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Figuren und Zeichen - Ausstellung im Bucerius Kunst Forum erinnert an den großen Meister der Avantgarde Willi Baumeister
Hamburg (ddp-nrd). Dem Maler Willi Baumeister (1889-1955) ist etwas gelungen, was nur wenigen bedeutenden deutschen Künstlern während der Zeit des Nationalsozialismus vergönnt war: Er verließ das Land nicht und konnte sich trotz Verfolgung künstlerisch weiterentwickeln. Nach seiner Entlassung aus dem Lehramt 1933 waren auch seine Werke als «entartete Kunst» verfemt; ab 1941 erhielt er Mal- und Ausstellungsverbot. Am 50. Todestag des Künstlers, am 31. August, eröffnet das Bucerius Kunst Forum in Hamburg eine große Retrospektive, in der die bedeutenden Werke aus allen Schaffensperioden des Künstlers zu sehen sein werden.Baumeister besaß internationale Anerkennung. Besonders in Frankreich war er ein hoch geschätzter Vertreter der abstrakten Malerei der Avantgarde. Schon in den 20er Jahren hatte er durch seine flächigen, farbigen konstruktivistischen «Mauerbilder», jene Bildtafeln, die durch Beimischung von Sand und Kitt ein mauerähnliches Relief erhalten und mit kubistischem Formengut gestaltet werden, auf sich aufmerksam gemacht. Diese Bilder brachten Baumeister den internationalen künstlerischen Durchbruch. 1926/27 hatte er seine erste Einzelausstellung in Paris.
Im Dritten Reich war er als «entartet» verfemt und konnte als Künstler kaum in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten. Er widmete sich daher prähistorischen und orientalischen Studien, die den wesentlichen Motivfundus seiner «Eidos»-Bilder und «Ideogramme» bilden. Während des Krieges schrieb Baumeister das Buch «Das Unbekannte in der Kunst», das 1947 erschien.
Nach dem Krieg nahm Baumeister seine Lehrtätigkeit an der Kunstakademie in Stuttgart wieder auf. Er zählte fortan durch sein umfassendes Werk und seine grundlegenden kunsttheoretischen Schriften zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Moderne. Sein Werk, eingangs noch dem Gegenständlichen verhaftet, zeigte eine immer abstrakter werdende Formensprache. In seinem Spätwerk arbeitete er schließlich großflächig mit eindrucksvollen Farben.
Die Hamburger Ausstellung bezieht sich in ihrer Struktur und Anordnung auf die letzte vom Künstler selbst zusammengestellte Retrospektive im Stuttgarter Kunstverein aus Anlass seines 65. Geburtstags. Die Gemälde werden nicht in einer konventionellen Galerie-Hängung präsentiert, sondern ihre Anordnung folgt einem freien Rhythmus. «Dies war eine Darstellungsform, die Baumeister auch selbst favorisierte», sagt Kurator Heinz Spielmann. Gezeigt werden rund 80 Gemälde, 30 Zeichnungen, einige druckgrafische Blätter sowie sein sehr persönliches Kompendium früher und fremder Kunst, darunter nah- und fernöstliche Kunstwerke, Masken sowie Objekte aus Afrika, Ozenanien und Amerika.
Die Leihgaben stammen vor allem aus dem umfangreichen Baumeister-Archiv im Kunstmuseum Stuttgart sowie aus verschiedenen deutschen Sammlungen. Die Auswahl primitiver Kunst kommt aus der eigenen Sammlung des Künstlers.
«Die Gegenüberstellung von Baumeisters Bildern mit der Kunst früher und fremder Kulturen verdeutlicht die Anregungen, die ihm diese Kunst gab und betont gleichzeitig die fantasievolle Eigenständigkeit seiner Bilder», sagt Spielmann. Parallel zum Ausstellungskatalog erscheint das völlig neu bearbeitete und ergänzte Werksverzeichnis der Druckgrafik Willi Baumeisters von Heinz Spielmann. Die Schau des Bucerius Kunst Forums wird im Anschluss in Münster und in Wuppertal gezeigt.
Angelika Rausch
http://www.buceriuskunstforum.de