Hauptrubrik
Banner Full-Size

+++Film und Fernsehen - aktuell+++Film und Fernsehen - aktuell+++

Autor
Publikationsdatum
Body

+++Meins, Baader, von Arp & Co - Serie von Terrorismus-Filmen kommt in die deutschen Kinos+++Dokumentarfilmer Schadt: Film ist «Liebeserklärung» an Berlin+++Freiherr-vom-Stein-Preis für Filmbüro Kromsdorf+++

Berlin (ddp). 1968 ging es in der Berlin Studentenszene heiß her. Im Mai besetzten Studenten die Deutsche Film- und Fernsehakademie (dffb) aus Protest gegen die Verabschiedung der Notstandsgesetze. Ein Hausverbot wurde am 30. Mai ausgesprochen und am 10. Juni zurückgenommen. Am 27. November wurden 18 Studenten, die das Rektorat besetzt hatten, wegen Hausfriedensbruch und Nötigung vom Studium an der dffb ausgeschlossen. Betroffen davon waren, zumindest bis zu einem anders lautenden Gerichtsbeschluss, Holger Meins, Wolfgang Petersen, Harun Farocki und Gerd Conradt.
34 Jahre nach den turbulenten Ereignissen dieses Schlüsseljahrs der Studentenbewegung und der deutschen Nachkriegsgeschichte kreuzen sich zumindest auf der Leinwand die Wege des Quartetts wieder. In Conradts Dokumentarfilm «Starbuck Holger Meins» über den RAF-Terroristen Meins treten die Regiekollegen Farocki, heute ein renommierter Dokumentarfilmer, und Petersen, der seit Jahren in Hollywood Kassenhits inszeniert, als Zeitzeugen auf. Bei Conradt äußern sie sich zu ihrem Ex-Kommilitonen, der 1974 als erstes Mitglied der Terrororganisation RAF in Untersuchungshaft im Hungerstreik starb.
«Starbuck Holger Meins» läuft am 23. Mai bundesweit in den Kinos an. Es ist jedoch nicht der einzige Film zum europäischen Terrorismus, der demnächst auf die Leinwände kommt. Gut ein halbes Jahr nach den Terroranschlägen vom 11. September in New York und Washington schätzen engagierte Verleiher das Interesse der Öffentlichkeit an filmischen Auseinandersetzungen mit Ursachen und Folgen des Terrorismus als groß genug ein, um innerhalb einiger Monate zwei weitere Beiträge zu diesem Thema herauszubringen.
Am 25. April startet der schweizerische Dokumentarfilm «Do it» von Sabine Gisiger und Marcel Zwingli über den Zürcher Ex-Revolutionär Daniele von Arb und am 29. August der Spielfilm «Baader» von Christopher Roth, der recht frei das Leben von Andreas Baader nacherzählt, dem Mitbegründer der damals berüchtigten «Baader-Meinhof-Bande». Roths Film hatte wegen des großzügigen Umgangs mit den historischen Fakten schon auf der jüngsten Berlinale für Schlagzeilen gesorgt. Während Kritiker ihm unter anderem Geschichtsfälschung vorwarfen, erkannte die Jury ihm den Alfred-Bauer-Preis für seine innovative Leistung zu.
Conradt porträtiert Meins mit unübersehbarer Sympathie in einer recht konventionellen Kombination aus TV-Mitschnitten, privaten Super 8-Aufnahmen, Wochenschauen und Zeitzeugen-Statements. Da er jedoch zu stark aus der Innenperspektive des alten Freundes und Kollegen berichtet, bleibt ein jüngeres Publikum mangels notwendiger Erläuterungen außen vor. Mit der biederen Machart und dem Hang zur nostalgischen Rückschau auf den Aufbruchsgeist jener wilden Jahre fällt «Starbuck Holger Meins» zudem deutlich zurück gegenüber der kühlen Klarheit, mit der Andres Veiel in seinem Dokumentarfilm «Black Box BRD» die Lebenswege des mutmaßlichen Terroristen Wolfgang Grams und von der RAF ermordeten Bankmanagers Alfred Herrhausen einander gegenüber gestellt hat.
Farocki wiederum - und hier schließt sich der Berliner Kreis - schrieb zusammen mit Christian Petzold das Drehbuch zu dessen Kinodrama «Die innere Sicherheit», das vor zwei Jahren zu einem Überraschungshit in den Filmkunsthäusern avancierte. Die subtile Studie über ein deutsches Terroristenpaar, das mit seiner halbwüchsigen Tochter aus dem portugiesischen Untergrund zurück nach Deutschland flieht, ist noch immer der beste deutsche Film der letzten Jahre zum Thema Terrorismus. In seiner unspektakulären Konsequenz und distanzierten Poesie schlägt Petzolds mehrfach ausgezeichnete «Sicherheit» das Filmdrama «Die Stille nach dem Schuss» von Altmeister Volker Schlöndorff über untergetauchte RAF-Aktivisten in der DDR um Längen.
Deutlich günstigere Voraussetzungen als die deutschen Dokus hatte dagegen «Do it», der im Vorjahr den Schweizer Filmpreis gewann und in seiner heiteren Gelassenheit sogar zu unterhalten versteht. Das liegt vor allem an der Ausstrahlung des Protagonisten von Arb, der als 16-Jähriger mit zwei gleichaltrigen Freunden eine revolutionäre Zelle bildete, mehrere Jahre im Gefängnis verbrachte und heute in Zürich als Wahrsager arbeitet.
Seine selbstironische Rückschau lässt die Stationen eines kuriosen Revoluzzerlebens Revue passieren und erhellt wie beiläufig die Bedingungen, unter denen Idealismus, Weltverbesserungsträume und linke Utopien in den 70er Jahren in extremistische Radikalisierung bis hin zur terroristischen Gewalt umschlugen. Den lockeren Erzählton des Films erklärte der Verleiher Ludwig Ammann im ddp-Gespräch unter anderem mit dem stichhaltigen Hinweis: «Die Schweizer Terroristen hatten das Glück, dass sie nur Sachschaden, aber keine Personenschaden angerichtet haben.»

