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Iranischer Regisseur im Mittelpunkt der Berlinale-Eröffnung

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Berlin - Bei der Eröffnung der 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin hat sich der verurteilte iranische Regisseur Jafar Panahi mit einem bewegenden Brief zu Wort gemeldet. Jury-Präsidentin Isabella Rossellini verlas am Donnerstagabend bei der Gala im Berlinale Palast das Schreiben des Filmemachers, der als Mitglied der internationalen Jury eingeladen worden war, aber nicht nach Berlin reisen durfte. Auf der Bühne wurde ein leerer Stuhl mit dem Namen von Panahi präsentiert.

Eröffnet wurde das bis 20. Februar dauernde Festival mit dem Western «True Grit», der von den Schauspielern Jeff Bridges, Josh Brolin und Hailee Steinfeld sowie den Regie-Brüder Joel und Ethan Coen präsentiert wurde.

«Die Wirklichkeit ist, dass mir ohne Prozess seit fünf Jahren das Filmemachen untersagt wird», heißt es in dem Schreiben Panahis. «Jetzt wurde ich offiziell verurteilt und darf auch in den nächsten 20 Jahren keine Filme realisieren. Trotzdem werde ich in meiner Vorstellung weiterhin meine Träume in Filme übersetzen», fügte er hinzu. Als sozialkritischer Filmemacher müsse er sich damit abfinden, die alltäglichen Probleme und Sorgen seines Volkes nicht mehr zeigen zu können. «Aber ich werde nicht aufhören, davon zu träumen, dass es in 20 Jahren keines dieser Probleme mehr geben wird und ich dann, wenn ich wieder die Möglichkeit dazu habe, Filme über den Frieden und den Wohlstand in meinem Land machen werde», betonte der 50-jährige Regisseur.

Panahi zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt
Seine Verurteilung bedeute, dass er sechs Jahre im Gefängnis verbringen müsse. «In den nächsten sechs Jahren werde ich in der Hoffnung leben, dass meine Träume Realität werden. Ich wünsche mir, dass meine Regiegefährten in jedem Winkel der Welt in dieser Zeit so großartige Filme schaffen, dass ich, wenn ich das Gefängnis verlasse, begeistert sein werde in jener Welt weiterzuleben, die sie in ihren Werken erträumt haben», so Panahi.

Panahi setzt sich in seinen Filmen kritisch mit der sozialen Situation in seiner Heimat auseinander und war im Dezember im Iran zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden. Er war kurz zuvor in die Jury eingeladen worden. Bei der Berlinale erhielt er 2006 für seinen Film «Offside» einen Silbernen Bären. Panahi hatte bereits im vergangenen Jahr die Einladung in die Jury des Festivals in Cannes nicht annehmen können.

Standing Ovations nach Verlesung des Schreibens
Vom Publikum der Gala, darunter viele Schauspieler und Regisseure, gab es nach der Verlesung des Schreibens stehende Ovationen. Auf der Berlinale werden als Zeichen der Solidarität mehrere Filme Panahis gezeigt. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick berichtete, dass er noch am Vortag mit Panahi telefoniert habe. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) betonte, er sei traurig darüber, dass der Regisseur daran gehindert werde, an der Berlinale teilzunehmen. «Ihm gehört heute unsere tiefe Solidarität», sagte er.

Neumann erinnerte zugleich an den vor kurzem verstorbenen Filmproduzenten Bernd Eichinger, den er als einen «der ganz Großen des Films, national wie international» bezeichnete. «Bernd Eichinger wird uns sehr fehlen», betonte er.

Viel Filmprominenz bei Eröffnungsgala
Rund 1.500 Gäste waren zu der Eröffnungsgala geladen. Über den roten Teppich schritten unter anderen Martina Gedeck, Senta Berger, Veronica Ferres, Heike Makatsch, Marie Bäumer, Wim Wenders, Axel Prahl, Christine Neubauer, Mario Adorf, Andreas Dresen, Michael Ballhaus, Anna Loos, Jan Josef Liefers, Iris Berben sowie die Mitglieder der Jury, neben Rossellini unter anderen Schauspielerin Nina Hoss.

Bei der Berlinale stehen in diesem Jahr 385 Filme auf dem Programm. Das Wettbewerbsprogramm umfasst 22 Filme. 16 davon konkurrieren um den Goldenen und die Silbernen Bären, darunter die deutschen Produktionen «Wer wenn nicht wir» von Andres Veiel und «Schlafkrankheit» von Ulrich Köhler. Mehrere 3D-Filme sind in diesem Jahr im Festival zu sehen, darunter Wim Wenders Tanzfilm «Pina».

Als weitere Gäste werden unter anderen William Hurt, Vanessa Redgrave, Liam Neeson, Harry Belafonte, Colin Firth, Helena Bonham Carter und Ralph Fiennes bei den Filmfestspielen erwartet. Spekulationen gibt es darüber, ob Popstar Madonna Ausschnitte ihrer neuen Regiearbeit «W.E.» auf dem European Film Market der Berlinale präsentieren wird.


 

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