„Er hat die Kohlrabi nicht gewogen!“ „Kein Stückpreis?“ – „Nein. Er drückt bitte sehr die 334 auf der Waage.“ Jedesmal fährt die pure Angst in mein Nervenkostüm, wenn die kolossale Dame mit dem Dutt an der Kasse sitzt, mit mir in der dritten Person zu parlieren beliebt und sich ihr phänomenales, ringsum die Hüllkurve mit einem leichten Glissando versehenes „Kohlrabi-R“ frullatoartig in meinen Gehörgang fräst. Überdies richtet sie den aus blondem Granit bestehenden Dutt drohend auf mich, als sei er eine Waffe. Der Dutt ragt dabei wie eine randlose Insel zentral aus dem Kopf hervor und ist offensichtlich mit dem Stammhirn verbunden. Die Dutt-Dame brachte mich auf zwei Dinge und ich danke ihr sehr dafür:
1) Sakrileg: Ich kann mit Cage nichts anfangen. Das ist ihm und der Musikgeschichte zwar wurscht, trotzdem. Jetzt hat sich der Dutt vor meine Abneigung geschoben, denn ich frage mich, ob ich nicht dauerhaft Zeuge eines grandiosen Theaterstückes werde. Jedenfalls feiere ich von nun an den Gang zur Kasse – also ist es Kunst und ich bin glücklich. (Vielleicht ist der Dutt auch der Ausgang aus der Matrix.)
2) Ein Vorschlag an Immereinaufnahmegerätdabeihaber: Ob wir uns bei den nächsten Soundscapes nicht einmal intensiv um Duttträgerinnen kümmern sollten? Nicht immer nur Samples von Autobahnen, Naturlauten, Menschenmassen, Glocken, Helden … Im Dutt, orakelt es in mir, liegt die Zukunft der komponierenden Zunft, vertraut mir!