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Kultur in den Händen der Schule

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Zum Leitartikel „Becken-Bauer“, nmz 4/01, S. 1
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Ihr Artikel „Becken-Bauer“ in der letzten nmz-Ausgabe kann nicht unwidersprochen bleiben. Er beklagt zwar im Zusammenhang mit der Beurteilung der Aktion „Schule braucht Musik“ die Misere der klassischen Musik, zieht aber daraus meines Erachtens die falschen Schlüsse.
Nach Übersetzung in allgemein verständliches Deutsch ergibt sich aus Ihrem Artikel ein Bild, das vor allem Kritik an den Institutionen übt, die sich mit großem Engagement für den langfristigen Fortbestand der klassischen Musik einsetzen. Dafür aber fehlt jeder Hinweis auf die eigentlichen Ursachen für das wachsende Desinteresse vieler Menschen an klassischer Musik.

Ihr Artikel „Becken-Bauer“ in der letzten nmz-Ausgabe kann nicht unwidersprochen bleiben. Er beklagt zwar im Zusammenhang mit der Beurteilung der Aktion „Schule braucht Musik“ die Misere der klassischen Musik, zieht aber daraus meines Erachtens die falschen Schlüsse.Nach Übersetzung in allgemein verständliches Deutsch ergibt sich aus Ihrem Artikel ein Bild, das vor allem Kritik an den Institutionen übt, die sich mit großem Engagement für den langfristigen Fortbestand der klassischen Musik einsetzen. Dafür aber fehlt jeder Hinweis auf die eigentlichen Ursachen für das wachsende Desinteresse vieler Menschen an klassischer Musik. Hier seien nur drei Gründe genannt:
  1. Trennung von U- und E-Musik in den letzten 100 Jahren sowie die Entstehung einer zeitgenössischen Musik, die weitgehend am Rezeptionsbedürfnis des Hörers vorbeigeht und überwiegend von öffentlichen Subventionen lebt. Dazu kommt eine Fachwelt, die jede Art von Popularität in den Bereich der Unterhaltung verbannt. (Die Extremisten tun dies sogar mit Komponisten wie Rachmaninoff.)
  2. Für Punkt 2 steht Ihr Artikel: Anstatt gemeinsam ein Problem in Angriff zu nehmen, werden Einzelheiten von Initiativen anderer kritisiert. Dabei wäre es an der Zeit, dass sich Medien und Organisationen gegenseitig – unter Verzicht auf Eigenprofilierung – unterstützten. Vielleicht ist eine konzertierte Aktion aller Beteiligten gefragt, die verschiedenste Maßnahmen bündelt und koordiniert (...und sie dann der Öffentlichkeit allgemein verständlich darstellt!).
  3. Steigende Schwellenangst der jüngeren Generation vor der Klassik.
    Auch an dieser Erscheinung ist die Musikszene in hohem Maße selbst schuld. Die Musik muss zur Emotionalität zurückfinden. Nur eine lebendige Musik lässt sich Jugendlichen und Kindern vermitteln. In diesem Zusammenhang ist es besonders zu begrüßen, dass sich an den Aktionen in den Schulen eine Reihe von bekannten Musikern beteiligt haben. Dies wurde von Ihnen leider nicht erwähnt.

Die Aktion der Deutschen Phonoakademie „Schule braucht Musik“ setzt also genau dort an, wo es am wichtigsten ist. Da Anregungen durch das Elternhaus und durch Hausmusik selten geworden sind, liegt die Verantwortung für die Weitergabe unserer Kultur überwiegend in den Händen der Schule, auf die man aber nicht alle Aufgaben abwälzen sollte. Deshalb ist jede Aktion, die die Schulen in ihrer Aufgabe unterstützt, mit allen Mitteln zu fördern. Wenn wir erreichen wollen, dass der Musikunterricht in den Schulen intensiviert wird, muss sich vor der Öffentlichkeit etwas bewegen. Nur dann sehen die Politiker den von uns gewünschten Handlungsbedarf.

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