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Joseph Dorfman, Komponist israelisch-russischer Abstammung, ist am 7. Juni 2006 in Los Angeles an einem Herzinfarkt gestorben. Dorfman gehört zu den jüdischen Komponisten, die in der Sowjetunion aufgewachsen und ausgebildet worden sind. Erst in den 70er Jahren wurde durch Glasnost und Perestroika die Ausreise nach Israel möglich.
Musikalisch hat Dorfman die russisch-jüdische Schule wie sie am Gnessin-Institut in Moskau gelehrt wurde, konsequent weitergeführt. Er verband stilistische Elemente aus dem musikalischen Umkreis Schostakowitschs mit authentischer jüdischer Musik. Dabei verarbeitete er insbesondere Melodien der Klezmer sowie synagogale Gebetsweisen.
Dorfman wurde 1940 in Odessa geboren. Im Alter von fünf Jahren begann er mit dem Klavierspiel. Seine musikalischen Studien setzte er an der Stolyarsky-Musikschule in Odessa und am dortigen Konservatorium fort. 1971 erhielt Joseph Dorfman am Gnessin-Musikinstitut in Moskau seinen Doktor der Philosophie. Während seiner Studienjahre war er als Komponist, Pianist und Dirigent des Philharmonischen Kammerorchesters von Odessa tätig; daneben unterrichtete er Tonsatz, Komposition und Klavier an verschiedenen Konservatorien. Seit 1973 lebte Joseph Dorfman in Israel. Von 1985 bis 1989 war er Direktor der Samuel Rubin Israel Academy of Music an der Tel Aviv University. Bis zu seinem Tod lehrte er dort als Professor für Komposition und Musiktheorie. Gastprofessuren führten ihn an die Columbia University, die Yale University, die Frankfurter Musikhochschule sowie die Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf. Joseph Dorfman war Vorsitzender der Komponistenvereinigung "Acoustic 7-11" und nahm als Dirigent und Pianist an deren Konzertreihen teil. Neben weiteren kulturellen Tätigkeiten war er auch mitverantwortlich für die Festivals of Jewish Art Music. Im Jahr 2004 erhielt er den Ahad Ha´am Preis des Center for Jewish Art and Creativity.
Sein kompositorisches Schaffen umfaßt Solostücke, Kammer- und Orchestermusik, Ballett, Oper und Oratorium. Viele seiner Werke wurden in Europa, Israel und den USA auf Konzerten und Festivals sowie für Rundfunkproduktionen aufgeführt.
Mit dem Tod von Joseph Dorfman verliert die Welt einen Komponisten, der in einzigartiger Weise das ekstatische Lebensgefühl hassidischer Frömmigkeit mit Ausdrucksformen der Moderne zu einer neuen musikalischen Synthese geführt hat. Sein Vorbild war Mark Chagall, von dessen Gemälden er sich gerne inspirieren ließ. So entstanden 1987 die Fünf Bilder nach Mark Chagall für Klarinette, Violoncello und Klavier aus dem Jahre, -dieses Werk wurde kürzlich vom Trio Marc Chagall auf Tonträger bei Preiser Records PR 90 697 eingespielt- , aber auch seine diversen Kompositionen für Soloinstrumente tragen im Titel schon den Bezug zur jüdischen Tradition: Enchanted Klezmer für Solo Violine, Bewitched Klezmer für Solo Klarinette, Klezmeriana für Solo Cello (Diese Werke sind auch bei Pavane Records ADW 7269 auf Tonträger erschienen). Auf der anderen Seite fühlte sich Dorfman eng mit der Musik Schostakowitsch’s verbunden, dessen akzentuiert scharfe Tonsprache er in vielen Werken übernahm. Die „gläserne Kälte“ Schostakowitsch’s und die „heimeligen Wärme“, die aus der synagogalen Musik der osteuropäischen Synagogen sowie den ekstatischen Klängen hassidischer Tänze erklingt, bilden in Dorfman’s Kompositionen einen höchst dramatischen Gegensatz, der den Werken eine unvergleichliche Intensität verleiht. Es ist nicht zuletzt die Geschichte seines eigenen Lebens, die Dorfman auskomponiert hat in der Dialektik zwischen Geborgenheit und Bedrohung, zwischen jüdischer Tradition und den abstrakten Interessen eines totalitären Regimes. Diese Spannung hat Dorfman in sich getragen und künstlerisch verarbeitet.
Werkliste: http://www.peermusic-classical.de/dorfman3.htm
Quelle: Peermusic Classical