Weimar - 2020 ist für Kulturveranstaltungen eine Herausforderung. Welcher Aufwand betrieben werden muss, um in Corona-Zeiten ein Festival auf die Beine zu stellen, wird auch in Weimar deutlich: Dort hat sich das Kunstfest einen besonderen Kniff einfallen lassen.
Viel Planungsaufwand innerhalb einer kurzen Zeit haben die Macher aufgebracht, damit das Kunstfest Weimar nicht wie so viele andere Festivals in der Corona-Zeit abgesagt werden musste. Am Mittwoch (26. August) beginnt das Festival für zeitgenössische Künste. Die Pandemie lässt es aber doch recht anders aussehen, als noch zum Jahresbeginn angekündigt.
«Wir mussten viel umplanen und im Einvernehmen mit den Künstlern auch einige Projekte auf das kommende Jahr verschieben», sagt der künstlerische Leiter Rolf Hemke. Manche Produktionen seien unter den nötigen Hygiene- und Abstandsauflagen nicht durchführbar gewesen. So musste etwa die Uraufführung der Oper «Electric Saint», für die Grammy-Gewinner und Ex-Police-Schlagzeuger Stewart Copeland komponiert hat, auf 2021 verlegt werden. «Eine Opernaufführung kann man nicht verantworten, wenn man sie nicht in dem Rahmen präsentieren kann, in dem sie gedacht ist - das würde künstlerisch Schaden nehmen», sagt Hemke.
Immerhin stehen trotz aller Widrigkeiten bis einschließlich 13. September 60 Produktionen, Ausstellungen und Vorführungen an verschiedenen Spielorten auf dem Programm, darunter auch einige Uraufführungen.
Um auf Eventualitäten vorbereitet zu sein, gründete das Kunstfest ein Autokino in Weimar mit. «Das ist der Ort für das pandemiesichere Kernprogramm», sagte Hemke. Dort sollen etwa kleine Theaterprojekte zu sehen sein. Vorgabe an die Künstler: Inhaltlich und formal sollen sie sich mit der Krise auseinandersetzen. Hemke spricht von einem analogen Corona-Autorenfestival, das gezwungenermaßen ad hoc entwickelt wurde.
Mehr als zwei Künstler werden zeitgleich nicht auf der Bühne sein, auch Abstand bleibe gewahrt. Zur Festivaleröffnung im Autokino kommt «Five deleted messages» von Autor und Regisseur Falk Richter zur Uraufführung. Dabei wird Dimitrij Schaad («Känguru-Chroniken») zu sehen sein. Unter anderem kommt dort auch ein Text der in Weimar geborenen Autorin Sibylle Berg auf die Bühne.