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Schlammloch-King. Foto: Johannes Radsack
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Agit-PropKomm? Berliner Branchentreff zwischen Schwund und Schmäh

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Zurzeit meeten sich in Berlin die gern selbsternannten Wichtigs der Entertainment-Szene auf der Popkomm. Die Selbstvermarktung dieses „Branchen-Highlights“ erinnert an blumige Investment-Empfehlungen der Hypo-Real-Estate – oder auch an das Brunft-Verhalten von Nilpferden: Hippos, die mit ihrem Stummelschwanz am meisten Mist im Wasser verquirlen, dürfen sich als Schlammloch-Kings fühlen.

Was in zahllosen Pressemitteilungen und in den einschlägigen Organen der Musikwirtschaft als Top-Ereignis hochgejubelt wurde, ist in vieler Hinsicht ein Schrumpf-Produkt. Die ehemals drei Messehallen wurden auf zwei eingedampft. Nur noch ein wenig Major – Warner, Universal Music – hält die Popkomm für bescheiden wahrnehmenswürdig. Universal Music zum Beispiel investiert zunehmend lieber in perspektivische Projekte wie den „Tag der Musik“ – in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat.

Die als „hochkarätig“ angepriesenen Panels entpuppen sich weitgehend zu Laufhäusern immer der gleichen politisch Profilierungs-Bedürftigen im Verbund mit den Masterminds ökonomistischer Pop-Phantasien und großmundigen Projekthubern vermeintlicher Nachwuchsförderung – zunehmend auf DSDS-Niveau. Siehe: "Iniative Musik". Kuschelige Meeting-Lounges geraten in diesem Ambiente zu Separees für mutuelle Verbal-Onanie. Das Bindewort „Kreativwirtschaft“ verliert seinen Sinn mangels Vorhandensein der beiden ersten Silben.

Zwar wird hinter den Kulissen schon beraten, die allenfalls noch schillernde Exhibition in ein schieres Kongress-Gerüst umzupflanzen. Das wirkt beim derzeitigen Zustand des Unterfangens Popkomm allerdings, als fülle man Wüste-Gobi-Sand in einen Blumentopf - und wartet auf die Orchideenblüte.

Wirklich „kreativ“ verhält sich unter diesen Umständen eigentlich nur unsere allseits geschätzte Verwertungsgesellschaft GEMA: Sie trägt – vermutlich zur Refinanzierung ihres bedeutenden Messe-Auftritts klug dazu bei, indem sie Kaffee-Bons für 1,30 Euro pro Tasse an ihre Mitarbeiter verkauft, die dann über die Vergabe an eventuelle Gäste selbst zu entscheiden haben. Das nennt man unternehmerisch taffe Erziehung zur Selbstverantwortung. Respekt, Harald Heker!

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