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Generalstreik für Kultur?
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„Würden Sie sich mit Künstlern und Kulturschaffenden solidarisieren und gegen Einsparungen im Kulturbereich demonstrieren?“

Eine Mini-Umfrage von Deutschlandradio Kultur unter einer Handvoll Berliner Passanten ergab ein ernüchterndes Stimmungsbild für Deutschlands Kulturschaffende. Keiner der Befragten sah Handlungsbedarf. Die Öffentlichkeit verfolgt genau, wenn ARD-Intendanten ihre Gehälter offenlegen müssen. Gleichzeitig gibt es aber keinen Aufschrei, wenn der SWR ankündigt, bis Ende des Jahrzehnts 15 Prozent seines Budgets einzusparen. Kein Mensch geht in Baden-Württemberg dafür auf die Straße. Höchst beunruhigend für die Kultur. Was tun? Kultur zum Staatsziel machen? Wenn aber die nächste „Blase“ der noch lange nicht ausgestandenen Bankenkrise die Staatsanleihen sein werden, dann werden Staatsziele  bald nicht mehr erfüllbar sein.

Dazu muss man nicht einmal nach Griechenland schauen. Wie schnell dies gehen kann, machen derzeit auch italienische Kulturpolitiker vor. Die nmz berichtete in ihrer Juli/August-Ausgabe ausführlich (Seite 13) über die geplanten Kürzungen öffentlicher Subventionen für Theater durch die italienische Regierung. Jetzt wurde ernst gemacht und das Personal eines Opernhauses auf Kurzarbeit gestellt. Die rund 300 Mitarbeiter des Theaters Carlo Felice in Genua sind seit Anfang August betroffen. Ihnen droht die Entlassung, da das Theater Schulden in Höhe von 17 Millionen Euro angesammelt hat. Auch andere italienische Opernhäuser sind durch schwere Schulden belastet. Sowohl das Theater San Carlo in Neapel als auch die Arena von Verona wurden deswegen unter Aufsicht eines Sonderverwalters gestellt.

Auch in Deutschland stehen der so genannten meritorischen Kulturlandschaft harte Zeiten bevor. Eine Sache ist es, die Politik zu beraten und davon zu überzeugen, dass man mit der Schließung von Kultureinrichtungen keinen Haushalt saniert. Eine andere ist die, auch kommende Generationen mit den Küns-ten vertraut zu machen. Vor dem Hintergrund unserer überalterten Gesellschaft ist deshalb ein Kulturprojekt wie mu:v (Musik verbindet) der Jeunesses Musicales in seiner potenziellen Nachwirkung nicht hoch genug einzuschätzen. Wir brauchen mehr davon.

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