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Zum Auftakt des Bachfests 2003 wurde der niederländische Cembalist, Organist und Dirigent Gustav Leonhardt für sein Lebenswerk mit der erstmals vergebenen Bach-Medaille der Stadt Leipzig geehrt.
Die Stadt Leipzig hat die Johann-Sebastian-Bach-Medaille gestiftet, um damit jährlich international herausragende Künstlerinnen und Künstler für besondere Verdienste um Aufführung und Pflege der Musik Johann Sebastian Bachs zu ehren.Die Auszeichnung wurde während des Eröffnungskonzerts zum Bachfest Leipzig durch Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee überreicht. Die Laudatio hielt Gerhard R. Koch, Musikredakteur der FAZ.
Gustav Leonhardt, der oft als "Vater der historischen Aufführungspraxis" bezeichnet wird, feiert am 30. Mai 2003 seinen 75. Geburtstag. Bereits am 25. Mai dirigiert Leonhardt ein Bachfest-Konzert mit dem Tölzer Knabenchor und dem Freiburger Barockorchester.
Im Eröffnungskonzert erklangen neben Johann Sebastian Bachs Kantate "Ich hatte viel Bekümmernis" BWV 21 (Leipziger Fassung) Kantaten seiner Vorgänger im Amt des Thomaskantors: "Lobe den Herrn, meine Seele" von Johann Schelle (1648-1701) und "Wenn ihr fröhlich seid an euren Festen" von Johann Kuhnau (1660-1722)
Es musizierten Gesine Adler (Sopran), Barbara Tisler (Sopran), Matthias Lucht (Altus), Daniel Johannsen (Tenor), Dominik Wörner (Bass) sowie Thomanerchor und Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Gotthold Schwarz.
Kurzbiografie Gustav Leonhardt
Seit fünf Jahrzehnten repräsentiert Gustav Leonhardt unangefochten die Weltspitze unter den Cembalisten. Der überreiche Fundus seiner Platten- und CD- Einspielungen - viele von ihnen preisgekrönt - sowie seine immer wieder verblüffenden Live-Auftritte als Cembalist mögen den ebenso exzellenten Organisten und Dirigenten Leonhardt ein wenig in den Schatten stellen. Sicher ist jedoch, dass der 1928 geborene Holländer zu den Pionieren historischer Aufführungspraxis zählt und als Künstlerpersönlichkeit, Pädagoge und Juror weltweit einen hervorragenden Ruf besitzt.
Aufgewachsen in einem musikliebenden Elternhaus, interessierte sich Gustav Leonhardt früh für Cembalo und Orgel und studierte nach dem Abitur beide Instrumente bei Eduard Müller an der Schola Cantorum in Basel. In Wien debütierte er 1950 mit Bachs "Kunst der Fuge" und wurde wenig später zum Professor für Cembalo an der dortigen Musikakademie berufen. Seit 1953 ist Gustav Leonhardt Professor am Amsterdamer Konservatorium und Organist an der Nieuwe Kerk in Amsterdam. Als Dirigent unternahm er gemeinsam mit Nikolaus Harnoncourt die erste Gesamteinspielung des Bachschen Kantatenwerkes. Daneben trat er unter anderem mit Aufführungen von Monteverdi- und Rameau-Opern hervor. Seine Beschäftigung mit Bach führte auch zur Berührung mit einem ganz anderen Genre, als er gewissermaßen in Bachs Haut schlüpfte: 1967 spielte Leonhardt in Jean-Marie Straubs Film "Chronik der Anna Magdalena Bach" die Rolle des Johann Sebastian Bach.
Zu wiederholten Male gastiert Gustav Leonhardt beim Bachfest Leipzig. Bislang trat er lediglich als Cembalist auf. Standen im Jahr 2000 neben Bachschen Kompositionen überwiegend Werke norddeutscher Komponisten wie Dietrich Buxtehude im Vordergrund, so waren es im vergangenen Jahr Werke französischer Meister, darunter von Luis Marchand, Jean-Philippe Rameau, Jean Henry D\'Anglebert und François Couperin. In diesem Jahr tritt Leonhardt beim Bachfest Leipzig erstmals als Dirigent in Erscheinung. In einem Konzert am Sonntag, den 25. Mai um 17 Uhr in der Thomaskirche leitet er eine Aufführung mit dem Tölzer Knabenchor und dem Freiburger Barockorchester sowie Monika Frimmer (Sopran), Roberto Balconi (Altus), Nico van der Meel (Tenor) und Peter Kooij (Baß). Auf dem Programm stehen Bachs erste, in Leipzig vollendete Kantaten BWV 50, 69a, 75 und 76.
Bei der Medaille handelt sich um eine Vorlage von 1950. Damals wurde zum Großen Deutschen Bachfest eine Medaille als Ehrengabe der Stadt Leipzig verliehen. Diese wurde von Helmut Schulz entworfen und Erhard Kroßer hat das Modell gefertigt. Diese Medaille wurde nun im Revers verändert. Die neue Gestaltung hat Uwe Marschner vorgenommen. Im Avers ist nach wie vor der Bach-Kopf im Profil zu sehen. Im Revers ist das Stadtwappen, darunter das Jahr der Verleihung, der Name des Preisträgers und zwei Schwerter, umgeben von der Umschrift: "Bach-Medaille der Stadt Leipzig". Die Medaille hat einen Durchmesser von 100 mm. Das Material ist Meißner Porzellan und die Medaille wird in der Meißner Porzellan Manufaktur gefertigt.
Jörg Clemen
Bach-Archiv Leipzig
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