Der Wirtschaftsrat der CDU in Schleswig-Holstein fordert von der Hansestadt Lübeck einen harten Sanierungskurs für ihren Haushalt. Ohne eine Radikalkur drohe der Stadt die Verarmung mit schwerwiegenden Folgen für die Bürger. Soweit der Originalton des Wirtschaftsratssprechers Wilhelm Wessel. Er hat dann auch schnell die entsprechenden Vorschläge parat, als da wären: die Schließung des Theaters, die private Vermarktung der Museen und anderer Kultureinrichtungen, den Verkauf von Kunstgegenständen und Sammlungen sowie der Musik-und Kongresshalle und auch des Stadtwaldes. Vergessen hat er anscheinend das Holstentor, das man gut abreißen und in einem chinesischen Euro-Park wiederaufstellen könnte, gegen Barzahlung selbstverständlich. Wir möchten dem CDU-Mann Wilhelm Wessel dagegen die Lektüre eines Aufsatzes von Thomas Mann empfehlen: „Lübeck als geistige Lebensform“. Der Dichter dachte dabei sicher nicht an ein Marzipanbrot. Eher an eine Bürgerschaft, für die Kunst und Kultur wie selbstverständlich zur Lebensidentität gehören. In den 20er-Jahren sagte einmal ein bekannter Kommunist, wenn er das Wort Kultur höre, entsichere er den Revolver. Heute halten sich die Kultur-Revolverhelden offensichtlich bei den Christdemokraten auf.
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Lübeck als geistige Konkursmasse
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