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Zum 12. Mal vergibt das Filmbüro Bremen seinen mit insgesamt Euro 6.500 dotierten Videokunst Förderpreis. Ausgezeichnet wird ein Konzept, keine fertige Arbeit: dies ist die Besonderheit des Bremer Preises. Die so Ausgezeichneten präsentieren die fertiggestellten Arbeiten im darauffolgenden Jahr in einem der grossen Bremer Museen.
Der Videokunst Förderpreis wird seit 1992 vom Filmbüro Bremen in Kooperation mit dem Senator für Kultur, der Bremischen Landesmedienanstalt, Radio Bremen und dem Künstlerinnenverband Bremen, Gedok vergeben. In den zwölf Jahren kontinuierlicher Förderung von innovativen und jungen Künstlern hat sich der Videokunst Förderpreis Bremen einen Ruf als verlässliche Quelle für Entdeckungen geschaffen.Teilnahmeberechtigt sind und waren Künstlerinnen und Künstler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) und aus den Bremer/Bremerhavener Partnerstädten.
Aus den annähernd 200 qualitativ insgesamt hochstehenden Einreichungen hat die Jury zwei Preisträger ausgewählt, die am 28. November im Neuen Museum Weserburg im Rahmen der Vernissage zur Ausstellung der Preisträger des letzten Jahres bekannt gegeben werden.
Die Jury 2003:
Prof. Dr. Ursula Frohne, Professor of Art and Art History, International University Bremen
Prof. Birgit Hein, Medienkünstlerin und Professorin an der HBK Braunschweig
Thomas Pätzold, Mitbegründer der medienwerkstatt rostock und seit 1993 Geschäftsführer des instituts für neue medien in Rostock
Kuratorin des Preises ist Conny E. Voester (Berlin und Basel)
Statement der Jury zum 12. Videokunst Förderpreis Bremen, 13. November 2003
Mit annährend 200 Einsendungen anlässlich der Ausschreibung des Videokunst Förderpreises verzeichnete das Filmbüro Bremen in diesem Jahr eine deutliche Steigerung der internationalen Beteiligung an diesem 12. Wettbewerb. Auch hinsichtlich der Präsentationsniveaus und der künstlerischen Konzeption stellte die Jury eine Zunahme des qualitativen Potentials der eingereichten Projektvorschläge fest. Überraschend war dagegen die unverändert geringe Beteiligung der Bremer Künstlerinnen und Künstler. Auch eine intensivere Einbindung der Partnerstädte Bremens -- Bratislava, Cherbourg-Octeville, Corinto, Dalian, Frederikshaven, Gdansk, Grimsby, Haifa, Izmir, Kaliningrad, Pori, Riga, Rostock and Szczecin -- wäre im Sinne der prinzipiell internationalen Ausrichtung des Förderpreises wünschenswert und wird durch gezielte Kontaktaufnahme zu den Kunstakademien und anderen kulturellen Einrichtungen in diesen Städten weitere Anregung erfahren.
Die Nominierung der Preisträger seitens der Jurymitglieder fiel trotz der Vielzahl von Einsendungen mit einem klaren Votum auf die folgenden Beiträge:
Den Hauptpreis des 12. Videokunst-Förderpreises (EUR 5.000,--)
vergibt die Jury an:
Caspar Stracke für
Doppel
Videoinstallationsprojekt
Caspar Strackes Konzept für eine komplexe Videoinstallation basiert auf dokumentarischen Aufnahmen von historisch bedeutsamen Monumental-bauten wie der Akropolis in Athen, dem Capitol in Washington oder dem Petersdom in Rom. Diese emblematischen Bauten existieren zugleich als reduzierte Repliken an anderen geographischen Orten, die den jeweiligen Stil dieser Kulturdenkmäler in einen "fremden" Kontext transferieren. Strackes räumlich konzipierte Inszenierung von Video-aufnahmen dieser Gebäudepaare untersucht das architektonische, kulturelle und urbane Doppelleben solcher touristisch begehrten Bildmotive an ihren Originalschauplätzen. Die klare Struktur der Arbeit unterstreicht zum einen das dokumentarische Potential von Video als ein Informations- und Darstellungsmedium. Zum anderen verweist die vergleichende Motivwahl auf die transkulturelle Bedeutung von "Bildern" im globalen Austausch von Wertvorstellungen und Identitäten. In der Gegenüberstellung von Original und Kopie bringt Stracke unterschiedliche kulturelle Systeme in einen visuellen Dialog miteinander, wobei die Frage nach dem kulturellen Erbe in ein paradoxes Spiegelverhältnis gerät. Video wird hier als ein Übersetzungsmedium eingesetzt, das zwischen Kommunikation und kultureller Differenz seine eigenen Gesetzmässigkeiten entfaltet.
Kontakt: Caspar Stracke
e-mail: kasbah [at] hotmail.com (kasbah[at]hotmail[dot]com)
Den regionalen Förderpreis des 12. Videokunst Förderpreises (EUR 1.500,--) vergibt die Jury an:
Karina Smigla-Bobinski für
ohne Titel
Raumbezogene Dia-, Videoinstallation
Die multi-mediale Installation von Karina Smigla-Bobinski kombiniert unterschiedliche Projektionstechniken, die unmittelbar auf die Präsenz der Besucher reagieren. Durch eine komplexe Lichtregie entsteht ein Interaktionsfeld, in dem projizierte Videoaufnahmen von fremden Personen mit dem Schatten des jeweiligen Ausstellungsbesuchers verschmelzen. Karina Smigla-Bobinski setzt Video in dieser räumlichen Anordnung als ein Medium der Begegnung mit dem eigenen Abbild ein, das zugleich durch die Überblendung mit dem Aspekt der „Fremdheit“ oszilliert. Mit diesem Konzept knüpft die Künstlerin an den Aspekt der Selbstbefragung als eines der traditionellen Themen der Videokunst an. Doch entwickelt sie diesen Ansatz weiter, indem sie die narzistische Konstellation der üblichen Verwendung der Videotechnik um die Konfronation mit dem „Anderen“ im Schatten der eigenen Erscheinung erweitert. Auf diese Weise entsteht ein Raum der „Selbsterfahrung“, die erst in der Begegnung mit dem Bild des Anderen ihre Gestalt annimmt.
Kontakt: Karina Smigla-Bobinski
e-mail: karina [at] smigla-bobinski.com (karina[at]smigla-bobinski[dot]com)
Weitere Informationen bei:
Filmbüro Bremen e.V., Waller Heerstrasse 46, D - 28217 Bremen
Tel: ++49 – (0) 421 – 387 67 40, Fax: ++49 – (0) 421 – 387 67 42
e-mail: vkp [at] filmbuero-bremen.de (vkp[at]filmbuero-bremen[dot]de), http://www.filmbuero-bremen.de