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Berlin (ddp). Seine «Capri-Fischer» prägten nach dem Zweiten Weltkrieg die Schlager-Welt in Deutschland und lenkten vom tristen Alltag ab. Schon 1943 von Rudi Schuricke eingesungen, aber erst später veröffentlicht, war es der Hit jener Zeit.
Aber auch «O mia bella Napoli», der Tango «Frühling in Sorrent» oder «Wenn in Capri die rote Sonne im Meer versinkt» schmeichelten sich in die Ohren. Die Titel stammen aus der Feder des Berliner Schlagerkönigs Gerhard Winkler, dessen Geburtstag sich am 12. September zum 100. Mal jährt.Das «Chianti-Lied» von 1940, eine Hymne der Lebenslust und des Fernwehs, war lange ein Reißer für Tenöre. Von den «Capri-Fischern» wurden trotz Papiermangels nach dem Krieg über eine Million Klaviernoten gedruckt. «Komm, Casanova, küss mich» von 1943, getextet von Ralph Maria Siegel, fand ebenfalls starke Verbreitung.
Der Komponist einstiger Ohrwürmer, der 1977 im Alter von 71 Jahren in Berlin starb, ist in seiner Heimatregion nicht vergessen. Am Haus in der Nassauischen Straße im Ortsteil Wilmersdorf, wo Winkler von 1936 bis 1949 lebte, erinnert an ihn eine Gedenktafel. Im Juli stand dessen Schaffen im Mittelpunkt der Elblandfestspiele in Wittenberge. Und die Berliner Firma Monopol Records brachte gerade eine CD «So wird\'s nie wieder sein. 100 Jahre Gerhard Winkler» heraus.
Die Liste der Interpreten auf der Scheibe ist lang. Sie reicht von Peter Alexander («Schenk mir ein Bild von dir»), Andy Borg («Bella bella Donna») und Karel Gott («Frauen und Wein») über den Star des ehemaligen Berliner Metropol-Theaters Ingrid Krauß mit dem «Casanova-Lied», Paul Kuhn und seiner Bigband («Frühling in Sorrent») bis zu Max Raabe («Georgine»), André Rieu («Chianti-Lied») und Freddy Quinn («Wieder geht ein schöner Tag zu Ende»). Und Dieter Thomas Heck schmachtet wie zuvor Ralph Sauer: «Glaube mir».
Eine Rarität der CD ist neben dem einst sehr populären Cornel-Trio ein Rudi-Schuricke-Terzett («Der kleine Postillon»). Sogar der vom Kabarett kommende Willy Schneider ist vertreten: «Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein». All diese Titel bestätigen: Lange bestimmte der in Rixdorf geborene Künstler mit populären Melodien den deutschen Schlagermarkt in West und Ost. Zu seinen Textlieferanten gehörten Routiniers wie Bruno Baltz und Günter Schwenn.
Mehr als 1500 Titel zählt Winklers Nachlass. «Bis 1000 habe ich mitgezählt», sagte er einmal. Auch Operetten und Musicals gehören neben Werbemusik zu seinem weit gespannten Oevre. Zusammen mit Peter Kreuder und Michael Jary war Winkler der Star des musikalischen Unterhaltungsfachs, wie es für die 30er bis 50er Jahre typisch war. Die «Capri-Fischer» wurden ein Welthit. Kein deutscher Schlager hatte jemals wieder eine solche Resonanz.
Klaus Klingbeil
http://www.capri-fischer.de