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Düsseldorf (ddp-nrw). Das Großereignis des Jahres 2006 versetzt schon jetzt die halbe Nation in helle Aufregung: die Fußball-Weltmeisterschaft, die auch in den Stadien von Nordrhein-Westfalen ausgetragen wird.
Und da auch Kulturschaffende keine Berührungsängste mit dem runden Leder haben, heizt das Düsseldorfer Schauspielhaus mit einem Szenen- und Songreigen über die internationalen Dribbelkönige und Flankengötter ein. «Brot und Spiele» heißt der Beitrag zum offiziellen, von der Bundesregierung angestoßenen Kunst- und Kulturprogramm zur WM.Für die Uraufführung im April, die von Regisseur Burkhard C. Kosminski angeführt wird, hat das Schauspielhaus namhafte Theaterautoren wie Tankred Dorst, Moritz Rinke und Theresia Walser eingeladen, kurze Szenen über den kommenden Fußballwahnsinn und ihr Deutschlandbild zu schreiben. ( http://www.duesseldorfer-schauspielhaus.de ).
Doch Intendantin Anna Badora verabschiedet sich in ihrer letzten Saison vom Publikum nicht nur mit diesem Spektakel. Während Regisseur Patrick Schlösser Georg Büchners Lustspiel «Leonce und Lena» inszenieren wird, leitet Badora im Februar die Uraufführung von «Nathan Messias», einer aktualisierten Fassung von Lessings «Nathan» von Feridun Zaimoglu. Bevor die Theater aber in die Sommerpause gehen werden, haben zwei Intendanten-Neulinge in Essen und Bochum noch einiges in der Hinterhand. In Essen, wo Anselm Weber das Zepter von Jürgen Bosse übernommen hat, steht im Februar Friedrich Hebbels «Die Nibelungen» in der Inszenierung des Hausherrn zur Diskussion. Weber stellt in seiner Bühnenfassung die Frage «Was ist deutsch am \'Deutschen Trauerspiel\' von Friedrich Hebbel?», wenn er sich mit dem ältesten deutsche Mythos um den Helden Siegfried auseinandersetzt. ( http://www.theater-essen.de ).
In Bochum hingegen will Elmar Goerden an seinen Erfolg der ersten Monate mit Georg Büchner («Dantons Tod»), Oscar Wildes «Ein idealer Gatte» und nicht zuletzt mit dem von ihm verehrten Botho Strauß («Schändung») anknüpfen ( http://www.Schauspielhaus.Bochum.de ). Überhaupt ist die zweite Spielhälfte der Schauspielsaison in NRW geprägt von großen Autorennamen. Allein in Dortmund, wo der Schwerpunkt auf berühmten, weiblichen Theaterfiguren liegt, wird der Bogen gespannt vom Antikendrama «Medea» von Euripides über Goethes Schauspiel für Liebende «Stella» bis zur «Salome» von Oscar Wilde ( http://www.theaterdo.de ).
Und auch in Bonn stehen zwei Klassiker auf dem Programm: Shakespeares «Der Sturm» sowie Brechts «Dreigroschenoper», die im Januar von der provokanten Regisseurin Thirza Bruncken sicherlich mit schrillen Ideen & Bildern gespickt werden wird ( http://www.theater-bonn.de ). In Bielefeld gibt es immerhin mit Euripdes «Elektra» und einer Bühnenfassung von Max Frischs Roman «Homo Faber» zwei Dauerbrenner der Theater- und Literaturgeschichte zu sehen ( http://www.theater-bielefeld.de ).
Einen antiken Stoff bietet übrigens auch die Theaterehe Krefeld / Mönchengladbach. Es sind die «Trachinierinnen» von Sophokles, auf denen Martin Crimps Stück «Sanft und grausam» basiert und in dem es kämpferisch bis blutrünstig um Kriegsverbrecher und westlichen Luxus geht. Um die Schattenseiten des Kriegsjournalismus geht es hingegen in «El Salvador» von Rafael Lima zu. Für sein packendes wie politisch brisantes Drama wurde der EX-CNN-Korrespondent Lima mit dem bedeutenden «Drama Critics Circle Award» ausgezeichnet ( http://www.theater-krefeld-moenchengladbach.de ).
Zwei Projekte unterstreichen aber ganz besonders, wie nah am Puls der Zeit und Gesellschaft die Theater von NRW sind. In Oberhausen gibt es mit «Featuring Schiller» eine interkulturelle Annäherung an den politischen Dichter Schiller. Mit deutsch- und türkischstämmigen Jugendlichen erarbeitet sich Regisseur Harald Demmer neue Blickwinkel auf die von Schiller formulierten Humanitäts- und Freiheitsvisionen (www.theater-oberhausen.de).
In Köln gibt es dann zwar «Die Orestie» von Aischylos und Arthur Millers «Hexenjagd». Aber in einer Stadt, die so stolz ist auf ihren Jungnationalspieler «König» Lukas Podolski, darf auch im Theater der Fußball nicht fehlen. Und daher zeigt man mit «Maracana» schon im Februar eine sportlich-akrobatische Hommage an den gleichnamigen Fußball-Tempel in Rio de Janeiro ( http://www.buehnenkoeln.de ).
Was zumindest die zeitliche Einstimmung auf die Fußball-WM 2006 angeht, liegt im Städteduell Köln gegen Düsseldorf die Domstadt da mit 1:0 in Führung.