Berlin (ddp-bln). Der Dokumentarfilmer Thomas Schadt sieht sein jüngstes Werk «Berlin: Sinfonie einer Großstadt» auch als «Liebeserklärung» an Berlin. «Eine einfache Liebe ist es aber nicht», sagte Schadt der Nachrichtenagentur ddp am Dienstag. Die Stadt öffne sich nicht auf den ersten Blick. Berlin zeige aber das Leben «in all seinen Facetten». Es sei hier «klarer und ehrlicher als in anderen Städten».
Schadts sinfonischer Dokumentarfilm, in dem Bilder und Musik gleichberechtigt nebeneinander stehen, wird am Mittwoch in Berlin uraufgeführt. 75 Jahre nach der Premiere von Walter Ruttmanns Stummfilmklassiker «Berlin. Die Sinfonie der Großstadt» (1927) stellt der Filmemacher in der Staatsoper unter den Linden seine Neuauflage vor. Für seinen Streifen zog Schadt ein Jahr lang durch Berlin, um Bilder einzufangen. Material von rund 100 Drehtagen verarbeitete der Grimme-Preisträger zu einem 75-minütigen Schwarz-Weiß-Stummfilm.
Schadt, der seit mehr als 20 Jahren in der Stadt lebt, betonte: «Berlin war mir vertraut.» Jetzt sei es noch vertrauter geworden. Er habe während der Dreharbeiten neue Ecken und Seiten kennengelernt. Und er sei in der Erkenntnis bestärkt worden: Berlin sei die Stadt, in der er leben wolle. Der Streifen sei aber kein «Imagefilm» für Berlin, unterstrich Schadt. Er habe keine «Berlin-Klischees» zeigen wollen, wie etwa die so genannte Neue Mitte.
Der Filmemacher betonte, wie auch Ruttmann habe er auf 35-mm-Material gedreht. Auch sein Streifen erzähle einen «fiktiven virtuellen Tag aus dem Leben dieser Stadt». Als Tonebene gebe es ebenfalls nur die Musik. Die Grundidee Ruttmanns sei zudem gewesen, nicht einen Film über Berlin, sondern über den «Puls der Metropole» zu machen. Dies sei bei ihm genauso. Deshalb habe er dort gedreht, wo sich das Land am «stärksten ausdrückt» - nämlich in Berlin.
Schadt unterstrich, er habe jedoch die Menschen anders beobachtet als Ruttmann und ihnen ein «menschliches Anlitz» geben wollen. Er fügte hinzu: «Mir war das historische Gewissen wichtig, das was in 75 Jahren passiert ist.» Dadurch sei eine Geschichtsebene entstanden.
Ein Remake des Films in 10 oder 20 Jahren kann sich Schadt nicht vorstellen. «Das müsste jemand anders machen», betonte er. Seine nächsten Projekte sind ein Dokudrama über die Publizistin Carola Stern und ein dokumentarischer Essay über die Pause.

Weimar/Hamburg (ddp). Der diesjährige Freiherr-vom-Stein-Preis für hervorragende kulturelle Arbeit in den neuen Bundesländern geht an das Thüringer Filmbüro Kromsdorf. Die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung der Alfred Toepfer Stiftung in Hamburg würdigt die Arbeit eines überregional ausstrahlenden kulturellen Zentrums, wie die Stiftung am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Das vor elf Jahren gegründete Filmbüro sei heute als Jugend-, Bürger- und Medienzentrum eine pulsierende kulturelle Ader der Region. Das Schloss bietet Kulturveranstaltungen mit zum Teil internationaler Reichweite.
Der Preis, der seit 1954 verliehen wird und sich seit 1993 auf Pionierleistungen in den neuen Ländern konzentriert, wird am kommenden Montag traditionell in Berlin an der Humboldt-Universität überreicht. Bislang haben den Preis unter anderem ein Dessauer Einwohnerzentrum, ein sächsisches Umweltseminar und die Cranach-Stiftung in Wittenberg erhalten.
Autor