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Cluster 2012/12 - 2

Untertitel
Nörgeln
Publikationsdatum
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„Tolle Stadt, super Essen, schönes Wetter, riesengroßes Atelier, Putzhilfe und gelegentliche Schickimicki-Treffen bei Fackelschein, ein Jahr lang monatlich Drölfeinhalbtausend Euro steuerfrei, somit erst einmal Ruhe vor lästigen Nebenjobs. Außerdem bin ich ein supertoller Hecht, viel superer als die anderen Hechte. Gruß.“ Ich verwette einen stattlichen Anteil meines Gesäßes darauf, dass das die wesentlichen Gründe für einen Musiker/Komponisten und ähnliches sind, sich um ein Stipendium zu bemühen. Warum denn auch nicht? Manche von uns leben gerne im Diesseits.

Schriebe man derlei aber als Begründung in die entsprechende Bewerbung, was würde dann die Jury sagen? Also gilt es wieder und wieder, irgendein politisch korrektes Ästhetik-Geschwurbel abzusondern. Könnte man nicht bitte bitte endlich auf dieses gegenseitige, nervige Herumeiern verzichten und Tacheles reden? Wenn man sich wenigstens wohlformulierte Projekt-Bewerbungs-Readymades runterladen könnte: nur noch männlich oder weiblich ankreuzen, bei Projektanträgen entsprechend die am Projekt beteiligten Randgruppen näher spezifizieren, die Begriffe Nachhaltigkeit/Integration/transmedial hellblau unterstreichen, Briefmarke draufkleben und der Drops ist gelutscht. Der gemeine Kunstarbeiter verbringt ohnehin gefühlte 97 Prozent seiner Zeit damit Anträge, Bewerbungen und anderes zwielichtiges Gedönse auszufüllen. Wenn man meiner Nörgelei folgen würde, blieben mindestens 17 Prozent mehr Zeit für sinnvollere Tätigkeiten: Igelretten, Laternenbasteln. Sowas in der Richtung …

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