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Bitchmoves*

Untertitel
Ferchows Fenstersturz 2016/06
Publikationsdatum
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Fahr zur Hölle, Popmusik! Aus dem einstigen „Liberté, Égalité, Fraternité“-Spirit des Business ist ein Drecksgeschäft geworden. „Hinterfotzigkeit“ (süddeutsch für „Hinterhältigkeit“) nennt sich das neue Geschäftsmodell. Hier ein paar Anhaltspunkte. Beispiel Nummer eins: Ex-AC/DC Sänger Brian Johnson. Jahrzehntelang hat er seine Rübe für Bon Scott hingehalten. Kaum ist er vom stumpfen Gebolze taub, darf er sich einen Grad der Behinderung von 80 halten und direkt vor dem Einkaufszentrum parken, nageln ihm die Kollegen die Kündigung ans Mikrofonstativ und schieben mit Axl W. Rose den nächsten Notfall auf die Bühne.

Ist das Inklusion, lieber Angus Young? Da wird ein oranges Schild an die Busrückseite geheftet und weiter geht die Tour! Und zwar ungeachtet der Tatsache, dass alle AC/DC-Bandmitglieder schon immer taub waren. Sorry, vierzig Jahre der gleiche Song. Muss doch irgendwem mal aufgefallen sein. Auf der Hinterfotzigkeitsskala von Eins bis Zehn eine klare Neun.

Beispiel Nummer zwei: Belästigung durch hobbylose Musiker in der U-Bahn. Kennen Sie, oder? Sie sitzen in der U-Bahn, wollen zur Arbeit oder still flennen, weil ihnen niemand bei Whats App antwortet. Da gehen die Türen auf und quasi hinter ihrem Rücken packen hygieneverweigernde wie verfilzte Menschen Instrumente aus und beginnen zu spielen. Meist amusisch, oft schmerzfrei und garantiert zu laut. Das, liebe Helikopter-Mamas, kommt dabei raus, wenn die Kiddies Privatstunden beim Kapellmeister im Jugendchor hatten. Rein zufällig wird das Desaster aufgezeichnet und bekommt neun Klicks auf YouTube. Five seconds fame. Nicht auszuschließen ist, dass Spätfolgen derartiger Aktionen bei betagteren U-Bahnfahrern mit Eintritten in die AfD enden. Auf der Hinterfotzigkeitsskala von Eins bis Zehn eine klare Sieben.

Beispiel Nummer drei: Musikalben über Nacht veröffentlichen. Ungefragt und plötzlich. Beyoncé, Drake und James Blake haben es getan. Irgendwie verschmerzbar, weil musikalisch beliebig. Dass Radiohead hinterrücks ihr Album über Nacht veröffentlichen, darf man indes als Attentat werten. Denn das Gejaule, Gewimmer und Gewinsel der Radio-head-Kollegen ohne Vorwarnung auf die Menschheit loszulassen, ist ohne Zweifel ein Grenzfall auf der Hinterfotzigkeitsskala.

Beispiel Nummer vier: der Sänger der österreichischen Metalband Belphegor wird am Flughafen in St. Petersburg von fanatischen russisch-orthodoxen Christen bespuckt. Was nun für ein besonderes Willkommensritual gehalten werden könnte, hat einen ernsten Hintergrund. Die Österreicher sollen laut russisch-orthodoxen Christen „Christen und Muslime in ihren Texten beleidigen“. Deswegen folgte der Bespuckung die Beschimpfung mit „Homos und Satanisten“. Liebe Christen! Spucken? Wie hinterfotzig ist das denn? Warum nicht einfach ordentlich schlägern? „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Das wäre dann auch theologisch abgesichert. Die Popmusik ist am Ende. Denn: nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

* hinterhältige Aktionen

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