Irgendetwas müssen wir alle seit langer Zeit falsch gemacht haben. Denn sonst würden nicht an allen möglichen und unmöglichen Stellen die Musikvermittlungsinitiativen aus dem Boden gesprossen sein. Mittlerweile sind diese Dinge seit weit über zehn Jahren auf dem Weg. Sogenannte Kinderkonzerte gibt es in den USA mindestens seit den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts! So langsam darf die Frage gestattet sein: Was hat es gebracht? Außer Arbeitsplätze und neue Studiengänge? Ist so ein Erfolg überhaupt messbar? Und wenn, wie, womit und wie belastbar? Oder muss man doch noch erst weitere 50 Jahre warten. Vergleichbar sind die Zahlen sowieso nie und nimmer mehr, denn das ganze Umfeld wandelt sich permanent, mögen die Noten auch noch so urtextsicher sein wie man denkt.
Es gibt die Theorie, dass die ganze Vermittlungssache erst das Problem hervorbringt, die es sich dann zu bekämpfen anschickt. Vermittlung schaffe erst die Distanz, die man zu überwinden hofft. Dabei ist die grimmige Grundfrage noch unbeantwortet: Welches Problem haben wir denn überhaupt? Dreht man den Spieß um, wird es klarer. Die Mitglieder der sogenannten Generation 50plus (also die über 50-Jährigen) sind, folgt man der Käufer-Forschung der Musikindustrie, erstaunlich klassikaffin, aber es gibt verhältnismäßig wenig Popmusik-Käufer unter ihnen. Ein Vermittlungsproblem?
Müsste man nicht langsam mal beginnen, diesem überaus zahlungskräftigen Publikum aktuelle Popmusik nahezubringen mit von Joachim Fuchsberger und Johannes Heesters moderierten Opa- und Oma-Konzerten von Justin Bieber, Lady Gaga und Lena? Musikindustriell gesehen wäre das sehr sinnvoll.
Nach wie vor wäre das Problem damit allerdings nur verschoben. Edgar Wind ging in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts diese Frage im Kern an: „Wenn die Kunst wieder eine Rolle im Zentrum unseres Lebens spielen soll, so wird sich zunächst einmal unser Leben ändern müssen“, schreibt er in seinem Buch „Kunst und Anarchie“. Aber wer könnte das? Und vor allem, wer wollte es?