Die nmz ist für ihre Meinungsvielfalt ebenso berühmt wie berüchtigt. Und unsere Rubrik „Nachschlag“gilt geradezu als ein Hort der freien Stimme. Gern geben wir Klaus Bernbacher Raum für seine Sicht der Dinge – im Rückblick auf die Generalversammlung des Deutschen Musikrates in Bonn. Allerdings lassen wir gegen Bernbachers banknachbarliche Sicht der Personalentwicklung beim DMR gern unsere wohlrecherchierte bajuwarische „Legende“ stehen (nmz 3/03, Seite 1: „Erste Schritte“). Den Dank an Richard Jakoby holen wir hiermit gern nach. (nmz-Redaktion)
Theo Geißlers Kommentar „Erste Schritte“ hatte Humor, aber auch Aschermittwochs-Aura. Ohne seine immer währenden Verdienste, dem Musikrat mit seinen Problemen ein publizistisches und auch öffentliches Forum zu bieten, schmälern zu wollen, sind aus meiner Sicht einige nüchterne Fakten zu betonen. Damit keine Legende entsteht: Der Vorschlag, Martin Maria Krüger zum neuen Präsidenten zu wählen, entstammt keinem bajuwarischen „Meisterplan“ unseres verehrten Kollegen Wilfried Anton, sondern war der spontane Antrag des Komponisten Klaus Hinrich Stahmer, der neben mir saß. Sicherlich kann Wilfried Anton um fünf Ecken denken, in diesem Fall gab er nur Krügers Kandidatur für das Gesamtpräsidium an seiner Stelle bekannt.
Im Übrigen waren viele aus unterschiedlichen Lagern der Meinung, dass keiner neuer Präsident werden sollte, der dem alten Präsidium angehört hat.
Der künftige Weg des DMR kann nur in einer Balance zwischen den Bundesverbänden und den Landesmusikräten bestehen. Das hat mit Althergebrachtem nichts zu tun. Man stelle sich einmal vor, die Landesmusikräte wären als Fundament beim Insolvenz-Zusammenbruch des DMR nicht absolut intakt gewesen! Die Konferenz der Landesmusikräte war zeitweise das einzige legale Organ des DMR! Auch in Zukunft sind die Kräfte der LMR, die im neuen Präsidium de facto gut vertreten sind, das Regulativ für den knallharten Lobbyismus einiger Bundesverbände.
Das ist keine Absage an die Politik! Die Satzungsdebatte verlief spannend, das Ergebnis war akzeptabel. Das Gesprächsforum der nmz am Vorabend konnte hilfreich das so genannte „Berliner Modell“ und den Entwurf der „Konferenz der LMR“ zu einem Vorschlag zusammenbringen, der schließlich breite Zustimmung fand und Insolvenzverwalter und BKM zufrieden stellte.
Die Befürchtung, möglicherweise nach den wenigen Stunden der Generalversammlung ohne eine neue Satzung zu sein und als Notlösung die alte Satzung mit einigen notwendigen Änderungen versehen zu müssen, trieb alle Beteiligten zur Eile an. Westricks eigener Vorschlag war wohl mehr als Provokation gedacht, den er selber während der Debatte nicht weiter verfolgte. Schließlich gab es nach dem überflüssigen, weil zeitlich nur wenige Wochen vor der Generalversammlung erfolgten Rücktritt des Präsidiums, einen „Notvorstand“! Richard Jakoby, Ehrenpräsident und Präsident des DMR in besseren Zeiten, hat sich für diese schwierige Arbeit reaktivieren lassen und dafür gesorgt, dass die Generalversammlung einberufen und die Satzungsdiskussion beginnen konnte. Er war in dieser kritischen Situation qualifizierter Gesprächspartner des Insolvenzverwalters sowie des BKM und hat das notwendige Tempo der Änderungsentscheidungen wesentlich beeinflusst. Ein Wort des Dankes wäre auch in der nmz angemessen gewesen, zumal der Herausgeber aktueller Gesprächspartner war!