. "Wäre ich damals in einem anderen Orchester untergekommen, wer weiß, wo ich musikalisch dann gelandet wäre." Vielleicht, sagt sie, hätte man sie zu einer Sängerin geformt, die besser die Ansprüche des breiten Publikum bedient, die Welt der anspruchsvolleren Musik wäre ihr aber sicherlich verschlossen geblieben.
Klaus Lenz eröffnete der jungen Sängerin die Welt des Soul und Jazz. Ihren ersten Ruhm erarbeitete sich Uschi Brüning dann allerdings in einem anderen Genre. "Meine Leidenschaft galt der Musik schlechthin. Ich wollte ausprobieren, was möglich ist", erinnert sie sich. Wie jede blutjunge Künstlerin träumte sie davon, ihren Namen bekannt zu machen. Mit Schlagern war dies gemeinhin schneller zu schaffen. Mit dem Orchester Walter Bartel entstanden so Hits wie "Komm doch zu mir" und "Deine Name", mit der Formation von Günther Fischer wiederum wegweisende Aufnahmen von Songs wie "Hochzeitsnacht".
Schlager wie diese verhalfen Uschi Brüning in der DDR zu einer ersten Berühmtheit, doch umso schwerer fiel es fortan, sie musikalisch einzuordnen. Programme wie "Ich mach ein Lied aus Stille" nach Gedichten von Eva Strittmatter stehen in ihrem umfangreichen Werk gleichwertig neben Bebop-Standards, Rocknummern und Freestyle-Jazzimprovisationen. "Ich mache einfach, was wir Spaß macht. So wie ich bin, singe ich auch - und das drücke ich in den verschiedenen Genres und Gebieten aus", sagt Uschi Brüning. Als Künstlerin war sie deshalb nie so einfach in eine Schublade zu packen.
Einfacher wurde die Karriere dadurch nicht, erst recht nicht nach der Wende. Doch auch zu DDR-Zeiten hätten sie und ihr Mann keinen leichten Stand gehabt. Jazzmusik sei stets eine wenig gelittene Nische gewesen. "Doch selbst als Schlagersängerin musste man um die Schreibtische herumstreichen und Beziehungen haben, um Schallplatteneinspielungen oder Auftritte möglich machen zu können", erzählt Uschi Brüning.
Bühnenkonzerte mit Manfred Krug
Der private wie künstlerisch wichtigste Glücksfall ihres Lebens war sicherlich vor nunmehr über 35 Jahren die Begegnung mit dem Musiker Ernst-Ludwig "Luten" Petrowsky, bis heute eine der Koryphäen des deutschen Jazz. "Er hat wie ein Trainer meine Gliedmaßen locker gemacht, intellektuell wie musikalisch, und mir beigebracht, all die Dinge aus mir herauszulassen, die in mir stecken", sagt Brüning über ihren Ehemann.
Ihre gemeinsamen Konzerte sind für Fans auch heute ganz besondere Ereignisse. Unlängst stand sie wieder mit ihrem Entdecker Klaus Lenz zusammen auf der Bühne, und seit geraumer Zeit bestreitet sie mit Manfred Krug, mit dem das Ehepaar Petrowsky/Brüning vor seiner Ausreise eng befreundet war, gemeinsame Konzerte.
Dass diese zumeist in den neuen Bundesländern stattfinden, bedauert sie. Das Ungleichgewicht in der Wahrnehmung von ost- und westdeutscher Künstlerin sei manchmal sehr verletzend, gibt sie offenherzig zu. Und so bleibt den Fans aus den alten Bundesländern nichts anderes übrig, als Uschi Brünings Konzerten nach Berlin, Frankfurt (Oder) oder Zittau nachzureisen.