Mainz - Die expressive Sprache von tanzmainz ist jetzt auch in New York angekommen. Die Kulturministerin spricht von einem «Aushängeschild für Rheinland-Pfalz». Tanzdirektor Honne Dohrmann will das Publikum auch in der nächsten Spielzeit überraschen.
Mit fünf Aufführungen in New York ist das Ensemble tanzmainz erstmals in den USA aufgetreten und feiert so den bisherigen Höhepunkt einer besonderen Entwicklung. «Wir haben uns etwas aufgebaut und sind auf dem Weg, eine neue Idee von zeitgenössischem Tanz am Repertoire-Theater zu etablieren», sagt Tanzdirektor Honne Dohrmann. Dem erwiesen auch der Intendant des Staatstheaters Mainz, Markus Müller, und die rheinland-pfälzische Kulturministerin Katharina Binz mit Besuchen in New York ihre Reverenz.
Besonderes Glanzstück des Ensembles ist das in New York aufgeführte «Soul Chain», eine Auftragsarbeit der israelischen Choreografin Sharon Eyal. Die Aufführung erhielt 2018 den Theaterpreis «Der Faust». Die «herausragende künstlerische Arbeit von tanzmainz» strahle nun bis in die USA aus, erklärte Kulturministerin Binz. Die Einladung zu dem Gastspiel am Joyce Theater in New York zeige, dass das Ensemble ein Aushängeschild für Rheinland-Pfalz sei.
Die Mainzer Tanzcompagnie arbeitet ähnlich wie sieben oder acht andere Häuser im deutschsprachigen Raum mit einem «kuratorischen Modell», das heißt ohne festen Choreografen. «Das Ensemble ist Gastgeber für Choreografen, die kommen, um mit uns zusammenzuarbeiten», erklärt Dohrmann. «Damit wird die überkommene Top-Down-Hierarchie großer Ensembles stark relativiert. Die vielen Potenziale, die die Tänzerinnen und Tänzer mitbringen, können so viel leichter in die Produktionen eingebracht werden, die dicht am Puls der Zeit sind.» Die Anfänge für dieses Konzept hat Dohrmann 2007 in Oldenburg mitentwickelt und dann 2014 zusammen mit dem Mainzer Intendanten Markus Müller an den Rhein gebracht.
««Soul Chain» bietet eine überragende Qualität, weil dieses Stück sowohl tänzerisch sehr viel abverlangt hinsichtlich Technik und Disziplin als auch eine starke Emotionalität vermittelt», erklärt Dohrmann. «Die Intensität der Tänzerinnen und Tänzer ist so sehr spürbar, dass man manchmal im Publikum unwillkürlich den Atem anhält.» Die auch musikalisch wirkmächtige Aufführung, die im Februar wieder am Staatstheater Mainz zu sehen ist, ist voll unterschiedlicher Assoziationsebenen zum Verhältnis Individuum und Gemeinschaft.
Mittlerweile erfährt neben «Soul Chain» auch die 2021 in Mainz entstandene Arbeit «Promise» von Sharon Eyal international große Aufmerksamkeit. Und im vergangenen Jahr erhielt tanzmainz bereits zum dritten Mal in sechs Jahren einen «Faust» - der Preis für die beste Choreografie ging an das Stück «Sphynx» von Rafaële Giovanola.
«Natürlich ist bei jeder Produktion auch ein Risiko dabei», sagt Tanzdirektor Dohrmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Immer wenn man etwas Neues versucht, impliziert dies auch die Möglichkeit des Scheiterns.» Herausforderungen stellen sich mit neuen Tänzerinnen und Tänzern, neuen Formen und neuen Spielorten - zuletzt etwa mit dem Leibniz-Zentrum für Archäologie. «Es ist eine Suchbewegung, und es sind manchmal drei Schritte vor, zwei zurück.» Aber genau das mache die künstlerische Arbeit auch so aufregend.
So aufregend, dass Honne Dohrmann jetzt seinen Vertrag am Staatstheater Mainz vorzeitig bis zum Ende der Saison 2026/27 verlängert hat. Vielleicht hätte man auch sagen können, dass sich gerade nach einer solch dynamischen Entwicklung wie zuletzt ein Aufbruch zu neuen Ufern anbieten würde, erklärt Dohrmann. «Aber jetzt ist es einfach spannend, diesen Schwung, den wir genommen haben, für eine Verstetigung unserer Idee zu nutzen.»
Das Ensemble umfasst 19 fest engagierte Tänzerinnen und Tänzer sowie drei Apprentices, also Tanzstudierende im letzten Ausbildungsjahr. Außerdem arbeiten sieben weitere Menschen für tanzmainz, unter ihnen eine Tanzvermittlerin, die pädagogische Angebote insbesondere für ein junges Publikum entwickelt.
Zu den Entwicklungszielen, die der Tanzdirektor vor Augen hat, gehört, dass tanzmainz auch unabhängig vom Namen Sharon Eyal mit Gastspielen auf Tour gehen kann. Das Programm für die nächste Spielzeit ab Sommer hat Dohrmann schon im Kopf. Die Besucherinnen und Besucher können sich auf neue Ideen freuen: «Man darf sich nicht zum Sklaven bestimmter Erwartungen machen. Wir wollen unser Publikum lieber immer wieder aufs Neue überraschen und begeistern.»