Als der Große Zapfenstreich (eher zufällig) über meinen TV-Bildschirm lief (natürlich nicht lief, sondern stramm aufmarschierte), wurde ich von einer Schockstarre überrumpelt, die verhinderte, mich von der Fernsehübertragung zu lösen, und sie bewirkte, dass ich von Anfang bis Ende den Zeremonismus verfolgte.
Die Erinnerung verfolgt mich noch bis heute und nun hat Sven Ferchows „Fenstersturz“ mich von meiner Erstarrung befreit.
So kann ich also drauflos lästern über die schlagtechnisch wie auch mimisch schier ausflippende, dennoch militärdiszipliniert gebremste Freude des Dirigenten, die musikalischen Grenzen von Nationalhymnen überschreiten zu dürfen; über die balletteuse „Stechschritt“-Schlägelperformance des Paukers; über das rhythmisch exakte Percussiongeklappe der Gewehre:
„auf“ klack (warum?) – „ab“ klack (warum jetzt?) – „auf“ „ab“ (warum schon wieder) und so weiter; über die stimmbildungsbedürftigen Befehle des Kommandeurs; über die swinglose (Schwankungsangst?) Überquerung von sieben Brücken.
Für die Zukunft ist wohl kaum damit zu rechnen, dass man es wagt, den „Streich“ zu streichen.
Mit vielen freudig kommentierenden Grüßen
Claus Christianus, Puchheim