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Marcello Viotti gestorben

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Marcello Viotti, der aus der französischen Schweiz stammende Dirigent italienischer Abstammung, ist im Alter von 50 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. In der vergangenen Woche war er bei Proben zu einer konzertanten Aufführung von Jules Massenets Oper «Manon» in München zusammengebrochen und galt bereits seit Dienstag als hirntot.

Zuletzt dirigierte Marcello Viotti noch eine konzertante Aufführung von Bellinis "Puritanern" an der Wiener Staatsoper. Edita Gruberova sang die Titelrolle. Im Sommer sollte er eine Neuproduktion von Verdis "La Traviata" mit Anna Netrebko bei den Salzburger Festspielen Leiten. Konzerte und eine Tournee mit der Dresdner Staatskapelle waren ebenso eingeplant. Auf Jahre hinaus war der Terminkalender von Viotti gefüllt.

Mit seinem frühen Tod ist das Wirken eines der vielseitigsten Dirigenten unserer Zeit jäh abgebrochen. Marcello Viotti wurde 1954 in der Nähe von Genf geboren, er studierte Klavier, Gesang und Cello.

Sein Dirigentendebüt gab er als Gründer eiens Bläserensembles in Genf. 1982 gewann Viotti den 1. Preis beim Gino Marinuzzi Wettbewerb in Italien. 2 Jahre später wurde ihm die Leitung der Sinfonieorchester an der Turiner Oper übertragen. Im Anschluss war er für mehrere Jahre Chef der Luzerner Oper, Generalmusikdirektor der Stadt Bremen und Chefdirigent des Orchesters des Saarländischen Rundfunks. Vor allem aber entwickelte sich Viotti zu einem der profiliertesten Operndirigenten. Viotti war ständiger Gast der großen Häuser in Berlin, Brüssel, Dresden, München, Paris und Wien.
1998 übernahm er den Chefdirigentenposten des Münchner Rundfunkorchesters, wo er sich durch differenzierte Programmauswahl als eine der faszinierendsten Musikpersönlichkeiten unserer Tage profiliert hat.

Ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere ist die Ernennung zum "Direttore musicale" des GRAN TEATRO LA FENICE in Venedig im Januar 2002, wo er in seinem Antrittsjahr die international beachtete Neuproduktion von Massenets „Thais" sowie Verdis „La Traviata" leitete.

In seiner Leipziger Zeit von 1996 - 1999 gehörte Viotti zum erfolgreichen Triumphirat dreier Hauptdirigenten beim MITTELDEUTSCHEN RUNDFUNK. Er teilte sich diese Funktion mit Manfred Honeck und Fabio Luisi. Von Viotti wurde insbesondere das französische und italienische Repertoire erschlossen. Mit Werken von Gouvy, Puolenc und Martin brachte er auf einzigartige Weise die Chorsinfonik des späten 19. u. frühen 20. Jahrhunderts dem Publikum nahe.
Das letzte Werk, das er mit dem MDR-Sinfonieorchester und dem MDR-Chor aufgeführt hat, war das Requiem von Frank Martin.Er wurde vom Publikum wie vom Orchester überaus geschätzt.

Viottis Musizierstil war von natürlicher Perfektion, von Eleganz und Lebendigkeit gekennzeichnet. Er trat niemals als Pultdiktator in Erscheinung, sondern immer als Maestro mit Grandezza.
Marcello Viotti starb 50jährig, nachdem er in der vergangenen Woche bei einer Probe in Münschen zusammengebrochen und danach ins Koma gefallen war an einer schweren Gehirnerkrankung. Er hinterläßt seine Frau und vier Kinder.

Quelle: mdr

siehe auch: http://nmz.de/kiz/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=911…